Mehr Schutz auf Autobahnen

Das plant Dobrindt gegen Geisterfahrer

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Alexander Dobrindt.

Berlin/Passau - Geisterfahrer sollen in Zukunft auf deutschen Autobahnen deutlich seltener vorkommen. Bundesverkehrsminister Dobrindt will ein neues System gegen Falschfahrer etablieren.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) prüft die Einführung elektronischer Falschfahrer-Warnungen auf Autobahnen. Zunächst ist ein Pilotprojekt an einer stark befahrenen Autobahn in Süddeutschland geplant, mit dem Falschfahrer an Anschlussstellen automatisch erkannt und Autofahrer visuell und akustisch gewarnt werden können. Zur Warnung vor Falschfahrern werden bisher nur an einigen Auffahrten in Bayern knallgelbe Warnschilder nach dem Vorbild Österreichs getestet („Stop Falsch“).

„Das Prinzip ist darauf ausgerichtet, dass der Falschfahrer sofort identifiziert und zielgenau gewarnt wird“ sagte Dobrindt am Montag in Görlitz. Auch andere Autofahrer, die sich in der Gefahrenzone befinden, sollen dabei direkt informiert werden. „Das ist heute über digitale Systeme selbstverständlich möglich“, sagte der Minister. Zunächst hatte die „Passauer Neue Presse“ über die Pläne berichtet.

Bereits seit längerem läuft in Kooperation mit den Ländern eine Sicherheitsüberprüfung sämtlicher Auffahrten. Allerdings ist noch unklar, wie die Autofahrer gewarnt werden sollen. Eine Möglichkeit wäre über einen Alarm im Navigationsgerät des Autos. Zudem will Dobrindt im Rahmen des Projekts „Digitales Testfeld Autobahn“ moderne und zukunftsweisende Systeme für Autobahnen testen lassen.

Laut ADAC gab es allein im vergangenen Jahr etwa 2200 Falschfahrer-Meldungen in Deutschland. Nach den Aufzeichnungen des Automobilclubs kam es 2013 zu 16 Unfällen, 22 Menschen starben.

Zu Kosten und ob Kennzeichen bei Auffahrten automatisch erfasst und gespeichert werden sollen, konnte ein Sprecher des Ministers noch nichts sagen. Der ADAC äußerte sich zustimmend zu den Plänen.

Mit einer elektronischen Überwachung könnten Warnmeldungen schneller abgesetzt werden, sagte der Fachreferent für Straßenverkehrsplanung, Jürgen Berlitz. Über bestehende Kanäle wie die Verkehrsberichte im Radio oder auf dem Navigationsgerät könnten Autofahrer frühzeitig auf Geisterfahrer hingewiesen werden.

Der Automobilclub von Deutschland (AvD) schlug ein deutschlandweites Warnsystem in der Fahrbahn vor, was demnach 25 Millionen Euro kosten würde. So könnten Induktionsschleifen in die Fahrbahn gelegt werden, die rotes Blitzlicht und Warnschilder in Gang setzen, sobald sie in falscher Richtung überfahren werden.

Andere Fachleute setzen auf bauliche Veränderungen an den Auffahrten. In den nächsten Monaten soll die Überprüfung aller Auffahrten an deutschen Autobahnen abgeschlossen werden, um bestimmte Gefahrenquellen rasch beheben zu können. Mit Blick auf das Pilotprojekt zur elektronischen Falschfahrer-Warnung betonte Dobrindt, dass es hier noch einiges an Forschungs- und Klärungsbedarf gebe. „Da darf es auch keine Falschwarnungen geben“, sagte Dobrindt.

Das können Sie tun, wenn im Radio ein Falschfahrer gemeldet wird

  • Verringern Sie die Geschwindigkeit.
  • Fahren Sie auf dem rechten Fahrstreifen.
  • Überholen Sie nicht.
  • Halten Sie ausreichend Abstand.
  • Beobachten Sie den Seitenstreifen, um eventuell auf diesen auszuweichen.
  • Fahren Sie ggf. den nächsten Parkplatz an und warten Sie ab.
  • Informieren Sie sich mittels Verkehrsfunk, wann die Gefahr vorüber ist.

Sie sind versehentlich selbst zum Falschfahrer geworden

  • Schalten Sie sofort die Warnblinkanlage und das Licht ein.
  • Fahren Sie sofort an den nächstgelegenen Fahrbahnrand.
  • Stellen Sie Ihr Fahrzeug außerhalb der Fahrbahn dicht neben der Schutzplanke ab.
  • Steigen Sie vorsichtig aus und stellen Sie sich hinter die Leitplanke.
  • Rufen Sie die Polizei an und warten Sie auf Hilfe.

Tödliche Unfälle durch Geisterfahrer

Geisterfahrer
"Achtung Autofahrer! Ihnen kommt ein Falschfahrer entgegen!" - diese Radio-Meldung ist für Autofahrer ein Horror. Autobahnunfälle mit Falschfahrern sind nach Angaben des ADAC sehr selten. Doch wenn es kracht, sind die Folgen meistens schwer. Infolge der Geisterfahrten kommen jedes Jahr rund 20 Menschen bei Unfällen ums Leben. © picture alliance / dpa
Autobahn 81 bei Böblingen (Baden-Württemberg)
29. April 2013: Bei einem Unfall eines 82-jährigen Geisterfahrers sind in Baden-Württemberg zwei Menschen getötet worden. Unter den Todesopfern ist auch der Falschfahrer. © dpa
Geisterfahrer
23. März 2013: Ein möglicherweise betrunkener Geisterfahrer rast auf der Autobahn 3 in der Oberpfalz in das Auto einer 59-Jährigen. Die Frau stirbt, der 32-Jährige überlebt schwer verletzt. © dpa
17. März 2013: Zwei Menschen sterben in Niederbayern, weil ein 45-Jähriger aus Passau in falscher Richtung auf der A 3 unterwegs war. Er prallte in einen Kleinbus.
17. März 2013: Zwei Menschen sterben in Niederbayern, weil ein 45-Jähriger aus Passau in falscher Richtung auf der A 3 unterwegs war. Er prallte in einen Kleinbus. © dpa
Geisterfahrer auf der A92
11. Januar 2013: Ein 80-jähriger Falschfahrer verursacht auf der Autobahn 92 in Bayern gleich zwei schwere Unfälle nacheinander. Bilanz: Ein Toter, drei Verletzte. © dpa
22. Februar 2013: Ein von seiner Frau getrennt lebender Familienvater bringt nahe Köln seine beiden Kinder um und rast auf der Autobahn 61 in falscher Richtung in einen Lastwagen. Der Vater stirbt am Unfallort, weitere Menschen werden verletzt. © picture alliance / dpa
Autobahn 14
18. Januar 2013: Eine Geisterfahrerin stirbt bei einem Unfall auf der Autobahn 14 bei Schwerin. Die Fahrerin des zweiten Autos wird schwer verletzt. © picture alliance / dpa
1. Januar 2013: Am Neujahrstag fährt nahe Bremen ein Sattelzug falsch auf die Autobahn 1. Als der stark betrunkene Fahrer den Fehler merkt und wendet, krachen mehrere Autos in das querstehende Hindernis. Zwei Menschen sterben, zwei weitere werden leicht verletzt. © dpa
Geisterfahrer
Warum Menschen in verkehrter Richtung auf Autobahnen unterwegs sind, hat unterschiedliche Gründe. Sie verirren sich im Schilderwald, verwechseln Auf- und Abfahrten, riskieren Wendemanöver oder wollen sich umbringen. © picture alliance / dpa

AFP/ml

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