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Impfzauderer Aiwanger: „Es ist seine persönliche Entscheidung“ - Freie Wähler sauer auf Söder

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Von: Dirk Walter, Boris Forstner

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Aiwangers Zögern sich gegen Corona impfen lassen zu wollen, wird im Landtag leidenschaftlich diskutiert. Und die jüngste Pressekonferenz mit Söder hat den Diskurs noch aufgeheizt.

München - Die Entscheidung von Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger, sich vorerst nicht gegen das Coronavirus* impfen zu lassen, hat im Landtag kontroverse Reaktionen ausgelöst. Teilweise erfährt der Parteichef der Freien Wähler auch Unterstützung für seine Entscheidung bei Vertretern anderer politischer Parteien. Und die Freien Wähler sind angesäuert über Ministerpräsident Markus Söder* (CSU).

Freie Wähler über das Verhalten von Ministerpräsident Söder empört

Der FW-Abgeordnete Benno Zierer findet die Haltung des Parteichefs in Ordnung. „Es ist seine persönliche Entscheidung.“ Zierer selbst hat sich fürs Impfen entschieden, ist zweimal mit Biontech* geimpft und hat prompt eine heftige Impfreaktion erlebt. „Mich hat’s eine Woche richtig erwischt“, selbst jetzt noch nehme er Medikamente. Vielleicht werde Aiwanger auch durch solche Erzählungen abgeschreckt, meint Zierer.

„Ja mei“, sagt Hans Friedl, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler, „wir sind alle gegen die Impfpflicht – da ist das seine freie Entscheidung.“ Aiwanger sei ja kein absoluter Impfgegner. Was Friedl aber gar nicht gut findet: die Art, wie der Ministerpräsident mit dem Thema umging. Söder hatte die Frage eines Journalisten zur Impfbereitschaft* der Minister gleich an Aiwanger weitergereicht: „Vielleicht sagst du selber was dazu, warum du dich einfach nicht impfen lassen willst.“ Das ärgert Friedl. „Wenn er meint, Aiwanger öffentlich vorführen zu müssen, ist das eines Ministerpräsidenten nicht würdig.“

So sieht es auch die Generalsekretärin der Freien Wähler: „Es ist ein absolutes No-Go und unprofessionell, was Ministerpräsident Söder gemacht hat“, sagte Susann Enders. „Das ist genau das, was wir nicht wollen, nämlich die Gesellschaft zu spalten in die ,guten’ Geimpften und die ,Bösen’, die sich nicht impfen lassen wollen.“ Sie selbst werde ihre Impfentscheidung nicht öffentlich bekannt geben, weil sie sich „nicht wie ein Zirkuspferd durch die Manege treiben lasse“.

Lesen Sie auch den Kommentar von Dirk Walter* zur Entscheidung von Hubert Aiwanger.

Aiwangers Zögern wird von der Opposition gespalten aufgenommen

Ähnlich sieht es Gabriele Triebel, Abgeordnete der Grünen*: „Impfen ist eine persönliche Geschichte“, auch als Politiker habe man ein Persönlichkeitsrecht. Wie Söder vorging, „das geht in meinen Augen gar nicht.“

Ganz anderer Meinung ist ihr Fraktionsvorsitzender Ludwig Hartmann: Klar, es gebe keinen Impfzwang. Aber: „Wer am schnellsten lockern will, muss auch am schnellsten beim Impfen sein.“

Ähnlich sieht es SPD*-Fraktionschef Florian von Brunn: „Es passt für mich nicht zusammen“, einerseits Öffnungen – und zwar zu Recht – zu fordern, andererseits aber keine Maßnahme gegen Corona durch eigenes Handeln zu unterstützen. „Das einzige probate Mittel gegen Corona ist Impfen“, sagt Florian von Brunn, der im Dezember Corona-positiv war und mittlerweile, wie es Genesenen empfohlen wird, einmalig geimpft ist. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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