Urteil am Mittwoch

Babyleiche in Donau: Mordvorwurf vom Tisch

Regensburg - Der grausige Fund einer verwesten Babyleiche erschütterte eine ganze Region. Der Junge war kurz nach der Geburt getötet und Wochen später in einem Korb am Donauufer abgelegt worden. Der angeklagten Mutter bleibt nun voraussichtlich ein Urteil wegen Mordes erspart.

Der Mordvorwurf gegen eine junge Mutter, die ihr Neugeborenes getötet und zwei Monate später am Donau-Ufer nahe Kelheim abgelegt hat, ist vom Tisch. Vor dem Landgericht Regensburg plädierten Staatsanwaltschaft und Verteidigung am Dienstag auf eine Strafe wegen Totschlags. Die Verteidigung beantragte fünf Jahre Haft, Oberstaatsanwältin Ulrike Klein sechs Jahre und neun Monate Haft nach Jugendstrafrecht. Das Urteil wird an diesem Mittwoch verkündet.

Bisher lautete die Anklage auf Mord aus niederen Beweggründen. Die zum Tatzeitpunkt 18-Jährige habe ihr Kind umgebracht, um ihren weitreichenden sozialen und sexuellen Kontakten ungestört nachgehen zu können, so die Staatsanwaltschaft zu Beginn des Prozesses.

Nach der Schilderung der Familienverhältnisse und der emotionalen Lage der Angeklagten sah Klein nun aber vom Mordvorwurf ab. Verteidiger Michael Haizmann zeigte sich damit zufrieden und sagte: „Was die Oberstaatsanwältin gesagt hat, hätte auch die Verteidigung sagen können.“ Einen Anlass zur Unterbringung der heute 20-Jährigen in einer psychiatrischen Klinik nach der Haftentlassung sehe er nicht.

Die Angeklagte sei in einem Umfeld emotionaler Kälte aufgewachsen, Probleme seien in ihrer Familie immer tot geschwiegen worden, so die Oberstaatsanwältin. Es sei wahrscheinlich, dass ihre Eltern und ihr Bruder die Schwangerschaft bemerkt hätten - die zierliche junge Frau habe 13 Kilogramm zugenommen. Keiner bot ihr aber Hilfe und Unterstützung an. Das soziale Umfeld sei deshalb mitverantwortlich, sagte Klein. Die Angeklagte habe nie gelernt, Lösungen für Probleme zu finden. Trotzdem hätte sie Alternativen ins Auge fassen müssen, zum Beispiel eine Babyklappe oder die Freigabe des Kindes zur Adoption.

Die Angeklagte selbst hörte den Plädoyers wortlos zu. Am Ende des Verhandlungstages sagte sie: „Ich möchte mich einfach nur entschuldigen. Und sagen, dass es mir unglaublich leid tut.“

Im April vergangenen Jahres hatte ein Spaziergänger die verweste Leiche des Babys in Saal a. d. Donau gefunden. Mit einem DNA-Abgleich waren die Ermittler auf die Spur der damals 18-Jährigen gekommen. Die junge Frau hatte daraufhin zugegeben, ihren Säugling am 7. Februar 2013 getötet zu haben. Zwei Monate später habe sie die Leiche in einem Korb zur Donau getragen und in der Nähe eines Sportboothafens abgelegt. Die Mutter der Angeklagten hatte sich kurz vor der Festnahme ihrer Tochter selbst das Leben genommen.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Symbolbild

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