90-Jährige lag zehn Tage tot in Wohnung

Nürnberg - Eine 90 Jahre alte Nürnbergerin hat etwa zehn Tage lang tot in ihrer Badewanne gelegen - und niemand hat es bemerkt. Dabei lebte die Frau in einer Anlage für betreutes Wohnen.

Die Frau lebte in einer Anlage für betreutes Wohnen, war jedoch noch rüstig und versorgte sich autark, wie Florian Schoenauer vom Betreiber Christliche Arbeitsgemeinschaft am Mittwoch betonte. “Diese Dame hat nie an Angeboten teilgenommen, deshalb ist ihr Fehlen nicht bemerkt worden. Die Nachbarn haben sie auch nicht vermisst.“ Wiederholte Aufforderungen, etwa einen Hausnotruf zu nutzen, habe die 90-Jährige stets abgelehnt.

In der Anlage für betreutes Wohnen leben in rund 250 Wohnungen Senioren, die sich außer etwa im akuten Krankheitsfall selbst versorgen. Regelmäßige Besuche durch Pfleger oder Betreuer sind nicht vorgesehen. Durch Freizeitangebote wie Singen und Gedächtnistraining oder Busfahrten soll das Zusammenleben gefördert werden.

Die 90-Jährige, die keine Angehörigen mehr hatte, lebte jedoch zurückgezogen. Am 1. Juni hatte sie noch telefoniert. Wie auch die “Abendzeitung Nürnberg“ am Mittwoch berichtete, bemerkte der Pflegedienst einer Nachbarin am 10. Juni Verwesungsgeruch. “Es ist sehr bedauerlich“, betonte Schoenauer, geschäftsführender Vorstand des christlichen Betreibervereins. “Ob es verhinderbar ist... ja, aber dafür müssen die Bewohner die Leistungen, die angeboten werden, auch in Anspruch nehmen.“

dpa

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