53-Jähriger wird von Unwetter überrascht

Hüttenwirt als Lebensretter: 50-Jähriger verließ eigene Geburtstagsfeier, um Wanderer zu helfen

Beherzte Wirte: Andreas Frommelt und seine Frau Christine.
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Beherzte Wirte: Andreas Frommelt und seine Frau Christine.

Hüttenwirt Andreas Frommelt wurde am Abend seiner Geburtstagsfeier zum Lebensretter. Ein 53-Jähriger geriet im Berchtesgadener Land in Bergnot.

Berchtesgaden – Der brütenden Hitze am Sonntag versuchten viele in den Bergen zu entkommen. Ein 53-jähriger Wanderer aus Bad Reichenhall machte sich in kurzen Hosen und T-Shirt gegen Mittag auf, um zum Massiv des Hochstaufens (1771 Meter) zu gelangen, es sollte eine ausgedehnte Tour werden. Im Reichenhaller Haus direkt unterhalb des Gipfels freute sich zur selben Zeit Hüttenwirt Andreas Frommelt auf den Abend, es war sein 50. Geburtstag. Mit der Familie hatte er bereits reingefeiert, berichtete er gestern. Für den späten Nachmittag hatten sich elf Fußball-Spezl vom TSV Unken aus dem Salzburger Land angesagt. Doch es kam zu einer Planänderung. Statt zu feiern, wurde Frommelt zum Retter eines Menschen in Bergnot.

Die Party fing gerade an, als in der Schutzhütte die Bergwacht* anrief. Am alpinen Steig zwischen Zennokopf und Mittelstaufen war der 53-Jährige in Bergnot geraten. Er war bereits erschöpft gewesen, als er um 18.30 Uhr auch noch von einem Unwetter überrascht wurde. „Durchnässt, frierend und im rutschigen Steig kam er nicht mehr weiter“, hieß es vom BRK Berchtesgadener Land*. Eine Stunde nach dem Gewitter setzte der Mann einen Notruf ab, der Einsatzleiter rief seinerseits auf dem Reichenhaller Haus unterm Hochstaufen an, wo Andreas Frommelt den Hörer abnahm. Ein Polizeihubschrauber war zwar alarmiert, aber noch wegen eines dringenderen Notfalls unterwegs. Nach kurzer Zeit war wegen der Wetterbedingungen kein Anflug mehr möglich.

Hüttenwirt als Lebensretter: 53-Jähriger „hatte wohl die Hitze unterschätzt“

Als Andreas Frommelt davon erfuhr, überlegte er nicht lang: Er machte sich sofort auf, schließlich dauerte es eine Stunde bis zu der Stelle, wo der 53-Jährige ausharrte. Er traf auf einen Mann, der völlig entkräftet war. „Er hatte wohl die Hitze unterschätzt. Außerdem fror er und war gleichzeitig dehydriert.“ Frommelt gab ihm zum Wärmen seine Jacke, reichte ihm seine Trinkflasche und wartete, bis sich der 53-Jährige fit genug fühlte, um mit ihm mitzugehen. Dann brachen sie auf, um zum Gipfel des Mittelstaufen zu gelangen, wohin die Bergwacht mit einer Mannschaft zu Fuß unterwegs war.

Gegen 22.45 Uhr trafen die beiden Gruppen aufeinander, die Einsatzkräfte führten den Wanderer am Seil über steiles Gelände auf den Weg. Da weitere Regenfälle angekündigt waren, gingen alle gemeinsam zurück zum Reichenhaller Haus. Der Arzt checkte den Wanderer durch, dann wurde er von Andreas Frommelt und seiner Frau Christine versorgt. „Er hat sich schnell erholt, ging dann aber bald zu Bett“, erinnert sich Frommelt. Die anderen setzten ihre Feier fort. Und der Hüttenwirt bekam sein Geburtstagsgeschenk: eine Sechzger-Fanausrüstung und einen Gutschein für ein Auswärtsspiel.

Der gerettete Wanderer stieg am Montagmorgen gut erholt ins Tal ab – zusammen mit drei Bergwachtlern, die Teil der Geburtstagsgesellschaft geworden waren. - MARKUS CHRISTANDL - *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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