Spaß aus Italien

Quadro 350 D: Mit drei dabei

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Da kommt Fahrfreude auf: Auch schwierige Kurven sind mit den drei Rädern kein Problem –der Quadro bleibt stur auf Linie.

Nicht wenige Autofahrer schauen mit bewundernden Blicken Motorrädern hinterher. Sie würden gerne mal ein bisserl Easy Rider sein, dürfen aber zumeist mangels entsprechender Fahrerlaubnis nicht...

...und für die 125er-Regelung qualifizieren sich nur gereiftere Semester, die ihren Autoführerschein vor dem 1. April 1980 erworben haben. Da kommen die flotten Dreiräder, die es seit einigen Jahren auch in Versionen gibt, für die man nur den Autoführerschein benötigt, gerade recht. Bislang war Piaggio auf diesem Gebiet Monopolist, jetzt steht mit dem Quadro 350D – ebenfalls aus Italien – ein Herausforderer auf dem Hof, für den ebenfalls kein Motorradführerschein als Fahrerlaubnis benötigt wird.

Klettermax: Mit dem Quadro lassen sich auch Bordsteine überwinden.

Wesentlichster Unterschied zwischen beiden Herstellern ist das Prinzip der Vorderradführung. Während Piaggio die beiden Vorderräder einzeln aufhängt und mechanisch federt, setzt der Newcomer auf ein hydraulisch-pneumatisches Neigungssystem namens Hydraulic Tilting System (HTS), das die Räder automatisch auf der Straße ausrichtet und auf beide denselben Druck ausübt. So sollen die Vorderräder sicherer am Boden haften und exakt der Kurvenneigung folgen. Schon im Stand ist der Unterschied bemerkbar: Der Quadro bleibt dank HTS im Gleichgewicht, während das Piaggio-Dreirad sofort kippt, falls man die beiden Vorderräder nicht schnell genug per Schalter am Lenker arretiert.

Das macht es für einen Auto-Umsteiger angenehmer, und er wird auch kaum bemängeln, dass der Einzylinder mit 313 ccm Hubraum und einer Leistung von 21 PS (15 kW) etwas Mühe beim Beschleunigen hat. Schließlich sind 220 Kilogramm Fahrzeuggewicht plus Fahrer auf Trab zu bringen. Einmal in Fahrt, kommt dann doch Freude auf, insbesondere in Kurven, wenn das Dreirad-Prinzip seine Vorteile voll entfaltet. Motorradfahrer mögen die wenig exakte Rückmeldung des Fahrwerks und den schwer definierbaren Grenzpunkt bemängeln, doch letztlich bleibt auch bei ihnen die Erkenntnis, dass mit etwas Übung und Überwindung auch extreme Kurvenlagen möglich sind und der Quadro stur auf der einmal eingeschlagenen Linie bleibt. Als Höchstgeschwindigkeit sind 120 km/h angegeben.

Der Tacho ist übersichtlich, die Warnleuchten sind aber zu klein.

Die Instrumente sind klar und übersichtlich, dagegen sind die Warnleuchten im Cockpit zu klein. Vom Blinkerschalter gibt es eher unklare Rückmeldung, die Handbremsen verzögern ordentlich, die (vom Gesetzgeber vorgeschriebene) Fußbremse ist einfach nur im Weg, denn der Mitteltunnel ist eng genug. Positiv zu vermerken sind die zwei Staufächer in der Verkleidung, von denen eines gar eine Steckdose/Handy-Ladebuchse hat, allerdings auch einen etwas klapprigen Verschlussmechanismus. Das Staufach unter der Sitzbank fasst zwei Helme, der Tank schluckt 13 Liter. Die reichen bei dem von uns ermittelten Verbrauch von 4,5 Litern auf 100 Kilometer für Etappen von knapp 350 Kilometer.

Der Quadro 350 D ist vor allem für umsteigewillige Autofahrer eine ernstzunehmende Alternative zu den Piaggio-Dreirädern, weil das Fahrverhalten autoähnlicher ist, und obendrein der Preis von 7100 Euro den Vergleich mit dem Platzhirsch durchaus standhält und dazu noch Warnblink­schalter, Handy-Ladegerät sowie beleuchtetes Staufach unter der Sitzbank beinhaltet.

Volker Pfau

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