„Wofür gibt es überhaupt Grenzwerte?“

„Grob fahrlässig“: Lehrer fordern Schulschließungen in Bayern - 14 Tage sei „überschaubare Spanne“

Maskenpflicht wegen Corona während des Unterrichts an Schulen bleibt ein Streitthema
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Maskenpflicht wegen Corona während des Unterrichts an Schulen bleibt ein Streitthema.

Eine bayernweit einheitliche Linie bei Maskenpflicht oder Digitalunterricht gibt es nicht. Einzelne Landkreise weichen von der Linie der Staatsregierung ab. Lehrer fordern Maßnahmen.

  • Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen* setzen Landkreise in Bayern nicht einheitliche Regeln um.
  • Der unterschiedliche Kurs bei den Schulregelungen sorgt beim Realschullehrerverband für Unbehagen.
  • Sind Komplettschließungen ein Thema? Kultusminister und Ministerpräsident bekennen sich klar.

München/Landsberg – Es ist ein Appell mit drakonischen Worten: „Wofür gibt es denn überhaupt Grenzwerte, Ampeln* und Maßnahmenkataloge, wenn sie nicht umgesetzt und eingehalten werden?“, fragt der Vorsitzende des Bayerischen Realschullehrerverbands, Jürgen Böhm. Ihn ärgert der „Drang, Schulen permanent und unter allen Umständen offenzuhalten“. Es könne auch nicht sein, dass „Kommunen selbstständig Regeln wie etwa die Maskenpflicht aushebeln“. Für Böhm grenzt das „an grobe Fahrlässigkeit“.

Corona-Schulregelungen in Bayern: Regionale Uneinheitlichkeit als große Herausforderung

Im Blick hat der frühere Realschuldirektor die unterschiedlichen Corona-Regeln der Landkreise: So gibt es in Rosenheim eine Maskenpflicht an Grundschulen, in Landsberg hingegen nicht. Aufgrund hoher Infektionszahlen wurden im Landkreis Fürstenfeldbruck die Klassen halbiert und die Hälfte der Schüler in den Digitalunterricht zuhause geschickt. In Ebersberg, wo die Zahlen ähnlich hoch sind, ist das nicht der Fall. Die Liste der je nach Kommune unterschiedlichen Corona-Schulregelungen ließe sich fortsetzen.

Auch der Staatsregierung war die regionale Uneinheitlichkeit aufgefallen. Und sie versuchte zunächst, das einzudämmen. Ende vergangener Woche erging die Weisung, Kreise und kreisfreie Städte müssten Abweichungen von der Regel extra begründen und von der Bezirksregierung genehmigen lassen.

Genau das ist auch geschehen. Das Landratsamt Landsberg etwa habe sich die Befreiung der Grundschüler von der Maskenpflicht „durch die Regierung von Oberbayern bestätigen lassen“, wie Pressesprecher Wolfgang Müller unserer Zeitung sagt. Ähnlich ist es in Ebersberg: Landrat Robert Niedergesäß (CSU) bleibt bei seiner Haltung, dass „die Maskenpflicht an Grundschulen eine unverhältnismäßige Maßnahme“ sei. In Erding*, Eichstätt und Neuburg-Schrobenhausen werde das ebenso gesehen, in der Stadt München ebenso. Der Antrag auf Genehmigung werde nachgeholt. „Ob die Regierung den Landrat rechtlich zur Wiedereinführung der Maskenpflicht an den Grundschulen zwingen wird, ist derzeit nicht absehbar“, teilte das Landratsamt mit.

Schulen wegen Corona schließen? 14 Tage „eine überschaubare Zeitspanne“

Kultusminister Michael Piazolo (FW) hat im Gegensatz zum Realschullehrerverband Verständnis für die unterschiedliche Gangart der Landkreise. Der Stufenplan des Ministeriums, der entsprechend einer Empfehlung des Robert-Koch-Instituts* ab einer Inzidenz von 50 sowohl eine Maskenpflicht im Unterricht für alle Schüler ab der 1. Klasse vorsieht als auch eine Teilung der Klassen mit Wechsel zwischen Digital- und Präsenzunterricht, sei nur eine Orientierung.

Damit setzt sich der Minister von zunehmend schrillen Forderungen seitens der Lehrerschaft ab. So wandte sich der Deutsche Lehrerverband am Dienstag gegen „Schulen im Vollbetrieb um jeden Preis“. Es sei empörend, sagt Verbandschef Heinz Peter Meidinger, dass die empfohlenen Richtwerte „von der Bildungspolitik komplett ignoriert werden“. Die Klassen müssten in „Hotspots“ halbiert werden, und zwar „unverzüglich“. Noch weiter geht Jürgen Böhm vom Realschullehrerverband, der Schulschließungen ab einem Inzidenzwert* von 150 forderte. Böhm wörtlich: „Bei 150 Fällen sollten die Schulen komplett in den Fernunterricht wechseln müssen.“ Er brachte auch gleich einen Zeitraum für eventuelle Komplettschließungen ins Gespräch: 14 Tage seien „eine überschaubare Zeitspanne“.

Bayern: Schulschließungen wegen Corona? Klare Ansage von Ministerpräsident Söder

Über Schulschließungen indes will die Staatsregierung nicht spekulieren. Ein Grenzwert wird nicht kommuniziert. Generell gelte: Schulen sollen „als Letztes geschlossen, als Erstes wieder geöffnet werden“, wie Ministerpräsident Söder sagte.

Am Mittwoch schalten sich die Ministerpräsidenten mit Angela Merkel zu einer weiteren Corona-Konferenz zusammen. Die Kanzlerin will entscheidende Maßnahmen beschließen. *Merkur.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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