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Der neue Kia Niro EV im Test: Elektroantrieb schlägt Hybrid

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Von: Rudolf Bögel

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Kia Niro EV weiß volle Fahrt Front
Die zweite Generation des Kia Niro hat keinen reinen Verbrenner mehr, das E-Auto schafft 460 Kilometer Reichweite. © www.weigl.biz / Kia

Der Bestseller Kia Niro kommt neu auf den Markt. Nicht mehr als reiner Verbrenner, sondern als Elektro-Trio. Welcher ist der Beste: BEV, PHEV oder HEV?

Als Vorname selten, als Nachname berühmt, als Auto ein Bestseller. Nur einer von 100.000 Buben in Deutschland heißt Niro. Robert De Niro ist einer der bekanntesten US-Schauspieler (zwei Oscars). Und als Kia hat sich der Niro allein in Europa 350.000 Mal verkauft. Jetzt rollt der neue Kompakt-Koreaner zu den Händlern. Als BEV, HEV und PHEV.

Kia Niro EV Anzeige Reichweite
Eine der wichtigsten Anzeigen in einem Elektroauto. Der Kia Niro zeigt die Reichweite an, einmal mit und einmal ohne den Betrieb der Klimaanlage. © www.weigl.biz / Kia

BEV, PHEV oder HEV – wen lieben die Käufer?

Am interessantesten dürfte der reine Stromer, also der BEV, sein. 70 Prozent der Käufer, so schätzt Kia, werden sich für das Elektroauto entscheiden. Jeder fünfte werde einen Plug-in-Hybriden (PHEV) kaufen, während der Anteil der Mild-Hybriden (HEV) ohne aufladbare Batterie gegen zehn Prozent tendieren soll. Gefahren sind wir für unseren Fahrbericht alle drei Varianten. Nach diversen Testrunden kommen wir zu einer klaren Wertung. Platz eins gebührt dem Stromer, nicht nur, weil sich der Niro mit dem reinen Elektro-Antrieb am besten fährt, sondern weil Hybrid-Fahrzeuge eben immer ein schaler Kompromiss sind.

Kia Niro EV Cockpit
Übersichtlich und aufgeräumt präsentiert sich das Cockpit des Kia Niro. Alle Materialien bestehen aus Kunststoff oder Pflanzenfasern. © www.weigl.biz / Kia

Stromer vier Sekunden schneller als der Hybrid

Sowohl der HEV als auch der PHEV haben einen 1,6 Liter großen und 105 PS starken Benziner an Bord. Beim Mild-Hybrid kommt noch eine E-Maschine mit 32 kW Leistung dazu, beim Plug-in ist sie größer und hat 62 kW. Macht eine Sekunde Unterschied bei der Beschleunigung, die mit 11,8 und 10,8 Sekunden eher im gemütlichen Bereich liegt (E-Antrieb: 7,8). Beide schleppen zusätzliche und schwere Technik mit sich herum (beim PHEV wiegt allein schon die Batterie 111 Kilo). Weshalb Verbrauch und Effizienz nicht wirklich prickelnd sind. 100 Kilometer kosten nach unseren Berechnungen zwischen neun und zehn Euro im günstigsten Fall. Der Stromer kommt mit knapp der Hälfte aus. Und auch beim Fahrgefühl schneidet der E-Antrieb besser ab. Hier leises und kraftvolles Gleiten, dort (beim PHEV) ein lauter Motor, der sich hochtourig einschaltet, wenn der Akku leer ist oder schnell mehr Power benötigt wird. Und es gibt noch einen Grund, der für die Elektrovariante spricht: Von allen drei Modellen hat er den meisten Platz im Kofferraum. Der Plug-in-Hybrid verliert im Vergleich dazu stattliche 147 Liter, das ist nicht gerade wenig.

