Im schwäbischen Bissingen

Wolf spaziert einfach über Fabrikgelände - Jetzt beschäftigt sich auch der Landtag mit dem seltenen Raubtier

Immer häufiger werden Wölfe in Bayern beobachtet. Für Menschen kaum eine Gefahr - für Nutztiere hingegen schon. Jetzt hat sich der Landtag mit dem Thema befasst.

Bissingen - Als Sascha Busack am Montagmorgen einen Transporter auf dem Firmengelände im schwäbischen Bissingen (Landkreis Dillingen*) belud, bemerkten er und seine beiden Arbeitskollegen, dass sie beobachtet wurden. Und zwar von einem neugierigen Wolf – das hat mittlerweile auch das Landesamt für Umwelt bestätigt. „Der ist einfach aufs Gelände hereinspaziert und es wirkte so, als würde er sich die Sache hier mal anschauen“, sagte Busack. Eine gute Viertelstunde spazierte das Raubtier zwischen Paletten und Gitterboxen der Baufirma hin und her und schnüffelte hier und da mal an einem Rohr.

Bauarbeiter Busack zückte das Handy und dokumentierte den überraschenden Besuch. Bis auf zwei Meter sei er an das Tier herangekommen, berichtet er. Angst habe er keine gehabt, sagt Busack, aber gewissen Respekt schon. Schließlich verschwand der vierbeinige Besucher wieder durch ein Loch in einem angrenzenden Zaun.

23 bestätigte Sichtungen von Wölfen in Bayern in diesem Jahr

Dass ein Wolf dem Menschen so nahe kommt, gilt eigentlich als selten. Aber die Wolfsnachweise in Bayern werden immer häufiger. Allein für dieses Jahr hat das Landesamt für Umwelt schon 23 Nachweise im gesamten Freistaat dokumentiert – die derzeit neun Gebiete mit standorttreuen Wölfen sind darin nicht einberechnet.

Nach mehreren Angriffen auf Nutztiere war der Wolf am Donnerstag auch Thema im Umweltausschuss des Landtags. Nach dem Willen der Fraktionen von CSU* und Freien Wählern soll der Schutzstatus des Wolfes auf den Prüfstand. Weil der Freistaat den Schutzstatus des Wolfes nicht ändern kann, forderten die Parteien die bayerische Staatsregierung auf, sich bei der Bundesregierung und der EU-Kommission „für ein länder- und staatenübergreifendes Monitoring zu einer Neubewertung des Erhaltungszustands sowie für eine Absenkung des Schutzstatus einzusetzen“. Der Wunsch der Freien Wähler, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen, scheiterte nach Angaben der Freien Wähler aber am Widerstand des Koalitionspartners.

SPD* und Grüne* fordern hingegen, den Herdenschutz mit einem Ausbau der staatlichen Förderung zu verbessern und somit Wolfsübergriffe auf Nutztiere weitestgehend zu verhindern. (mc) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch im oberbayerischen Miesbach ist ein Wolf* aufgetaucht. Der Bund Naturschutz hat sich jetzt dazu geäußert.

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