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Seltenes Raubtier im Bayerischen Wald gesichtet - Weit weg von der Heimat

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Von: Thomas Eldersch

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Eine Wildtierkamera im Bayerischen Wald machte Ende April eine seltene Aufnahme. Ein seltenes Raubtier durchstreifte das Grenzgebiet zu Tschechien.

Bayerisch Eisenstein - Um 22.03 am 26. April hat sie ausgelöst. Die Wildtierkamera war an einem Wanderweg nahe der tschechischen Grenze im Landkreis Freyung-Grafenau* aufgebaut worden. Sie fing einen seltenen Gast ein, der eigentlich nicht im Nationalpark Bayerischer Wald zu Hause ist. Deshalb staunten die Ranger nicht schlecht, als sie auf dem Filmmaterial einen Vertreter der Spezies Canis aureus entdeckten - einen Goldschakal.

Seltener Goldschakal wurde erst viermal in Bayern gesichtet

„Das ist eine kleine Sensation für uns“, erklärt Dr. Christian Fiderer, im Nationalpark zuständig für das Wildtiermonitoring, in einer Pressemitteilung. Bislang wurden erst vier Exemplare in Bayern gesichtet. Im vergangenen Jahr ging ein Goldschakal im Chiemgau nahe Ruhpolding in die Foto-Falle einer Wildtierkamera. 2017 wurde ein Tier auf der A9 bei Freising* bei einem Autounfall tödlich verletzt. Die erste bestätigte Sichtung gelang ebenfalls im Bayerischen Wald. „Am 26. April 2012 konnten wir ein Tier an der Racheldiensthütte ebenfalls mittels einer Wildkamera nachweisen. Den zweiten Goldschakal haben wir ebenfalls am 26. April fotografiert – aber eben nur neun Jahre später“, so Fiderer.

Eigentlich sind die scheuen Tiere nicht in Deutschland heimisch. Sie sind aber neben dem Wolf der einzige Vertreter der Gattung Canis, der auf dem europäischen Kontinent lebt. Eigentlich ist sein Verbreitungsgebiet der Balkan. Denn die Tiere bevorzugen warme Regionen mit offenen Flächen. „Zwar ist der Goldschakal in seiner Lebensraumwahl ähnlich flexibel wie Rotfuchs und Wolf und kann sich gut an verschiedene Gegebenheiten anpassen, jedoch fühlen sich die Tiere in schneereichen und regnerischen Gebieten, wie es der Bayerische Wald ist, eher unwohl“, erklärt Fiderer.

Der Goldschakal greift selten Nutztiere an

Die Population der Tiere wird von der Large Carnivore Initiative for Europe (LCIE) auf etwa 97.000 bis 117.000 Tiere geschätzt. Bevorzugte Nahrung des Goldschakals sind Insekten, Nagetiere, Vögel, Amphibien und sogar junge Gazellen. Auch Aas, Früchte und Beeren aber auch Schlachtabfälle von Menschen stehen auf dem Speiseplan des etwa elf Kilogramm schweren Raubtiers. Dass es sich jedoch an Nutztieren vergreift, ist eher selten.

Eigentlich war die Kamera am Wanderweg wegen des Luchsmonitorings aufgestellt worden, aber diesmal ging ihr ein Goldschakal vor die Linse. „Viele Wildtiere nutzen bei Nacht bevorzugt die Wege im Nationalpark, weil das Vorankommen einfach weniger anstrengend ist als im Unterholz“, so Fiderer. „Für uns haben die Kameras entlang der Wege daher den Vorteil, dass wir viel häufiger Tiere fotografieren und außerdem auch noch genauere Aufnahmen erhalten, auf denen die Tiere meist ganz und von der Seite zu sehen sind.“ Dass der Goldschakal noch länger in dem Gebiet verweilen wird, ist eher unwahrscheinlich. Er wird wohl „auf der Durchreise gewesen sein“, vermutet Fiderer. (tel) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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