Prozess um Alarm in Memmingen

Amokschütze: Ex-Freundin versteckte sich

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Der Schüler gab etwa 70 Schüsse ab

Memmingen - Die Ex-Freundin des Amokschützen von Memmingen hat sich hinter einem Stuhl versteckt, als im Eingangsbereich der Schulmensa ein Schuss fiel. Sie saß an diesem Tag an einem anderen Platz als üblich. Rettete das ihr Leben?

Nur einem Zufall ist es zu verdanken, dass der Amokschütze von Memmingen seine Ex-Freundin verpasst hat. Wie die 13-Jährige vor Gericht aussagte, saß sie am Tattag nicht an ihrem gewohnten Platz in der Schulmensa. Dies berichtete am Freitag der Sprecher des Landgerichts, Manfred Mürbe, aus der nicht-öffentlichen Verhandlung.

Acht Monate nach dem Amokalarm an der Memminger Schule machen dem Mädchen die Ereignisse immer noch zu schaffen. „Sie wirkt sehr belastet durch das Geschehen“, sagte Mürbe. Die Schülerin habe bestätigt, dass sie einen Tag vor der Tat die Beziehung mit dem Angeklagten beendet hatte.

Der heute 15-Jährige muss sich unter anderem wegen zwölffachen versuchten Totschlags verantworten. Mit Waffen seines Vaters hatte der Achtklässler zuerst an seiner Schule und später auf einem Sportplatz mehrere Schüsse abgegeben. Liebeskummer soll das Motiv gewesen sein. Verletzt wurde niemand.

Nach Angaben des Justizsprechers hat die Zeugin den Schuss, der im Eingangsbereich der Mensa fiel, zunächst als ein heruntergefallenes Tablett missdeutet. „Aus einem unguten Gefühl heraus“ habe sie sich zuerst hinter einem Stuhl und dann hinter einem Vorhang versteckt. Sie sah von dort aus, wie ihr Ex-Freund eine Lehrerin mit einer Waffe bedrohte, sich in der Mensa umsah und schließlich ging.

Mürbe berichtete zudem von den Aussagen der Beamten, die am Sportplatz mit dem Schützen verhandelt hatten: Mit einem gepanzerten Fahrzeug hatten sie sich dem Jungen genähert und ihn dazu überredet, über ein Mobiltelefon mit ihnen in Kontakt zu treten. Das Telefon legten sie in seiner Nähe ab. „Auf diesem Weg ist es schließlich gelungen, den Angeklagten zur Aufgabe zu bewegen“, sagte Mürbe. Am Freitagnachmittag wollte sich das Gericht vor Ort ein Bild vom Sportplatz machen. Das Gelände wurde dafür von der Polizei abgesperrt.

Zum Prozessauftakt in der vergangenen Woche hatte der Jugendliche laut Gerichtssprecher die Tat eingeräumt und betont, dass er keine Tötungsabsichten gehabt habe. Mitschüler berichteten dagegen, dass der damals 14-Jährige am Tattag davon gesprochen habe, seine Freundin und Lehrer zu töten. Der Prozess wird fortgesetzt. Ein Urteil wird für den 8. Februar erwartet.

dpa

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