Prozess in Augsburg

Schwer kranken Sohn getötet: Bewährung

Augsburg - Um ihn von seinem Leid zu erlösen, hat ein Rentner aus Schwaben seinen schwer kranken Sohn getötet. Nun wurde der Vater zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Als seine Mutter starb, wollte der schwerbehinderte 50-Jährige nicht mehr leben. Sein Vater erfüllte ihm den Wunsch und wollte mit dem Sohn gemeinsam sterben. Doch der Vater überlebte den Suizidversuch und kam vor Gericht. Die Richter verhängten eine Bewährungsstrafe.

Wegen der Tötung seines schwer behinderten Sohnes ist in Augsburg ein Rentner zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Der 77-Jährige hatte seinen 50 Jahre alten Sohn umgebracht, um ihn von seinem Leid zu erlösen. Der Angeklagte selbst überlebte dabei knapp einen Suizidversuch. Das Landgericht Augsburg wertete die Tat am Mittwoch als Tötung auf Verlangen und sprach eine neunmonatige Bewährungsstrafe aus. Wie ein Sprecher des Gerichts mitteilte, ist das Urteil rechtskräftig.

Das Gericht ging von einer verminderten Schuldfähigkeit aus, weil der Angeklagte am Tattag in einer besonderen Ausnahmesituation war. Der Angeklagte hatte sich im Juli 2013 mit seinem schwer kranken Sohn in ein Auto gesetzt und die Abgase in den Innenraum geleitet. Der Rentner wurde noch leblos aus dem Wagen gerettet, für den Sohn kam jede Hilfe zu spät.

Nach Angaben des Gerichtssprechers betonte der Richter in seiner Urteilsbegründung mehrfach die Lebensleistung des Angeklagten. Jahrzehntelang hatte sich der Mann aus Friedberg bei Augsburg um sein Kind gekümmert, das von Geburt an spastisch gelähmt war. Zuletzt hatte sich der Gesundheitszustand des Sohnes immer mehr verschlechtert. Nach dem Tod der Mutter im Jahr 2012 soll der Sohn seinen Lebensmut verloren und den Vater mehrfach darum gebeten haben, sterben zu dürfen.

Vor eineinhalb Jahren gab der Rentner diesem Wunsch nach. Er versuchte, sich und seinen 50-jährigen Sohn mit Autoabgasen umzubringen. Dem Sohn hatte er zunächst zur Beruhigung Schlaftabletten verabreicht. Danach setzte sich der Vater mit ihm ins Auto, in dessen Innere über einen Schlauch die Abgase des laufenden Motors strömten. Eine Verwandte entdeckte im Haus einen Abschiedsbrief und fand die beiden Männer in der Garage. Der Notarzt konnte den Rentner noch reanimieren, der Sohn war bereits tot.

Die Staatsanwaltschaft hatte auf eine neunmonatige Bewährungsstrafe plädiert, das Gericht folgte diesem Antrag. Die Verteidigung beantragte, von einer Strafe für den Vater abzusehen.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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