Weniger ist mehr

Bei Volvo wird aufgeräumt

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Die Schweden sind mitten im "Transformationsprozess": Volvo V40 Cross Country vor Volvo V60 (links) und Volvo XC6.

Vor zweieinhalb Jahre verkaufte Ford Volvo an den chinesischen Konzern Geely. Nun ist der schwedische Autobauer so weit, die Marke ganz neu aufzustellen. Ziel ist es, Volvo globaler auszurichten.

Der Wandel ist bis 2017 ausgelegt und findet zunächst vor allem unter der Motorhaube statt.

Zu Beginn des „Transformationsprozesses“, wie es Volvo-Deutschland-Sprecher Olaf Meidt formuliert, haben die Schweden tief Luft geholt. 428.000 Fahrzeuge wurden weltweit verkauft, in Deutschland waren es 27.500. Damit hat Volvo schwarze Zahlen geschrieben, was mehr Gewicht hat, als das verfehlte Ziel, in Deutschland auf einen Prozent Marktanteil zu kommen. Mit 0,9 Prozent hat man es immerhin fast geschafft. Für 2014 wurde das gleiche Ziel ausgegeben. Keine unrealistische Perspektive, denn Volvo verkauft das, was in Deutschland weiterhin beliebt ist: Fast jeder dritte Wagen hat Allradantrieb, nahezu jedes zweite verkaufte Auto kommt aus dem Cross-Country-Segment, und 92 Prozent bestellen ihren Volvo mit Diesel.

Das neue Zauberwort heißt E-Drive

Weniger ist mehr, lautet die Gleichung der Zukunft. Denn unter Ford herrschte bei Volvo eine mitunter kaum zu durchschauende Vielfalt an Motoren und Getrieben. Acht grundverschiedene Motorengruppen wurden verbaut. Sechs zu viel. Das neue Zauberwort heißt E-Drive – und ist endlich ein reines Volvo-Produkt. Davon wird es nur noch zwei Familien geben, kündigt Michael Schweitzer von der Produkt-Kommunikation an: Dieselmotoren von 120 bis 225 PS und Benziner von 140 bis 306 PS. „Kraftvolle Leistung, hohe Effizienz und niedrige Emissionen“ sind die Schlagworte. Gewöhnungsbedürftig, aber aus Gründen des Umweltschutzes geboten: Die Drive-E-Motoren haben alle vier Zylinder und 2.0 Liter Hubraum. Bei den Getrieben übt sich Volvo ebenfalls in Bescheidenheit. Die Palette von acht Systemen schrumpft auf zwei: je zwei Achtgang-Automatik- und Sechsgang-Schaltgetriebe.

Die Aufladung ist das zentrale Element, um trotz gleichen Hubraums unterschiedliche Motorenleistungen zu erzielen. Denn die Kompaktbauweise erlaubt den Einbau eines oder mehrerer Turbolader bzw. eines Kompressors.

Schweitzer ist stolz, dass es den Schweden gelungen ist, den CO2-Flottenausstoß binnen eines Jahres um 4,7 Prozent auf 145,5 Gramm pro Kilometer gesenkt zu haben. „Das war die größte Reduzierung unter den Premium-Herstellern“, zitiert er das Kraftfahrtbundesamt.

Derart verschlankt, aber dennoch gerüstet sieht Meidt Volvo auf dem richtigen Weg, dank einheitlichen Produktionsverfahrens schnell auf sich verändernde Kundenwünsche reagieren zu können. Dass diese Einheit dennoch Vielfalt bedeuten kann, wurde bei der Vorstellung der neuen E-Drive-Motoren auf einer Eispiste in der Nähe von Salzburg deutlich. Egal ob sportliche Limousine, familienfreundlicher Kombi oder hochbeiniger Crosscountry: Der Volvo bleibt trotz ganz unterschiedlichen Fahrverhaltens in der Spur, mal als großer Routinier, mal als aggressiver Heißsporn. Volvo ist immer noch ein unverwüstliches Auto, das angestaubte Image ist aber lange weg.

Aufräumen wird man bei Volvo auch an der Fassade. Auf den Genfer Autosalon kommt ein neues Modell, über das Meidt nur so viel verraten will: Die Karosserie soll vollkommen innovativ sein. Und im Innern mit allen Möglichkeiten des Internets lösen weniger als zehn Knöpfe und Schalter sowie ein Touchscreen die Instrumentenvielfalt ab.

Vereinheitlicht wird auch die Flotte mit drei Kategorien: eine Vierer- und eine Sechser-Reihe. An die Stelle der Achter-Familie rückt die Klasse neun als neues Spitzensegment. Erstes Rollout der Premiumklasse: in einem Jahr.

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Hans Moritz

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