Energie

Heizen mit Holz liegt voll im Trend

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Es knistert im Kamin: Jetzt heißt es Brennholz für den Winter horten.

München - Ein zünftiges Kaminfeuer ist doch was - die Bayern heizen wieder gern mit Holz. Grund sind hohe Ölpreise und das Öko-Image. Doch auch Holz wird teuerer - und der ökologische Nutzen ist umstritten.

Krachend birst das Fichtenholz an den scharfen Messern der Häckselmaschine. Manche Äste, die der mechanische Arm in den Rachen der Zerkleinerungsmaschine schiebt, sind über einen halben Meter dick - die feinen Hackschnitzel, die am anderen Ende ausspuckt werden, nur wenige Zentimeter. Was hier im staatlichen Forstbetrieb Burglengenfeld in der Oberpfalz hergestellt wird, ist für viele eine Hoffnung für nachhaltige Energieversorgung. Ob Hackschnitzel, Scheitholz oder Pellets, Wärme aus dem Wald liegt im Trend - trotz steigender Preise und wachsender ökologischer Bedenken.

Jeder dritte bayerische Haushalt heizt mit Holz

75 000 Pelletheizungen stehen laut Deutschem Energieholz- und Pellet-Verband in Bayern - das sind rund 40 Prozent der bundesweiten Anlagen. Jeder dritte bayerische Haushalt heizt mit Holz, ergab eine repräsentative Umfrage der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF). Dieser Anteil könnte noch steigen: 2012 wurden nach Angaben des Statistischen Landesamts in 13 Prozent der Neubauten Holzheizungen eingebaut. Zwei Jahre zuvor war das bei nur knapp drei Prozent der Fall gewesen. Herbert Borchert vom LWF kennt den Grund dafür: „Holz hat eine unschlagbar günstige Energiebilanz.“ Holz ist ein nachwachsender Rohstoff und gilt als klimaneutral. Bei der Verbrennung wird nur die Menge an CO2 abgegeben, die gebunden wurde, als der Baum gewachsen ist.

Die hohe Nachfrage schlägt sich auf die Preise nieder. Scheitholz kostete im Juli 88 Euro pro Raummeter, fast doppelt so viel wie 2001. Ähnliche Preisentwicklungen gab es bei Hackschnitzel, die inzwischen 92 Euro pro Tonne kosten. Bei Pellets fiel die Preissteigerung moderater aus: Kosteten sie 2004 im Schnitt noch 175 Euro pro Tonne, waren es vergangenes Jahr 236 Euro.

Heizölpreis hat sich verdoppelt

Trotzdem lohne sich eine Holzheizung, wirbt Carl von Butler vom Bayerischen Waldbesitzerverband: „Es gibt für den Verbraucher keine erfreulichen Alternativen.“ Der Heizölpreis habe noch drastischer angezogen, seit 2001 habe er sich verdoppelt auf 87 Cent pro Liter. Pro Energieäquivalent kostet Holz nur halb so viel. Trotz hoher Investitionskosten von mehreren tausend Euro kann die Umstellung auf Holz den Verbraucher auf lange Sicht günstiger kommen.

In Bayern stehen 2,6 Millionen Hektar Wald. Ein Drittel des geschlagenen Holzes wird energetisch verwendet; 2006 war es ein Fünftel. Mit Nadelholz kann die steigende Nachfrage nicht mehr gedeckt werden. Deshalb experimentieren Landwirte inzwischen mit sogenannten Kurzumtriebsplantagen: „Dort werden schnellwachsende Baumarten wie Pappeln angepflanzt“, erklärt Borchert vom LWF. Tausend Hektar davon gebe es bereits, schätzt er.

Durch Abholzung ist Klimafunktion des Waldes gefährdet

Doch auch das kann die Nachfrage nur zum Teil bedienen. Der Bund Naturschutz würde es daher begrüßen, wenn weniger Menschen mit Holz heizten. „Wenn der Trend sich fortsetzt, dann wird das kritisch“, sagt Ralf Straußberger. Immer mehr Holz werde direkt verfeuert und nicht erst für Möbel oder zum Bauen genutzt. Ökologisch sei das verheerend. Durch die Abholzung sei die Klimafunktion der Wälder zunehmend gefährdet.

Bei den Bayerischen Staatsforsten sieht man die Entwicklung gelassen. Denn 6,1 Millionen Festmeter wachsen in den bayerischen Forsten jedes Jahr zu, nur 5,2 Millionen werden gefällt. Das alte Holz wegzuräumen beuge dem Borkenkäfer vor, was ökologisch wichtig sei. Zudem entnehme man Biomasse nur dort, wo der Wald es verkraftet. „Da braucht man kein schlechtes Gewissen haben“, sagt der Leiter der Staatsforsten, Rudolf Freidhager.

Klaus Reisinger vom Technologie- und Förderzentrum (TFZ) in Straubing glaubt, dass auf dem Markt noch Luft nach oben ist. Am TFZ gibt er deshalb regelmäßig Infoveranstaltungen zu dem Thema. Wie groß das Interesse daran sei, hänge vor allem an zwei Faktoren, sagt Reisinger: dem Ölpreis und den Subventionen. Derzeit fördert das Bundesamt für Wirtschaft Pelletöfen mit bis zu 3600 Euro. Wer nachhaltig und sparsam mit Energie umgehen will, dem empfiehlt Reisinger, in eine gute Heizanlage zu investieren. Die sei zwar in der Anschaffung teurer, aber effizienter: „Der beste Energieträger ist die Energie, die man nicht braucht.“

dpa/lby

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