"Abscheuliche Sache"

Bayerischer Jagdverband warnt vor Wilderern

München - Um zehn Prozent ist die Zahl der angezeigten Fälle von Jagdwilderei in den vergangen drei Jahren gestiegen. Nur ein Drittel der 180 gemeldeten Delikte von 2013 konnte aufgeklärt werden.

Der Bayerische Jagdverband warnt vor den Gefahren durch Wilderer in den Wäldern im Freistaat. In den vergangenen Jahren habe die Zahl illegaler Jäger spürbar zugenommen, sagte Präsident Jürgen Vocke der dpa. Zwar wurden 2013 lediglich 180 Fälle bei der Polizei angezeigt. Doch der Jagdverband schätzt, dass die tatsächlichen Zahlen bis zu zehnmal höher liegen. „Es gibt eine sehr hohe Dunkelziffer“ sagt Vocke. Amtliche Schätzungen gibt es laut bayerischem Innenministerium aber nicht.

Seit 2011 ist die Zahl der Anzeigen wegen Jagdwilderei in der Polizeilichen Kriminalstatistik um etwa zehn Prozent gestiegen. Über einen längeren Zeitraum betrachtet lägen die Summen jedoch durchgehend auf einem ähnlichen Niveau, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums. Klar aber ist: Selbst von den angezeigten Fällen kann nur etwa ein Drittel aufgeklärt werden.

Die Täter sind schnell und jagen auf verschiedene Arten. Einige stellen Fallen auf und legen Schlingen aus, andere verwenden Waffen, um die Tiere zu erlegen. Auch wer Rehe oder andere Tiere anfährt und im Kofferraum mitnimmt, ist rechtlich gesehen ein Wilderer. Der entstehende Sachschaden ist meist gering - 100 bis 150 Euro ist ein erlegtes Wildtier durchschnittlich wert. Über ein Jahr gerechnet entstünden so Summen von etwa 10 000 Euro, heißt es vom Innenministerium.

In Seminaren versucht der Landesjagdverband, Polizisten für das Thema Wilderei zu sensibilisieren. „Man darf das nicht auf die leichte Schulter nehmen“, sagt Vocke. Anzeigen müssten energisch verfolgt werden, um weitere Wilderer abzuschrecken. „Denn der Täter denkt ja oft nur an die Tat, nicht an die Folgen“, sagt der Präsident des Jagdverbands. Häufig gingen Wilderer den Tieren nach einem Schuss nur nach, wenn diese liegen blieben. Die Folge: Schwer verletzte Rehe oder Gänse sterben erst nach einiger Leidenszeit im Wald. „Das ist eine abscheuliche Sache“, sagt Vocke.

Zudem sind unerwartete Schüsse im Forst eine Gefahr für Menschen, die im Wald spazieren gehen oder auf Schwammerlsuche sind. Auch die direkte Begegnung mit einem Wilderer kann riskant sein, weiß Vocke aus eigener Erfahrung: „Das kann sehr schnell eskalieren.“

Revierpächter aus dem Landkreis Augsburg haben deshalb jüngst 1200 Euro für Hinweise auf Täter ausgesetzt. Bis zu drei Jahre Haft drohen erwischten Wilderern in einfachen Fällen, in besonders schweren sind sogar bis zu fünf Jahre möglich.

Legal sind hingegen etwa 48 000 geprüfte Jäger in den Wäldern im Freistaat unterwegs. Jeder von ihnen hat eine Ausbildung absolviert. Um den lebenslang gültigen Jagdschein zu erhalten, sind mehr als 80 Theorie- und Praxisstunden sowie einige weitere Kurse zur Waffenhandhabung nötig.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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