Kinder- und Jugendreport der DAK

Studie mit alarmierendem Ergebnis: Zehntausende Schüler sind psychisch krank

Kassenstudie zu Depressionen bei Schülern
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Ständig niedergeschlagen und traurig? Auch bei Jugendlichen können Depressionen die Ursache sein.

Rund ein Viertel aller Schulkinder in Bayern zeigt psychische Auffälligkeiten: Das ist ein Ergebnis des gestern vorgestellten Reports der Krankenkasse DAK.

  • Der Kinder- und Jugendreport 2019 der Krankenkasse DAK zeigt auf, dass 23 Prozent aller Mädchen und Jungen in Bayern an einer psychischen Erkrankung leiden 
  • Rund 16 000 Schüler in Bayern werden laut der Studie von Depressionen geplagt 
  • Jedes dritte Mädchen und jeder sechste Junge nimmt zwischen 15 und 17 Jahren ein Antidepressivum

München – Zwei Prozent leiden demnach an Depressionen. Doch ausgerechnet dabei mangelt es häufig an ambulanten Angeboten.

Sie verlieren das Interesse an ihren Hobbys, ziehen sich zurück, sind ständig traurig und niedergeschlagen: Zeigen Jugendliche solche Anzeichen, denken Erwachsene oft an Teenagerprobleme. „Das ist nur die Pubertät“, heißt es gern. Dabei kann auch in diesem Alter mehr dahinterstecken.

Das belegen auch Zahlen aus dem Kinder- und Jugendreport 2019 der Krankenkasse DAK: Demnach leiden zwei Prozent der Zehn- bis 17-Jährigen in Bayern – hochgerechnet rund 16 000 Schüler – an einer Depression (2017). Also sechs Prozent mehr als im Jahr davor. Bei weiteren 2,5 Prozent dieser Altersgruppe haben Ärzte eine Angststörung festgestellt; hochgerechnet 20 700 Fälle.

Mädchen sind fast doppelt so häufig betroffen wie Jungen

Oft traten beide Erkrankungen auch parallel auf: So hatte jeder sechste depressive Junge zugleich eine Angststörung, bei den Mädchen war es sogar fast jedes vierte. Durch dieses „Zusammentreffen“ sind insgesamt etwa 33 300 Schulkinder in Bayern betroffen; Mädchen fast doppelt so häufig wie Jungen. Der Report zeigt auch: Chronische Erkrankungen wie Diabetes Typ 1, schweres Rheuma oder Fettleibigkeit erhöhen besonders in der Pubertät das Risiko, an einer Depression zu erkranken. Auch Kinder mit einem depressiven Elternteil trifft es häufiger.

Längst nicht immer werden psychische Erkrankungen sofort erkannt. „Die betroffenen Kinder leiden oft für sich im Stillen, bevor sie sich jemandem anvertrauen und eine passende Diagnose bekommen“, sagt Sophie Schwab, Leiterin der DAK-Landesvertretung. Psychische Erkrankungen seien häufig noch immer ein Tabu. Familien, Schulen und Sportvereine müssten aufmerksamer werden – und nachhaltig helfen.

Insgesamt leiden 23 Prozent aller Mädchen und Jungen in Bayern an einer psychischen Erkrankung oder einer Verhaltensstörung (Bund: 24 Prozent). Dazu zählen auch Sprach- und Sprechstörungen, die gerade bei jüngeren Kindern häufig sind. Sehr verbreitet ist auch ADHS; vielen kennen diese Verhaltensstörung unter dem Namen „Zappelphilippsyndrom“.

Experte spricht von offenkundigen Versorgungslücken

Depressionen und Angststörungen sind zwar insgesamt seltener. Dafür sind ihre Auswirkungen umso gravierender: So wurde 2017 jedes zehnte Kind wegen einer Depression im Krankenhaus behandelt – und musste im Schnitt 40 Tage dort bleiben. Nach der Entlassung fehlt es offenbar oft an der passenden ambulanten Nachsorge. Und das hat Folgen: So müssen 29 Prozent der Zehn- bis 17-jährigen Patienten innerhalb von zwei Jahren mehrfach stationär in einer Klinik behandelt werden. Schwab spricht von offenkundigen Versorgungslücken, die man dringend schließen müsse.

Der Report deckt auch Unterschiede zwischen Stadt und Land auf. So werden psychische Erkrankungen bei Kindern aus städtischen Gemeinden häufiger diagnostiziert als bei Landkindern: ein Plus von zehn Prozent. Das könnte etwa an unterschiedlichen Lebensgewohnheiten und -bedingungen liegen, aber auch an dem dichteren Facharzt-Angebot in der Stadt, erklärt Schwab.

Die Auswertung zeigt zudem Unterschiede in der Therapie bei Depressionen: So werden betroffene Kinder in Bayern nicht nur öfter in Kliniken behandelt. Sie erhalten auch häufiger Arzneien: Jedes dritte Mädchen und jeder sechste Junge nimmt zwischen 15 und 17 Jahren ein Antidepressivum. Damit liege der Anteil der Betroffenen mit Rezept 48 Prozent über dem Bundesschnitt.  (mit dpa)

Lesen Sie auch: Wie sich Depressionen bei Kindern äußern

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