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Angst im Allgäu: Polizei bewacht Motorradrouten

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Rettenbach - Ganz Rettenbach trauert um den tödlich verunglückten Motorradfahrer Josef D. und ist voller Wut auf den Unfallverursacher. Die Polizei fährt aus zwei Gründen verstärkt Streife.

Wenn am Mittwochnachmittag der Trauergottesdienst für den tödlich verunglückten Motorradfahrer Josef D. (37) beginnt, wird es kaum noch einen freien Platz in der Kirche in Markt Rettenbach geben. Zu sehr war der Getötete in seiner Heimat verwurzelt, in den Vereinen, in der Gemeinschaft. So gibt es auch keinen im Ort, der nicht mit seiner Witwe und den Kindern fühlt.

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angeschlagener Bürgermeister Alfons Weber. Josef D. war am Sonntag beim Ausflug zwischen Markt Rettenbach und Ottobeuren (Kreis Unterallgäu) mit seiner Honda auf einer Öllache ins Rutschen gekommen – der Familienvater verlor die Kontrolle über seine Maschine und prallte gegen das Auto einer ihm bekannten Frau.

Irgendwer hatte an der Stelle eine Ölflasche zerdeppert – wie auch an zehn weiteren Orten in der Gegend. Die Jagd nach dem Unbekannten soll auch am Mittwoch während der Trauerfeier weitergehen. Noch fehlt das Ergebnis des Bayerischen Landeskriminalamts, was die Beschaffenheit des Öls betrifft. Es wird für den Lauf des Tages erwartet.

Die Memminger Ermittlungsgruppe Ölfleck, der Spezialisten der Kripo, der Schutz-, Verkehrspolizei und Unfallfluchtfahnder angehören, geht derzeit von einer bewussten Tat aus. „Aufgrund des Spurenbildes der Fahrbahnverunreinigungen ist von einer vorsätzlichen Verschmutzung dieser Streckenabschnitte auszugehen“, so ein Polizeisprecher.

Die Polizei fährt nun wegen des Unfalls verstärkt Streife auf

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Die Traueranzeige für Josef D.

beliebten Motorradrouten in den Landkreisen Unterallgäu und Ostallgäu. Zum einen, um möglichen neuen Öl-Attacken vorzubeugen, um Gefahrenstellen rechtzeitig zu erkennen. Zum anderen aber auch, um dem unbekannten Täter vielleicht doch ganz schnell auf die Schliche zu kommen. Über fünfzig Hinweise sind bislang bei der Ermittlungsgruppe der Memminger Polizei (Telefon: 0 83 31/10 00) schon eingegangen. Die „heiße Spur“ war aber nicht dabei. Robert K., der Ehemann der Fahrerin, in deren Auto Josef D. geschlittert war, vermutet einen Verrückten hinter den Öl-Attacken. „Unfassbar, wer so was tut.“

Wut auf den Flaschenwerfer – auch das ist in der Gemeinde an jeder Ecke zu spüren. „Ich habe keine Angst vor dem“, sagt Tommy aus dem Motorradclub des Verunglückten. Die Biker wollen am Mittwoch in Clubkleidung ihrem Mitglied die letzte Ehre erweisen. An Motorradfahren selbst ist derzeit nicht zu denken. „Ich hab’ gar keine Lust, mich auf die Maschine zu setzen“, sagt Tommy, „und den anderen geht’s nicht anders.“

KW/MC

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