Milde Strafe für Deutschlands dümmsten Bankräuber

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David S.

Würzburg - Als “wohl dümmster Bankräuber Deutschlands“ wurde ein Azubi aus dem baden-württembergischen Mulfingen bekannt. Jetzt stand der 19-Jährige vor Gericht und kam mit einer relativ milden Strafe davon.

Am Dienstag verurteilte das Amtsgericht Würzburg den Azubi wegen schwerer räuberischer Erpressung zu einer zweijährigen Jugendstrafe mit Bewährung. Außerdem muss der geständige 19-Jährige eine Psychotherapie machen. Dumm ist der junge Mann nach Aussagen eines Psychiaters übrigens nicht, eher “gut durchschnittlich bis überdurchschnittlich intelligent“.

“Das war mehr als dilettantisch“, sagte der Vorsitzende Richter Bernd Krieger über den Banküberfall mit einem Messer im vergangenen August in Röttingen südlich von Würzburg. Stümperhaft und ein “Kick der Überheblichkeit“ sei es aber auch gewesen, dass der Angeklagte während seiner Flucht E-Mails an Polizei und Medien schickte und über die Ermittlungsarbeit lästerte. Er gab sogar Fahndungstipps. So konnte der Bursche rasch gefasst werden.

“Ihr Problem ist, dass Sie in der Seele krank sind“, sagte Krieger zum Angeklagten. Auch wenn der psychiatrische Sachverständige keine eindeutige Diagnose für den jungen Mann stellen konnte, müsse er eine Verhaltenstherapie machen. Schon als Kind war der Angeklagte in psychiatrischer Behandlung.

Während des eintägigen Verhandlungstages wurde vor allem die angegriffene Persönlichkeit des 19-Jährigen deutlich. Mal brach er in Tränen aus, wenn er zur Tat oder seiner Familie befragt wurde. Dann wiederum waren seine Antworten präzise, unter anderem auf die Frage nach den E-Mails. “Ich habe mich stärker gefühlt“, sagte der angehende kaufmännische Angestellte, der bereits in der Vergangenheit mit dem Gesetz in Konflikt geraten war.

Eine Woche nach der angeblich spontanen Tat wegen Überforderung in seiner Ausbildungsfirma hatte der 19-Jährige mit der Absenderadresse “raeuber.von.roettingen@web.de“ die E-Mails verschickt. Darin berichtete er von seiner Flucht nach Hamburg. Bei den Ermittlungen hätten die Fahnder falsche Schlüsse gezogen, denn er sei kein Bayer, sondern Württemberger. “Es gibt Menschen, die schlau sind, dies aber verbergen. Dies ist meine Kategorie“, schrieb er.

Oberstaatsanwältin Vera Jansen bescheinigte dem Angeklagten ein überzogenes Geltungsbedürfnis und plädierte auf zwei Jahre Jugendstrafe ohne Bewährung. Verteidiger Jan Paulsen verlangte eine zweijährige Jugendstrafe mit Bewährung.

Für die teils belehrenden E-Mails, die zur Festnahme auf der Hamburger Reeperbahn führten, gab der Angeklagte zwei Gründe an. Zunächst sei er stolz auf den Überfall gewesen und habe seine Macht demonstrieren wollen. “Er hatte das Gefühl, der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein“, sagte Verteidiger Paulsen.

Auf der anderen Seite wollte der Bankräuber nach eigenen Worten aber auch gefasst werden, weil er den Druck nicht mehr aushalten konnte. “Ich war überrascht aber auch erleichtert, dass es zu Ende ist“, sagte der 19-Jährige über die Festnahme. Von dem erbeuteten Geld blieb nicht viel übrig, einen Teil habe er in “Robin-Hood-Manier“ verschenkt, erklärte der Verteidiger.

dpa

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