Autoklau: Laptop statt Kleiderbügel

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Der Klassiker: Mit einem aufgebogenen Metall-Kleiderbügel versucht ein Autoknacker, die Tür zu öffnen.

Autodiebe die mit Kleiderbügeln hantieren sind Kriminelle von gestern. Der moderne kann Fernbedienungen stören und das digitale Wissen von Schlüsseln kopieren.

Inzwischen haben Langfinger so viele Tricks drauf, dass die Diebstahlszahlen erstmals seit den frühen 1990er Jahren wieder kräftig gestiegen sind: Laut der aktuellen Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes (BKA) gab es eine Zunahme um 8,9 Prozent von 37 184 entwendeten Fahrzeugen im Jahr 2008 auf 40 375 im Jahr 2009.

In den vergangenen Jahrzehnten sah es für den Autodieb nicht gut aus. Denn der Durchschnittskriminelle tat sich schwer, mit den neuen Zeiten mitzuhalten. Der Kleiderbügel hatte nicht mehr viel zu melden, und ein elektronisch gesichertes Auto weigerte sich standhaft, durch herkömmliche Methoden wie Kurzschließen in Gang gesetzt zu werden.

Machen Sie es den Dieben im Urlaub schwer:

- Achten Sie auf offene Fenster oder offene Türen

- Keine wichtigen Dokumente ins Handschuhfach

- Lassen Sie nichts im Auto liegen

- Vorsicht bei Hilfsbereitschaft: Wenn Sie jemand während der Fahrt oder beim Ausparken auf Defekte hinweisen will, kann das auch ein Trick zum Ausrauben sein.  

Das zeigte sich in den Zahlen: So registrierte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) im Jahr 1993 den Rekord von 105 543 Diebstählen kaskoversicherter Personenwagen. Danach sanken die Zahlen - erst recht langsam, dann immer stärker. Im Jahr 2000 wurden 42 560 vermerkt, 2008 waren es nur noch 16 134. Anders als die Polizei zählt der GDV aber nur „Totalentwendungen“, bei denen die Fahrzeuge auch nach vier Wochen nicht wieder aufgetaucht sind. Der langjährige Rückgang war vor allem den auf herkömmlichem Weg kaum zu knackenden Wegfahrsperren zu verdanken. Einfach losfahren ging kaum noch. Wenn schon, dann mussten Profis ran, die ein Auto per Lkw abtransportierten - gerne auch ins Ausland.

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Aber der Mensch ist lernfähig, auch der kriminelle. Dabei geht es nicht nur um das Entwenden des kompletten Wagens, sondern auch um das unauffällige Abräumen wertvoller Gegenstände bis hin zu Radio und Navi. Seit einigen Jahren wird hier ein Vorgehen registriert, das den Autobesitzer zunächst ratlos macht: Das abgeschlossen geglaubte Auto ist plötzlich nicht mehr zu, dafür aber ausgeräumt - und Spuren gibt es keine.

Diese Technik ist für Fachleute schon fast ein alter Hut. Dahinter verbirgt sich ein Störsignal, das der Kriminelle auf Knopfdruck mit einem Gerät sendet, wenn ein Autofahrer die Türen per Fernbedienung der Zentralverriegelung verschließen will. Dann werden vom Fahrzeug die richtigen Signale nicht erkannt. Die Zentralverriegelung reagiert nicht auf den Befehl, die Türen bleiben trotz des Knopfdrucks auf die Fernbedienung offen. Und ist der Besitzer weg, kann der Dieb den Wagen ausräumen, ohne die geringste Spur zurückzulassen. Doch die Sache mit dem gestörten Signal ist nur so etwas wie der Einstieg in die aktuellen Tricks der Autoknacker- Szene.

Tatsächlich ist man dort schon einige Stufen weiter. So etwa bei einem Trick, mit dem sich auch die modernen Keyless-Go-Systeme überlisten lassen, die schlüssellosen Zugangssysteme einiger Modelle. Dabei arbeiten immer zwei Diebe mit zwei speziell ausgestatteten Aktenkoffern.

In einem davon befindet sich eine Antenne. Koffer-Mann eins muss sich dem Träger der Zugangskarte auf ungefähr einen Meter nähern. Dann kann er Daten von der Karte empfangen, die er via Handy aus dem Koffer automatisch an den Träger des zweiten Koffers übermittelt. Der steht neben dem Auto, das durch diese Übertragung automatisch seine Türen öffnet. Noch wesentlich wichtiger ist die Möglichkeit, dass heute auch Schlüssel geklont werden. Dieses Klonen bezieht sich nicht auf die Form des Schlüssels, sondern auf dessen Innenleben - so dass am Ende durch Datenübertragung und „Anlernen“ des Schlüssels eine hundertprozentige elektronische Kopie entsteht. Allerdings muss der echte Schlüssel dafür zumindest kurzfristig in den Händen der Kriminellen sein. Gerade Autovermietungen sind daher typische Opfer: Auto mieten, Schlüssel kopieren, Auto abgeben - und dann klauen.

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