Gefahr wegen Geweih?

Behördenposse: Ein Hirsch ist kein Haifisch

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Sind Rothirsche gefährlich?

München - Hirsche sind eher sanftmütige Vegetarier. Doch die männlichen Tiere tragen spitze Geweihe. Darin sah die Staatsregierung bislang eine potenzielle Gefahr für Bayerns Bürger. Doch nun ist eine Reform in Sicht.

Eine gute Nachricht für männliche Rothirsche: Bisher von der Staatsregierung wegen ihrer Geweihe offiziell als gefährlich eingestuft, sollen sie künftig in Bayern wieder als harmlos gelten. Die Staatsregierung will die Hirsche von der Liste gefährlicher Tiere streichen, wie im Innen- und im Umweltministerium zu hören ist.

Bisher tauchen die einheimischen Pflanzenfresser gemeinsam mit exotischen Raubtieren wie dem sogenannten Killerwal, Krokodil und Hammerhai auf der Liste auf. Doch nun reagiert die Staatsregierung auf Proteste von Betreibern von Hirschgehegen. Diese brauchen wegen der Einstufung der Tiere bislang eine Sondergenehmigung. Im Landtag hat sich Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger des Themas angenommen: Ein Hirsch sei kein Haifisch, argumentiert er. „Das ist überflüssige Bürokratie.“ Wer ein Hirschgehege betreibe, müsse ohnehin qualifiziert sein. „Und wenn es in einem Gehege Probleme gibt, greift die Kommune sowieso ein.“ Als gefährlich gelten nur männliche Hirsche mit Geweih, Hirschkühe sind seit jeher ausgenommen. Wer ein gefährliches Tier in Bayern halten will, muss vorher „berechtigtes Interesse“ nachweisen. „Bloße Liebhaberei“ reicht nicht aus, wie das Innenministerium auf der Internetseite „Sicherheitsrecht Bayern“ mahnt. Es sollen laut Innenministerium männliche geweihtragende Rot- und auch die aus Asien stammenden Sikahirsche von der Liste gestrichen werden, aber keineswegs alle Hirschartigen: So bleibt der Elch gefährlich.

Die Hirsche sind allerdings keineswegs die einzigen Vegetarier auf der Liste. Als gefährlich für Leben, Gesundheit, Eigentum oder Besitz gelten in Bayern nicht nur Raubtiere, sondern mehrere Dutzend Tierarten von ganz groß bis ganz klein. Der Elefant ist gefährlich, das männliche Großkamel, das männliche Riesenkänguru, aber auch das männliche Wildschaf, der Skorpion und der kleine blaugeringelte Krake.

Die Sicherheitsbehörden lassen offensichtlich vorbeugendes Misstrauen walten: „Alle Spinnen, deren Art nicht eindeutig bestimmt werden kann, sind als gefährlich anzusehen“, heißt es auf der Liste. Ob ein Tier in Bayern tatsächlich hierzulande gesichtet wurde oder nicht, spielt offenbar keine Rolle.

Christian Magerl, Umweltschutzexperte der Grünen und studierter Biologe, meldet Zweifel an, ob die bayerischen Behörden bei der Einstufung der Gefahr durch Wildtiere möglicherweise etwas übertreiben: „Ich weiß nicht, ob ein Riesenkänguru wirklich gefährlicher ist als andere Großsäuger.“

Carsten Hoefer

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