Auf der Kenzenhütte im Ammergebirge

Mitten in der Pandemie: Frau wird mit 23 Jahren Hüttenwirtin - „So eine Chance bekomm‘ ich nur einmal“

Franziska Schlögel vor der Kenzenhütte
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Franzi Schlögel startet in ihre erste Saison auf der Kenzenhütte.

Mitten in der Corona-Krise erfüllt sich Franzi Schlögel einen Kindheitstraum: Die 23-Jährige übernimmt die Kenzenhütte im Ostallgäu. Die Peitingerin startet mit viel Optimismus in ihre erste Saison als Hüttenwirtin –eine der jüngsten Bayerns.

Peiting/Halblech – Als der lang ersehnte Anruf kommt, sieht es erst einmal nach einer herben Enttäuschung aus. „Es tut mir sehr leid, Franzi“, sagt Wolfgang Streif und macht eine Pause. „Aber ich fürcht’, Du wirst die nächsten fünf Jahre viel Arbeit haben.“ Franzi Schlögel grinst immer noch, wenn sie erzählt, wie sie der Vorsitzende der Waldkörperschaft Buching-Trauchgau (Kreis Ostallgäu) derbleckt hat, als er ihr sagte, dass sie sich für sie als neue Wirtin der Kenzenhütte entschieden haben. „Ich hab mich narrisch gefreut“, sagt die 23-jährige. „Und das ist bis heut’ so geblieben.“

Halblech: Neue Wirtin auf der Kenzenhütte - „Von einer eigenen Hütte hab‘ ich schon immer geträumt“

Fast ein halbes Jahr ist vergangen, seit die junge Frau aus Peiting im Kreis Weilheim-Schongau die Zusage bekommen hat, dass sie die ehemalige königliche Jagdhütte im Ammergebirge übernehmen kann. „Von einer eigenen Hütte hab’ ich schon immer geträumt“, sagt sie. Dass sie sich ihren Traum in einer schwierigen Zeit erfüllen muss, entmutigt sie kein bisschen. „Ich glaub’, dass ich so eine Chance nur einmal bekomme“, meint Franzi Schlögel ohne zu zögern. „Und ich glaub, es ist genau so, wie es sein soll.“

Freilich hätte sie gehofft, dass im Mai bereits mehr wieder möglich sein würde, gibt sie zu. „Aber ändern kann ich es nicht, also mach ich das Beste daraus.“ Statt am 1. Mai mit ihrem sechsköpfigen Team die Saison zu eröffnen, bietet sie nun zusammen mit ihrem Koch und einem Kellner donnerstags bis sonntags Speisen zum Mitnehmen an. Kässpatzen, Fleischpflanzerl und Bärlauchnudeln mit Tomaten und Feta, „Sachen, die man auch halbwegs bequem im Stehen essen kann“.

Kenzenhütte: Neue Wirtin startet mit To-Go-Angebot in die Corona-Saison

Die Kenzenhütte ist sowohl eine Ausflugs- als auch eine Berghütte: je 60 Plätze in der Stube und auf der Terrasse, dazu 60 Schlafplätze, im Lager und in den kleinen, gemütlichen Kammern. Die Leute kommen die zwölf Kilometer zu Fuß herauf, aber auch mit dem Radl gelangt man über die Fahrstraße nach oben, im Sommer fährt ein Shuttle Besucher auf die Hütte.

Sobald sie wieder Übernachtungsgäste aufnehmen darf, will die Hüttenwirtin selbst auch oben bleiben. Denn bis die Saison Mitte Oktober endet, gibt es eine Menge zu tun: „Ich bin hier oben Hausmeister, Putzfrau, Service- und Bürokraft“, sagt sie. Letzteres ist ihr Ausbildungsberuf: Kauffrau für Büromanagement. Das hat sie nach der Ausbildung schnell aufgegeben und im Sommer auf Berghütten und im Winter im österreichischen Sölden im Service gearbeitet. Obwohl sie schon einige Erfahrungen gesammelt hat, ist sie froh, dass sie in ihrem ersten Jahr als Hüttenwirtin nicht alles allein schaffen muss.

Hüttenwirtin Franzi Schlögel: Viel Unterstützung vom Freund und der Familie

Ihre Familie und ihr Freund Florian Wöhnl unterstützen die 23-Jährige nach Kräften. Papa Michael macht Holz für den kleinen Kachelofen, der die Gaststube heizt. Die Oma wäscht und bügelt die Tischwäsche. Und Mama Silvia, die mit der „Hauswirtschafterei“ Cateringerfahrung hat und für ihre Kochbücher immer an neuen Rezepten tüftelt, ist eine große Hilfe in der Küche. Auch ihre Geschwister Simone und Quirin helfen mit, um den Traum von der eigenen Berghütte wahr werden zu lassen. „Dafür bin ich ihnen sehr dankbar“, sagt Franzi Schlögel. Aber auch ihre Vorgängerinnen, die Schwestern Pamela und Corinna Lindner, stehen ihr mit Rat und Tat zur Seite, „vor allem beim Bürokratischen“.

Für den Muttertag und den gestrigen Vatertag haben Franzi Schlögel und ihr Team große Frühstückspakete gepackt, die man bestellen konnte. „Die Resonanz war Wahnsinn“, sagt sie. Bis aus ihrem Heimatort seien die Leute gekommen, um die liebevoll zusammengestellten Packerl abzuholen. Der Koch, der aus Wuppertal stammt, musste sich dafür erst einmal in die bayerische Küche reinfuchsen. Dafür war dank Corona Zeit: „Es hat auch sein Gutes: Wir können uns hier heroben in Ruhe einspielen.“ Für die Zeit, wenn auch auf der Kenzenhütte die Normalität und viele Gäste einkehren.

Infos zur Kenzenhütte

gibt es auf Facebook und Instagram sowie unter www.kenzenhuette.de

In Peiting haben wieder Vandalen ihr Unwesen getrieben. In der Nacht auf Freitag ging ein Entenhaus in Flammen auf. Als die Polizei eintraf, rastete einer der vier Täter, die gemütlich am Feuer saßen, völlig aus. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Schongau-Newsletter. Und in unserem Weilheim-Penzberg-Newsletter.

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