Crowdfunding soll halbe Million Euro einbringen

Bier-Fans sollen Brauerei aus Corona-Krise helfen - „So etwas hab ich in 30 Jahren noch nie erlebt“

Eine Hand hält Euromünzen über vollen Bierkästen
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Die Brauerei Viechtach versucht durch Crowdfunding durch die Corona-Krise zu kommen.

Keine Fässer mehr für Kneipen, Feste, Hotels oder Gaststätten: Brauereien in ganz Bayern kämpfen gegen die pandemiebedingten Umsatzeinbußen. Die niederbayerische Brauerei Viechtach versucht es nun mit Crowdfunding.

Viechtach - Vor drei Jahren übernahm der Kölner Markus Grüsser (56) die Traditionsbrauerei in Viechtach (Landkreis Regen). Er sorgte für neue Anlagen, neuen Fuhrpark und für neue Logos auf Flaschen und Kästen. Pandemiebedingt hatte die Brauerei dann große Einbußen zu verzeichnen. Doch die Gesellschaftsbrauerei Viechtach hat schon einen Plan an Geld zu kommen: Budget durch Crowdfunding.

Auf der Investmentwebsite Seedmatch erklärte der Geschäftsführer, warum er sich regen Zuspruch aus der Aktion erhoffe. Seit 1553 wird in dem niederbayerischen Städtchen Bier gebraut. Markus Grüsser aus Nordrhein-Westfalen, der zuvor bei mehreren Getränkeherstellern seit über 30 Jahren deutschlandweit Erfahrungen in den Bereichen Leitung und Marketing gesammelt hatte, erwarb 2018 die Viechtacher Traditionsbrauerei.

Brauerei plant weitere Investments mithilfe von Crowdfunding

2019 habe es dann einen „erfolgreichen Relaunch“ des Bieres gegeben, nachdem er eine dreiviertel Million in die Brauerei investiert hatte. Für neue Anlagen, Rohre, Leitungen und Dichtungen. Dazu unter dem Motto „Back to the Roots“ ein neues Logo im Stil der 60er und 70er Jahre. Nach Ausbruch des Coronavirus* und den damit verbundenen Einbußen, konzentrierte sich die Gesellschaftsbrauerei auf den Flaschenverkauf. Sie suchten neue Händler und Getränkemärkte und errichteten einen Online-Shop, in dem, über die Landesgrenzen hinaus, eingekauft werden kann.

Nun sucht Grüsser nach weiteren Investoren. Insgesamt eine halbe Million Euro erhofft sich der Geschäftsführer aus der Crowdfunding Aktion. Das Geld möchte er in einen Außendienstmitarbeiter investieren, sowie in eine umweltfreundlichere Kälteanlage und einen Ausbau der Social-Media-Kanäle. Außerdem stehe eine „überregionale ,Road-Show‘ am Point of Sale mit unserem Bayerwald Bierschutzgebiet“ auf dem Plan.

Viechtacher-Fans lassen sich Tattoos mit Logo stechen

Am Donnerstag (22. April) startet die Funding-Aktion auf Seedmatch. Ab 250 Euro kann man in das Unternehmen investieren und bei einem Gewinn werden die Investoren beteiligt. Wie bei Crowdfunding-Aktionen üblich, besteht jedoch auch die Gefahr, dass das Geld einfach weg ist, wenn sich das Unternehmen nicht halten kann.

Und seiner Meinung nach stehen die Chancen auf Erfolg nicht schlecht, da es viele Fans des Bieres gäbe: „Zum Beispiel haben mindestens 20 junge Menschen sich unser Logo tätowiert“ sagt er. Auch in den sozialen Medien beobachte er, dass viele Viechtacher das Bier in den Urlaub mitnähmen. „So etwas habe ich in 30 Jahren noch nie erlebt“, so Grüsser. Das Viechtacher Bier werde mittlerweile nicht nur in Bayern, sondern auch in Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen verkauft.

Gestiegener Flaschenverkauf kann Einbußen der Pandemie nicht ausgleichen

So erhofft sich die Brauerei, dass es 2022 nach der Corona-Pandemie wieder aufwärts gehe. Denn zwar ist der Anteil an Privatkunden beim Flaschenkauf deutlich gestiegen, aber die fehlenden Fassverkaufs-Umsätze, weil Kneipen, Gaststätten und Hotels geschlossen haben müssen, fehlen. Genauso wie Straßen- und Volksfeste, bei denen große Mengen verkauft werden können. Daher kämpfen die Brauereien mit der Krise. Dabei entstehen aber auch immer wieder neue Ideen, wie etwa Schnaps aus Bier* zu machen. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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