Abschied auf Raten: Harte Konkurrenz für den Korken

+
Korken oder Schraubverschluss? Das Rennen scheint entschieden.

Iphofen - Der Glaubenskrieg der Weinfans in Franken ist fast entschieden. Für den Naturkorken sieht es eher schlecht aus. Schraub- und Glasverschlüsse machen das Rennen.

Der bereits vor mehr als zehn Jahren eingeläutete “Tod“ des Naturkorkens in den Hälsen der Weinflaschen zieht sich hin. Frankens Weinbauexperten rechnen gar damit, dass es den Naturkorken wohl immer geben wird, wenn auch nur aus Traditionsgründen. Gerade bei den besonders hochwertigen Weinen möchte es die erlesene Kundschaft fortgeschrittenen Alters so.

Der schlichte Drehverschluss etwa bei einem mächtigen Rotwein ist unter Liebhabern verpönt. Bei den fränkischen Winzern haben alternative Verschlüsse aus Glas oder Metall allerdings mittlerweile die Oberhand: 81 Prozent der jährlich etwa 55 Millionen gefüllten Weinflaschen werden damit verschlossen. Die Verbraucher danken es. “Das ist eine Generationenfrage“, räumt Önologe Uwe Matheus vom Weingut Wirsching in Iphofen (Landkreis Kitzingen) am Donnerstag bei der Sommertour des Bezirks Unterfranken durchs Weinland ein.

Schwieriger Abschied

Für herausragende Qualität braucht es den Naturkorken nicht. Dennoch können sich die Kellermeister von Traditionsweingütern wie Wirsching, dem Würzburger Bürgerspital und anderen nicht ganz vom Naturprodukt verabschieden. Es ist unter anderem eine Frage des Stils. Viele Betriebe, die Mitte der 90er Jahre nach immensen Verlusten durch den muffigen Korkgeschmack kurz vorm Ruin standen, mussten Traditionsgedanken beiseiteschieben und andere Verschlüsse ausprobieren. “Wir haben sehr filigrane Weißweine. Wir können es uns nicht leisten, den Wein vom Kork beeinflussen zu lassen“, erklärt Hermann Mengler, Fachberater für Kellerwirtschaft und -technik vom Bezirk.

Fast 99 Prozent der Flaschen sind korkfrei

Die Touristen spülen jährlich bis zu 1,8 Milliarden Euro in die Kassen der fränkischen Hotels, Restaurants und Winzer. Qualität ist alles - auch Verschlusssache. Franken ist ein Weißweinland mit einem Anteil von fast 80 Prozent. Jede vierte Flasche Frankenwein enthält einen Müller-Thurgau, jede fünfte einen Silvaner. Fast 99 Prozent der abgefüllten Literflaschen sind mittlerweile korkfrei, sagt Mengler. Bei Bocksbeutel, Bordeaux- oder Burgunderflasche sind es gut 60 Prozent. “Das ist beileibe nicht das Ende der Fahnenstange“, prognostiziert der Önologe.

Wenn es nach ihm geht, kann der Naturkorken aus dem Flaschenhals verschwinden, auch beim Rotwein. Qualitativ stünden Schraub- und Glasverschlüsse ihm in nichts nach. “Man weiß definitiv, dass der Wein genauso reift wie beim Korken, weil genug Sauerstoff in der Flasche ist. Ich sehe keinen einzigen Grund, warum man bei einem Rotwein einen Naturkorken nehmen sollte“, sagt Mengler.

Muffig, bitter und modrig

Das Problem beim Naturkorken: In den Poren kann der chemische Stoff Trichloranisol entstehen, zum Beispiel durch das Bleichen des Korkens mit Chlor oder durch Schimmelpilze. Die Folge: Der Wein schmeckt muffig, bitter und modrig; Weintrinker sprechen in diesen Fällen von “Korkgeschmack“. Schwere, im Barrique ausgebaute Rotweine zum Beispiel aus Frankreich vertragen das besser als die leichteren fränkischen, erklärt der Präsident des Fränkischen Weinbauverbands, Artur Steinmann. “Bei unseren Weißweinen ist das tödlich.“

Vom Plopp zum Knack

Der Schraubverschluss hat im Frankenland längst sein Billig-Image abgestreift. “Am Anfang waren die Verbraucher skeptisch. Mittlerweile hat im Kopf eine Umstellung stattgefunden“, sagt Steinmann. Auch die Gastronomie verlange überwiegend den Drehverschluss. “Vom Plopp zum Knack. Die Flasche ist einfach zu öffnen und einfach zu schließen.“

Der Kunststoffkorken hat sich in der Region nicht durchgesetzt. Er ist oft so hart, dass ihn der Kunde kaum aus der Flasche bekommt. Die Zukunft für seinen Bruder aus Korkeiche sieht etwas rosiger aus. “Es gibt genügend Weintrinker, die auf den Naturkorken schwören“, berichtet Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut aus Mainz. “Denn je weiter man sich aus den Weinanbaugebieten entfernt, desto größer werden die Vorbehalte gegen Schraubverschlüsse.“

dpa/lby

Meistgelesen

Vermisste Malina: Termin für „Aktenzeichen XY“-Ausstrahlung steht
Vermisste Malina: Termin für „Aktenzeichen XY“-Ausstrahlung steht
Landwirt stirbt in Biogasanlage
Landwirt stirbt in Biogasanlage
Malinas Vater bei Stern TV - Neues Rätsel um ihren letzten Anruf
Malinas Vater bei Stern TV - Neues Rätsel um ihren letzten Anruf
An diesen Orten in Bayern geht heute das Licht aus
An diesen Orten in Bayern geht heute das Licht aus

Kommentare