Kia Niro grün Heck
Macht auch von hinten eine gute Figur. Die Schulterpartien des Kia Niro EV können in einer anderen Lackierung bestellt werden. Der Auspuff fehlt natürlich. © WWW.WEIGL.BIZ / kia

Der Unterschied ist da, wo etwas fehlt

Vom Aussehen unterscheiden sich die drei Niro-Modelle kaum. Von hinten erkennt man den Stromer an dem, was fehlt. Am Auspuff. Vorne fällt eine kleine Klappe im Kühlergrill auf, dahinter verbirgt sich die Steckdose zum Aufladen. Die Platzierung in der Mitte ist praktisch, weil man immer bequem einstöpseln kann, egal ob die Ladesäule rechts oder links vom Auto steht. Auch clever: Die Steckdose ist nachts beleuchtet. Und sie kann Strom abgeben. Mit einem Adapter wird der Niro EV so zur rollenden Ladesäule. Mit einer Leistung von bis zu 3,3 kW kann man zum Beispiel sein E-Bike mit Strom versorgen. Apropos: Mit vollem Akku (Kapazität 64 kWh) kommt der Niro rund 460 Kilometer weit. Im City-Betrieb können daraus sogar über 600 Kilometer werden, weil das Auto beim häufigen Stop-and-Go-Verkehr ziemlich viel Energie zurückgewinnt.

Kia Niro EV Frunk Kofferraum vorne
Im sogenannten Frunk, das ist ein zusätzlicher Kofferraum unter der Motorhaube, kann man das Ladekabel gut unterbringen. © www.weigl.biz / Kia

Schneller als 167 km/h ist der BEV nicht

Wie alle anderen Niros wird der BEV an der Front angetrieben. Beim Tritt auf das Gaspedal entfaltet das Drehmoment sofort seine ganze Pracht (255 Nm) und schiebt den mit 4,42 Meter doch recht langen Kompakten ordentlich an. Im Stadtverkehr gehört der Niro damit zu den Sportlichen. Auf der Autobahn mag der ein oder andere Benziner vorbeiziehen, aber das liegt auch an der abgeregelten Geschwindigkeit von 167 km/h. Wer auf One-Pedal-Driving steht, der zieht am linken Paddel hinter dem Lenkrad eine Sekunde lang und schon lässt sich der Niro nur mit dem Gaspedal fahren.

Kia Niroe EV weiß Steckdose Aufladen
Da haben die Entwickler mitgedacht. Die Steckdose zum Aufladen sitzt in der Mitte des Kühlers. So kann man bequem anstöpseln, egal wo sich die Ladesäule befindet. © www.weigl.biz / Kia

Aufladen an der Steckdose dauert mehr als 24 Stunden

Ein Auflademeister ist die neue Generation des Kia Niro nicht. 75 kW schafft sie am Schnellader. Nicht unbedingt ein Spitzenwert – dafür aber lässt sich die Batterie jetzt vorkonditionieren. Das heißt sie wird auf 20 bis 26 Grad gebracht, dann sind die Zellen aufnahmefähiger für frischen Strom. Das macht das System aber nur, wenn man über das Navi den nächsten Ladepunkt ansteuert. Hilft auch nicht viel an der heimischen Steckdose. Bei den üblichen 230 Volt muss man mehr als 24 Stunden zuwarten, bis der Akku wieder voll ist. An einer Wallbox mit 11 kW Leistung geht es etwas schneller. Da ist die Batterie in sechs bis Stunden wieder voll. Theoretisch, den in aller Regel geht es viel flotter, weil man ja gerade bei einem Elektroauto nicht wartet, bis der ganze Saft weg ist.

Kia Niro EV Kofferraum geöffnet
Den meisten Platz im Kofferraum bietet die Elektro-Version, den geringsten der PHEV. Schließlich müssen zwei Motoren und eine Batterie untergebracht werden. © www.weigl.biz / Kia

Kia Niro ganz im Trend – hier gibt es nichts mehr vom Tier

Noch ein Blick ins Innere des neuen Kia Niro. Bei den Instrumenten wurde großer Wert auf die Übersichtlichkeit geachtet. Die zwei 10,25-Zöller fügen sich wie beim großen Bruder EV6 unter einer Glasscheibe zu einem Curved Display zusammen. In der Mitte des Armaturenbretts entdeckt man die TFT-Griffleiste, mit der auf zwei Ebenen alles Wichtige gesteuert werden kann – von der Laustärke über das Klima bis zum Navi. Ein Cockpit für Puristen. Und eines, das auch noch in zweiter Hinsicht tierisch aufgeräumt ist. Hier wird keine Substanz mehr verwendet, dem ein Lebewesen zum Opfer gefallen ist. Alle Materialien stammen aus Kunststoff oder Pflanzenfasern. (Rudolf Bögel)

Technische Daten: Kia Niro EV Inspiration

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