Polizei ohne Gnade

Autsch! Das kosten Verkehrssünden im Ausland

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Verkehrssündern gehts im Ausland an den Kragen: Die Strafen sind auch in Italien besonderes hart.

Bei Alkohol am Steuer und Rasern verstehen unsere Nachbarnländer keinen Spaß. In Finnland musste ein Temposünder 95.000 Euro Strafe zahlen. In der Schweiz droht Verkehrsrüpeln sogar eine Haftstrafe.

Ein Monatsverdienst für eine Trunkenheitsfahrt oder Tausende Euro für zu schnelles Fahren. Wer sich im Ausland im Straßenverkehr daneben benimmt, kann ein böses Erwachen erleben. Dieses hohe Niveau sollte auch hierzulande gelten, fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft. Automobilverbände halten dagegen: Das bringt nichts, die Kontrollen müssen verbessert werden.

Generell gilt: In Skandinavien und in Teilen Südeuropas liegen die Sanktionen bei Verkehrssünden zum Teil deutlich höher als hierzulande. Auch werden die Strafen wegen eines fehlenden Bußgeldkatalogs in einigen Ländern nicht pauschal erhoben, sie bemessen sich vielmehr an der finanziellen Stärke des Betroffenen.

Bußgeld nach dem Einkommen

Das ist etwa in Finnland der Fall: Dort können nach ADAC-Angaben etwa 14 Tagessätze fällig werden, wenn man mit mehr als 50 Stundenkilometern zu schnell über die Straßen jagt. „Ein Tagessatz liegt bei einem Sechzigstel des Nettomonatseinkommens“, erläutert Verkehrsrechtsexperte des Automobilclubs, Michael Nissen. „Da kann je nach Verdienst eine happige Summe zusammenkommen.“ Er schränkt aber gleich ein, dass die Strafhöhen nur Anhaltspunkte sein könnten und es immer auch auf den Einzelfall ankomme.

Ähnlich hoch wie in Finnland liegt das Strafmaß demnach in Dänemark, beispielsweise für eine Fahrt unter Alkoholeinfluss: Wird man betrunken hinterm Steuer erwischt, kann laut ADAC eine Strafe in Höhe eines ganzen Monatseinkommens fällig werden.

In der Schweiz gelten seit Jahresbeginn im Rahmen des Verkehrssicherheitsprogramms „Via sicura“ ebenfalls drastische Regeln. Hier stehen vor allem Raser im Mittelpunkt. Ihnen droht gar eine Haftstrafe, wenn sie beispielsweise innerhalb geschlossener Ortschaften das Tempolimit von 50 Stundenkilometern um 50 km/h überschreiten. In Deutschland würden in einem solchen Fall 280 Euro und vier Punkte in Flensburg fällig werden, so Nissen.

Verkehrssünder können auch in Italien schnell ganz alt aussehen: Denn dort kann ihnen das Auto gleich ganz weggenommen werden, wenn die Behörden sie beispielsweise mit mehr als 1,5 Promille Alkohol im Blut erwischen, wie der Experte erläutert. Doch damit nicht genug: In „Bella Italia“ drohe in einem solchen Fall neben der Beschlagnahmung auch die Zwangsversteigerung des Autos, so Nissen weiter. „Dort wird rigoros durchgegriffen“, sagt er.

Manche Länder wie die Niederlande nehmen es bei den Bußgeldern zudem sehr genau: Da könne es schon einen beträchtlichen Unterschied machen, ob man nun 5 oder 15 Stundenkilometer zu schnell gefahren sei, so der Fachmann.

In Deutschlands Nachbarland Österreich kann es nach seinen Worten für ein und dasselbe Vergehen unterschiedliche Strafhöhen geben, weil dort jedes Bundesland seine eigene Regelungen habe. Auch hier gibt es keinen einheitlichen Bußgeldkatalog.

Unterm Strich liegt Deutschland nach Einschätzung des ADAC-Fachmanns im europäischen Vergleich eher im Mittelfeld. „Ein Angleichen an das Niveau in anderen Ländern kann nur nach hinten losgehen“, findet er mit Blick auf die Forderung der Deutschen Polizeigewerkschaft. Er sieht ähnlich wie der Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart die Kontrollen als entscheidend an. „Bevor also Verkehrsstrafen nochmalig hochgeschraubt werden, muss erst die Verkehrsüberwachung in angemessener Weise intensiviert werden“, so Rainer Hillgärtner vom ACE.

Außerdem sollte abgewartet werden, ob und inwieweit die erst im vergangenen Sommer beschlossenen Maßnahmen wie Punktereform und modifizierter Bußgeldkatalog Wirkung entfalten. Diese Maßnahmen treten 2014 in Kraft.

Wichtig zu wissen

Wenn Autofahrer in EU-Ländern Regeln missachten, gelten Strafmandate auch grenzüberschreitend. Seit 2010 sind „EU-Knöllchen“ möglich. Ausländische Behörden können in Deutschland Daten zum Fahrzeughalter elektronisch abfragen. Damit können sie ein „Informationsschreiben“ verschicken, das den Verstoß nennt und die Geldbuße einfordert. Es muss auf Deutsch verfasst sein.

dpa

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