Ein evangelischer Pfarrer wird katholisch

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Wandlung: Andreas Theurer war evangelischer Pfarrer. Jetzt ist er Katholik.

Augsburg - 17 Jahre lang war Andreas Theurer evangelischer Pfarrer. Bis er sich dazu entschloss, katholisch zu werden. Die Entscheidung hat sein Leben grundlegend verändert.

 Viele Jahre lang hat Andreas Theurer nach der richtigen Antwort auf diese eine Frage gesucht: Ist der evangelische Glaube wirklich der richtige für mich? Jetzt hat er sie gefunden. Er, der vor wenigen Monaten noch als evangelischer Pfarrer in seiner Gemeinde in Seewald-Göttelfingen bei Freudenstadt (Baden-Württemberg) predigte, hat sich im Oktober zum Katholiken taufen und firmen lassen.

"Es war eine langsame Entfremdung vom evangelischen Glauben", erzählt Theurer. Zwischen Katholizismus und Protestantismus gebe es grundlegende Unterschiede. "Ich habe für mich nach und nach festgestellt, dass die evangelische Kirche in vielen Punkten falsch liegt - und die katholische richtig", sagt er.

Der 46-Jährige glaubt nicht, dass die Ökumene ein realistisches Zukunftsmodell ist. Anfang dieses Jahres traf er zusammen mit seiner Frau Gudrun dann die Entscheidung, die ihr Leben grundlegend verändern sollte: Die beiden - er Pfarrer, sie Landessynodale und Mesnerin - beschlossen, ihre Konfession zu wechseln und katholisch zu werden. Im Juli informierten die Theurers den Kirchenrat und baten um den Austritt aus der evangelischen Landeskirche Württemberg.

Die Landeskirche willigte ein, beide Seiten vereinbarten zunächst Stillschweigen, wie ein Sprecher der Landeskirche bestätigte. Im selben Monat veröffentlichte Andreas Theurer dann ein Buch mit dem provokanten Titel "Warum werden wir nicht katholisch?". Die Reaktion folgte prompt: Am 6. August wurde er wegen der Veröffentlichung von der evangelischen Landeskirche Württemberg mit sofortiger Wirkung suspendiert.

Aus der Zeitung hätten die Gläubigen seiner damaligen Gemeinde in Seewald-Göttelfingen von dem Konfessionswechsel ihres Pfarrers erfahren, erzählt er. "Ich wäre gerne noch die Sommerferien über Pfarrer geblieben und hätte das Amt ordnungsgemäß an meinen Nachfolger übergeben."

Die Kirchenratsvorsitzende der Gemeinde, Heike Betz, sagt: "Es herrschte große Aufregung, Erschütterung und vor allem Unverständnis." Dass jemand seinen Glauben wechsle, sei eigentlich nicht weiter schlimm. Schwieriger werde es aber, wenn es dabei um den Pfarrer selbst gehe. Ihrer Ansicht nach hat Theurer dadurch seine Glaubwürdigkeit in der Gemeinde verloren. Gegen die evangelische Landeskirche erhebt dieser schwere Vorwürfe: "Die Landeskirche wollte damals einen Keil zwischen meine Familie und die Gemeinde treiben." Ein Sprecher der Landeskirche weist diesen Vorwurf als absurd zurück.

Die Suspendierung habe er damals als völlig falsch empfunden, sagt Theurer. Heute bezeichnet er den Rauswurf als eine "herrliche Werbeaktion" für sein Buch. "Natürlich will ich damit provozieren", sagt er über die Veröffentlichung. Sie solle ein Anstoß für andere Protestanten sein, ihren Glauben zu hinterfragen. Über den Verleger Peter C. Düren habe er auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber Kontakt zum Bistum Augsburg aufbauen können, sagt Theurer.

Inzwischen lebt er in Stadtbergen bei Augsburg und arbeitet als Referent im Institut für Neuevangelisierung. Seine Frau unterstützt die Hospizarbeit des Bistums. Weihbischof Florian Wörner, verantwortlich für das Institut, erklärt: "Er bringt eine große Offenheit mit sowie die Bereitschaft, sich in unserem Team zu integrieren und tatkräftig mitzuwirken."

Irgendwann will Theurer, der 17 Jahre lang evangelischer Pfarrer war, wieder Pfarrer werden - diesmal katholischer. Einen Antrag zur Priesterweihe habe er bereits an die Glaubenskongregation des Vatikans gestellt, sagt er. Drei Jahre dauere das Aufnahmeverfahren samt den erforderlichen Fortbildungen mindestens.

Im Bistum Augsburg wäre Theurer damit nicht der erste. Günter Mäder war mehrere Jahrzehnte evangelischer Pfarrer, bevor er zur katholischen Kirche wechselte und zum Priester geweiht wurde. Mittlerweile ist der ehemalige Mitarbeiter der Männerseelsorge des Bistums im Ruhestand. Mäder unterstützte ihn bei seinem Konfessionswechsel und wurde sein Firmpate, wie Theurer sagt.

Die Söhne der Familie Theurer, Jacob (15) und Joachim (17), finden es gut, dass ihre Eltern offen dazu stehen, woran sie glauben. Die beiden bleiben aber erst einmal evangelisch. In die Glaubensfrage seiner Söhne will sich der Vater nicht einmischen. Die müsse jeder für sich selbst beantworten.

dpa

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