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„Vordrängeln wie in der Mensa ...“: Augsburger Bischof (60) nach Corona-Impfung in der Kritik

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Von: Katarina Amtmann

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Corona-Impfstoff
Der Augsburger Bischof Betram Meier ist bereits gegen Corona geimpft. Das Bistum begründet, warum. (Symbolbild) © Sven Hoppe/dpa/dpa-Bildfunk

Der Augsburger Bischof Bertram Meier und sein Generalvikar sind bereits gegen das Coronavirus geimpft. Das Bistum begründet die Impfung - doch es gibt Kritik.

Update vom 10. Februar, 15.02 Uhr: Der Corona-Impfstoff ist in Deutschland ein knappes Gut. Das weckt Begehrlichkeiten, und manche können nicht widerstehen. Spitzenpersonal aus Kommunen und Kirche stand in einigen Orten vorne in der Impfschlange.

Auch der Augsburger Bischof muss sich gegen den Vorwurf wehren, ein Vordrängler zu sein. Wie sein Sprecher Ulrich Bobinger am Mittwoch erläuterte, haben sowohl der 60-jährige Betram Meier wie auch sein 53 Jahre alter Generalvikar Harald Heinrich bereits die begehrte Spritze gegen das Coronavirus erhalten (siehe Erstmeldung).

Augsburger Bischof bereits gegen Corona geimpft: Begründung zu pauschal?

Nach Ansicht der Diözese stand den beiden hochrangigen Vertretern der katholischen Kirche die Impfung zu. Nach der entsprechenden bayerischen Verordnung gehörten beide zu dem Personenkreis, der vorrangig geimpft werden solle, sagte Bobinger. Begründet wurde dies damit, dass Meier und sein Generalvikar wie Personal von Pflegeheimen zu betrachten seien, da sie dort regelmäßig als Seelsorger arbeiteten. Der Bistumssprecher betont, dass nicht nur die Altenpfleger daher Anspruch auf den frühzeitigen Pieks haben. „Also das betrifft zum Beispiel auch Putzfrauen.“

Mittlerweile wurde auch eine Stellungnahme des Bischofs veröffentlicht: „Dass meine Impfung in der Öffentlichkeit für Missverständnisse gesorgt hat, tut mir leid“, sagte Meier demnach. Der Deutschen Stiftung Patientenschutz ist die Begründung jedenfalls zu pauschal. Vorstand Eugen Brysch schlägt vor, dass der Bischof anhand seines Terminkalenders plausibel belegt, wie oft er in der Vergangenheit in Heimen war.

Augsburger Bischof hat Corona-Impfung erhalten: Hartmann vergleicht Verhalten mit „ungezogenem Vordrängeln“

Wenn er immer zwei- bis dreimal pro Woche die Bewohner an deren Betten besuche, sei gegen eine Impfung nichts zu sagen. Ein gelegentlicher Gottesdienst reicht Brysch eindeutig nicht: „Um in der Hauskapelle eine Messe zu feiern, dafür muss keiner geimpft sein.“ Der Fraktionschef der Landtags-Grünen, Ludwig Hartmann, verglich Meiers Verhalten mit einem „ungezogenen Vordrängeln wie beim Mittagessen in der Uni-Mensa“. Hartmann betont: „Auch für den Bischof gilt: Einreihen in die Impfschlange und warten, bis er an der Reihe ist.“

Augsburger Bischof (60) bereits gegen Corona geimpft - Begründung: Er gehöre zum Heim-Personal

Erstmeldung vom 10. Februar, 12.32 Uhr: Augsburg - Der Augsburger* Bischof Bertram Meier und sein Generalvikar Harald Heinrich sind bereits gegen das Coronavirus* geimpft. Das schwäbische Bistum begründete die Impfung am Mittwoch (10. Februar) damit, dass beide als Seelsorger regelmäßig in Pflegeheimen tätig seien.

Augsburger Bischof (60) bereits gegen das Coronavirus geimpft - Bistum liefert Begründung

Meier und Heinrich gehören somit nach der bayerischen Impfverordnung zu dem Personenkreis, der vorrangig geimpft werden sollte. Das erklärte ein Sprecher der Diözese. Zunächst hatte die Augsburger Allgemeine über die Impfung* für die beiden hochrangigen Vertreter der katholischen Kirche berichtet.

Seit Tagen gibt es in Deutschland Diskussionen um vorgezogene Corona-Impfungen* etwa für Kommunalpolitiker. Der Bistumssprecher betonte, dass die Impfungen für den 60-jährigen Meier und den 53-jährigen Heinrich nicht als vorgezogen betrachtet werden könnten. Beide seien im Sinn der Verordnung als Personal von Heimen anzusehen, das bereits geimpft werden könne.

Video: Knapper Corona-Impfstoff: Dosis für Landrat aus Schwaben?

In Schwaben: Kommunalpolitiker wegen vorgezogener Impfung in der Kritik

Auch in Schwaben gibt es derzeit Debatten: Zwei Kommunalpolitiker stehen wegen vorgezogener Impfungen in der Kritik. Sowohl der Landrat des Kreises Donau-Ries, Stefan Rößle (CSU), als auch der parteilose Oberbürgermeister der Kreisstadt Donauwörth, Jürgen Sorré, hatten bereits im Januar eine Impfung erhalten. Beide betonten, dass sie gefragt worden seien, weil sonst Impfdosen hätten weggeworfen werden müssen. (kam/dpa) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Ein Mann wurde in Bayern unberechtigterweise gegen Corona geimpft. Das Landratsamt geriet in Erklärungsnot. Wer trägt Schuld an dem Vorfall?

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