Flensburger Sünderkartei soll überarbeitet werden

Berlin - Das Flensburger Punktesystem für Verkehrssünder soll reformiert werden. „Das System soll einfacher, transparenter und verhältnismäßiger werden“, sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer. Die Details:

Die Reform soll noch in dieser Legislaturperiode in Kraft treten. Die wichtigsten Aspekte:

- Strafpunkte:

Verkehrsminister Peter Ramsauer.

Die einzelnen Punktestrafen bei Verkehrsdelikten sollen laut dem CSU-Rechtsexperte Norbert Geis geändert werden. Wer z.B. ohne Plakette in eine Umweltzone fahre, sei zwar ein Umweltsünder, aber kein Verkehrssünder. Bisher gebe es dafür einen Punkt. „Nachvollziehbarer wäre stattdessen, das Telefonieren mit dem Handy während der Fahrt nicht nur wie bisher mit einem, sondern mit zwei Punkten zu ahnden“, sagte Geis der Bild. Insbesondere für Raser und Drängler soll es laut Ministerium keine Entschärfungen geben.

Das sind die nervigsten Autofahrer

Autofahrer Verkehrssünder
Straßenrambos geben Gas oder drängeln, andere blockieren hartnäckig die Mittelspur. Hinterm Steuer bauen viele beruflichen und privaten Stress ab. Diese Autofahrer sind echt nervig: © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
1. Auffahrer: Obwohl ungenügender Sicherheitsabstand ein gravierendes Unfallrisiko ist, klebt der anderen immer an der Stoßstange. Im Crashtest bei Tempo 100 kann selbst ein Profi hinterm Steuer nicht mehr reagieren, wenn der Vordermann plötzlich bremst. Die Regel lautet: "Abstand = halber Tacho". © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
2. Straßenrambo: Der Drängler gibt auf der Autobahn Vollgas. Mit Lichthupe kämpft er sich die linke Spur frei. Sie halten die linke Spur für eine reine Überholspur. © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
3. Mittelspur-Blockierer: Die Mitttelspur ist ihre Heimat. Egal, ob die Autobahn frei ist oder das Tempo auf der rechten Spur höher ist. © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
4. Blinkmuffel: Abbbiegen, wenn es einem gefällt. Vielleicht brennt ja ein Lämpchen durch, wenn man zuviel blinkt? Oder schont das Nicht-Blinken die Batterie?  © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
5. Gehweg-Blockierer: Diese Autofahrer denken sie stehen in der Rangordnung des Straßenverkehrs an oberster Stelle. Fußgänger oder Radfahrer haben sich unterzuordnen. © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
6. Parkplatz-Blockierer: Dem Parkplatz-Blockierer gehört scheinbar die ganze Welt oder möglichst viel Raum. Warum nur einen Parkplatz belegen, wenn man mindestens zwei haben kann? Markierungen auf dem Asphalt übersieht er gnadenlos. © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
7. Einfädel-Ignorierer: Bis zum Ende der Spur durchfahren, dann einfädeln, so lautet die Regel. Auch wenn Stauexperten immer wieder und wieder dazu raten, stößt diese Empfehlung bei vielen Autofahrern auf taube Ohren. © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
8. Musik-Mobil: Der Bass wummst und selbst bei geschlossenen Türen und Fenstern ist der Sound aus dem Auto unüberhörbar. Lautes Musikhören kennt übrigens keine Altersgrenzen. © dpa
Ampel
9. Der Farbenblinde: Die Ampel steht nur kurz auf grün, doch das stört den Farbenblinden kaum. Falls er dann endlich mal langsam über die Kreuzung rollt, ist er der Einzige. © dpa
Scheibenwischer
10. Scheibenwischer-Fans: Diese Autofahrer stehen auf einen klaren Durchblick. Die Wischanlage ist immer im Einsatz: bei Tempo 50 in der Stadt oder auf der Autobahn. © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
11. Vorfahrt-Erzwinger: Kreuzungen in Wohngebieten sind ihr Revier. Sie schleichen sich freundlich an und setzten dann knallhart ihren Willen durch. © dpa

- Führerscheinverlust:

 In der Koalition wird erwogen, die Grenze für den Verlust des Führerscheins von jetzt 18 auf 20 Punkte zu erhöhen. Noch nicht entschieden ist, ob dafür im Gegenzug die Verjährungsfrist pro Eintrag von jetzt zwei auf drei Jahre angehoben wird.

- Verjährung der Punkte:

Punkte in Flensburg sollen künftig je nach Delikt getrennt erfasst werden und einzeln schneller verjähren – egal, ob ein Autofahrer weitere Punkte kassiert. Einträge im Verkehrszentralregister werden derzeit nach zwei Jahren gestrichen. Voraussetzung ist jedoch, dass es in dieser Zeit keinen weiteren Eintrag gab. Wer jedes Jahr beim Rasen oder einem anderen Delikt erwischt wird, schleppt unter Umständen noch die Verkehrssünden von vor zehn Jahren mit sich rum.

- Punktekontrolle:

Als erster Schritt soll ab kommender Woche die Zahl der Punkte online auf der Seite des Kraftfahrt-Bundesamts mit dem elektronischen Personalausweis abgefragt werden können.

- Wie viele Einträge gibt es in der Flensburger Kartei?

Derzeit sind dort 8,9 Millionen Menschen registriert, davon 6,9 Millionen Männer. 1,3 Millionen Menschen haben Punkte wegen Alkoholverstößen, 5,1 Millionen wegen zu schnellem Fahren. Zuletzt hatten rund 73 000 Bürger 14 und mehr Punkte und sind damit akut gefährdet, den Führerschein zu verlieren.

- Seit wann gibt es die Punktesammlung des Kraftfahrt-Bundesamtes?

Seit dem 2. Januar 1958. Darin werden die neueren Delikte und die dafür erhaltenen Punkte der Verkehrsteilnehmer elektronisch gesammelt. Ältere Fälle werden noch auf 10,7 Millionen Blättern in Handakten geführt.

uf. (tz)

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