Opel Ampera: Die Zukunft ist jetzt

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Saubere Energie für einen sauberen Gleitflug: Wer mit dem Opel Ampera so richtig „grün“ sein will, kann sein Auto auch mit Öko-Strom aufladen.

Zugegeben: Ich bin kein Elektro- Freak, Strom-Autos kannte ich bislang nur als Kinderspielzeug nebst Fernbedienung. Aber wie fühlt sich so ein echtes Elektro- Auto an, wie stark ist seine Power, wie ist man unterwegs ohne Verbrennung...

...ohne das Brüllen von Motor und Auspuff, das einen seit Bestehen der Führerscheinprüfung vor 30 Jahren stetig begleitet hat?

Vom Strom-Auto elektrisiert: Redakteur Rudolf Bögel. Aufgetankt wird der Ampera übrigens an einer konventionellen 220-Volt-Steckdose

Man könnte fast sagen: Ich stehe unter Strom, als ich im neuen Opel Ampera Platz nehme. Die Spannung steigt, als ich den Zündschlüssel drehen will – aber den gibt es hier ja auch nicht. Stattdessen drückt man auf einen eisblauen Knopf. Dann folgt ein Ton, so wie im Raumschiff Enterprise, wenn die Warp-Triebwerke anspringen. Noch spüre ich einen inneren Widerstand, doch das Auto elektrisiert sofort, es fährt sich gut im neuen Stromer, mehr ein lautloser, leichter Gleitflug – und irgendwie beschleicht einen das Gefühl, in der Zukunft Platz genommen zu haben.

Ist der Ampera der Beginn einer neuen Ära? Das muss die Zukunft zeigen, aber der Ampera setzt jetzt schon neue Maßstäbe: Das Strom-Auto ist nicht nur tauglich für den täglichen Betrieb, sondern auch auch für die lange Fahrt, beispielsweise in den Italien- Urlaub, konzipiert. Wie das geht? Ganz einfach – denn der Ampera ist kein Hybrid-Fahrzeug (also ein Auto, bei dem der permanent laufende Verbrennungsmotor durch einen Elektromotor unterstützt wird) und auch kein reinrassiger Stromer (so wie der i-MIEV von Mitsubishi, der nur mit einem Elektromotor ausgestattet ist).

Der Ampera ist eine Kreuzung. Er wird ausschließlich elektronisch angetrieben, und wenn die Batterie leer ist, was je nach Temperatur und Gelände optimalerweise erst nach circa 80 Kilometern der Fall sein sollte (und auch tatsächlich ist), dann produziert ein Verbrennungsmotor (1,4-Liter-Benziner mit 86 PS) über einen Generator Strom und treibt damit das Auto wiederum elektrisch an.So kommt der Ampera auf eine Reichweite von knapp 500 Kilometern. Also nach Venedig kommt man von München aus nicht ganz mit einer Batterie- und Tankfüllung – bis Padua jedoch reicht es. Und der tägliche Arbeitsweg ist für die große Masse der Pendler sogar komplett mit Strom machbar: Denn 80 Prozent der arbeitenden Menschheit fährt hin und zurück nicht mehr als 60 Kilometer. Hört sich so an, als ob der Stromer genau für den Markt zurechtgeschnitten wurde – und deshalb ist Opel auch sehr stolz auf sein neuestes Objekt, das bis auf die Karosserie identisch mit dem USAmerikaner Chevrolet Volt ist.

Science Fiction war gestern. Opel Ampera ist heute

Futuristisches Cockpit: Die Instrumente und das Innendesign erinnern an die Kanzel eines Raumschiffs

Da bleibt dann nur noch die Frage, ob der Ampera ein bloßes Ausrufezeichen des ökologischen Gutmenschen ist, der sich so eine teure Angelegenheit auch leisten kann (Listenpreis ab 42.900 Euro, Vollausstattung: 48.200 Euro)? Oder ob der Stromer (übrigens in vier Stunden wieder voll aufgeladen) eine echte Alternative zum konventionellen Fahrzeug darstellt? Was die Betriebskosten angeht – so rechnet zumindest Opel vor – liegt der Ampera bei einer Jahresleistung von 15 000 Kilometern und einem Strompreis von 20 Cent pro Kilowattstunde um etwa die Hälfte billiger als ein vergleichbares Dieselfahrzeug. Bleibt das teure Restrisiko Batterie: Aber auch da hat man bei Opel ein mehr als beruhigendes Argument: Acht Jahre Garantie gibt es auf die Eigenentwicklung bei einer Gesamtlaufleistung von 160 000 Kilometern. Und auch bei der Wartung soll der Ampera günstig sein: 15 bis 20 Prozent weniger versprechen die Rüsselsheimer, was noch einer näheren Überprüfung standhalten muss, aber eigentlich logisch ist, weil das Elektro-System nahezu wartungsfrei ist.

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Aerodynamisch: Opel Flextreme GT/E Concept

Ganz weit weg vom Caravan

Aber jetzt mal Vernunft und Rechenstift beiseite: Ist dieses Auto wirklich auch ein Auto? Da kann es nur eine Antwort geben:150 PS, Drehmoment 370 Newtonmeter, null auf 100 in neun Sekunden, Automatik. Mehr ein elektronischer Muskelprotz als ein braves Familienauto. Was sich auch im Design niederschlägt. Der deutsche Ampera ist im Gegensatz zum amerikanischen Volt hollywoodtauglich. Er wäre in jedem Science Fiction-Film der Star. Doch Science Fiction war gestern. Opel Ampera ist heute.

RDF

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