Schickt der Papst einen Bayern nach Berlin?

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Bambergs Erzbischof Ludwig Schick.

Bamberg/Berlin - Der neue Erzbischof von Berlin könnte aus Bayern stammen: Dem Bamberger Erzbischof Ludwig Schick werden dabei größere Chancen zugetraut als dem Regensburger Bischof Müller.

Vor Neubesetzungen von Bischofsstühlen gibt es traditionell ein munteres Spekulieren: Gestern sorgte die Meldung einer Frankfurter Zeitung für Wirbel, wonach der als ausgesprochen konservativ geltende und streitbare Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller als Erzbischof in die Bundeshauptstadt wechseln könnte. Er wurde von der „Frankfurter Rundschau“ als aussichtsreicher Nachfolger des schwer erkrankten Erzbischofs Georg Sterzinsky ins Gespräch gebracht.

Eine Personalie, die das Erzbistum Berlin als „reine Spekulation“ bezeichnete. Zu einem möglichen Wechsel im Bistum Regensburg war auch dem dortigen Bistumssprecher nichts bekannt. Doch auch Insider können sich nicht vorstellen, dass Müller Chancen auf den Berliner Erzbischofsstuhl hat, der auch traditionell mit der Kardinalserhebung verbunden ist. In dem säkularen Berlin, in dem die Christen inzwischen eher die Minderheit sind und ein Ortsbischof ein wichtiger Gesprächspartner der Politiker ist, wird nach Experten-Einschätzung ein Vertreter der katholischen Kirche benötigt, der nicht die Konfrontation sucht, sondern die Position der Kirche kommunikativ vertritt.

Im Erzbistum Berlin gilt das sogenannte „Preußen-Konkordat“, nach dem das Domkapitel aus einem vom Heiligen Stuhl geschickten Dreiervorschlag ihren Bischof wählen darf. Die sieben Domkapitulare konnten sich bislang offenbar nicht einigen. Wer wirklich auf der „Dreier-Liste“ steht, ist geheim. Sollte das Gremium keinen der vorgeschlagenen Namen akzeptieren, hat der Papst das alleinige Ernennungsrecht. Ob die Liste aus Rom schon vorliegt, kommentierte das Bistum nicht.

Aus gut unterrichteten Kreisen hieß es, es komme deshalb zu Verzögerungen, weil sich der Kölner Kardinal Joachim Meißner, der von 1980 bis 1987 (vor dem Mauerfall) Bischof von Berlin war und dem gute Kontakte zum Papst nachgesagt werden, eingeschaltet haben soll. Gute Chancen werden dem Bamberger Erzbischof Ludwig Schick eingeräumt, ebenso wie dem Essener Oberhirten Franz-Josef Overbeck, der auch Militärbischof ist.

Schick hat sich mehrfach als geschickter Gesprächspartner erwiesen. Er ist auch immer für Überraschungen gut. Im Zusammenhang mit der Affäre um den damaligen Augsburger Bischof Walter Mixa hatte er sich deutlich für eine Erneuerung der Kirche ausgesprochen. Außerdem stellte er Überlegungen für eine Lockerung des Zölibats der katholischen Priester sowie für ein stärkeres Engagement von Frauen in der Kirche an. Der Bamberger werde schon seit Wochen als Nachfolger gehandelt, wiegelte eine Sprecherin des Erzbistums ab.

Wie es heißt, könnte aber schon in den kommenden vierzehn Tagen eine Entscheidung fallen. Denn der neue Erzbischof soll schließlich am 22. September den Heiligen Vater bei dessen Besuch in Berlin empfangen.

Claudia Möllers

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