Inzidenz unter 100

Biergarten-Inhaber am Wörthsee fürchtet Massen-Ansturm: „Die Menschen sind ausgehungert“

Till und Pamela Weiß in ihrem Biergarten am Wörthsee im Landkreis Starnberg.
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„Die Menschen sind ausgehungert“: Till und Pamela Weiß in ihrem Biergarten am Wörthsee im Landkreis Starnberg.

In Teilen Bayerns darf die Außengastronomie jetzt öffnen. Till Weiß, Inhaber des Biergartens am Wörthsee, spricht mit uns über seine Erwartungen.

Steinebach – Im Landkreis Starnberg liegt die 7-Tage-Inzidenz* deutlich unter 100. Damit können dort kommende Woche wohl Außengastronomie und Biergärten öffnen. Das Gastronomenpaar Till und Pamela Weiß bereitet den „Augustiner am Wörthsee“ in Steinebach auf den Betriebsstart vor. Ungetrübt ist ihre Vorfreude nicht.

Herr Weiß, rüsten Sie sich jetzt für einen Ansturm von Biergarten-Touristen aus den umliegenden Landkreisen, in denen noch nicht geöffnet werden darf?
Weiß: Einen solchen Ansturm kann es schon geben. Die Menschen sind ausgehungert. Wir werden dennoch nur mit 40 bis 50 Prozent unserer Kapazität anfangen. Grundsätzlich wäre es kein Problem, wieder voll hochzufahren. Aber das kostet auch Geld. Das nötige Personal – wir haben noch 29 unserer ursprünglich 36 Mitarbeiter – muss schon Tage vorher aus der Kurzarbeit geholt werden. Dazu kommt der Wareneinkauf. Mengen sind schwer kalkulierbar, und auch bei unseren Zulieferern ist ja nach einer so kurzfristigen Ankündigung nicht sofort wieder alles in unbegrenzten Mengen vorhanden. Die haben nach Monaten mit geringer Nachfrage nicht einfach genau das Stück Schweinsbraten und das Kraut rumliegen, das wir für unsere normale Speisekarte bräuchten.
Aber genug Bier bekommen Sie hoffentlich?
Weiß: Ich habe gerade bei der Brauerei für nächste Woche die ersten 500 Liter Helles im Fass geordert. Das fanden sie auch dort etwas spontan, aber sie können liefern. Andere Getränke halten wir erst mal nur in Flaschen vor.

Öffnung der Außengastronomie in Starnberg: „Für Besäufnisse in großer Runde ist jetzt nicht die Zeit“

Sie haben einen großen Biergarten- und Außenbereich. Sie werden aber nicht gleich die maximal mögliche Zahl an Tischen aufstellen. Auch nicht mit Blick auf den Vatertag an Christi Himmelfahrt?
Weiß: Im Moment haben wir draußen Tische für 150 Gäste, auf der Restaurant-Terrasse und in einem abgetrennten Teil des eigentlichen Biergartens. Kleine Ausflugsgruppen empfangen wir dort auch am Vatertag gerne. Aber für ausgelassene Feiern oder gar Besäufnisse in großer Runde ist jetzt ohnehin noch nicht wieder die Zeit. 
Werden Sie die Auflagen wie das Kontrollieren von Test- oder Impfnachweisen umsetzen können?
Weiß: Da ist für uns vieles noch unklar. Muss man alle Kontaktdaten erfassen oder nur von einer Person pro Tisch? Wer darf mit wem sitzen, mit welchen Abständen? Mir scheint, dass die Menschen, die das entscheiden, unsere Arbeit nicht verstehen und auch niemanden fragen.
Was konkret stört Sie?
Weiß: Dass für einen Besuch in der Außengastronomie an der frischen Luft überhaupt Tests* nötig sind, finde ich falsch. Auch dass nicht klar ist, wie ein praktikabler Nachweis über Impfung*, Testung oder Genesung aussehen soll. Wir sind nicht dazu da, uns von unseren Gästen den Personalausweis vorzeigen zu lassen. Und ganz sicher werde ich nicht selber in einen Schutzanzug steigen und Menschen testen. Öffnungen sind schön, aber die jüngste Ankündigung war ein nicht wirklich ausgegorener, wohl eher wahlkampftaktisch motivierter Schnellschuss.

Öffnung der Außengastronomie in Starnberg: „Wir freuen uns auf glückliche Menschen und positive Momente“

Trotz der neuen Perspektive ist noch viel Frust da?
Weiß: Es macht einfach was mit der Psyche, wenn man monatelang täglich den leeren Betrieb vor Augen hat. Und eine stabile Perspektive ist das jetzt auch nicht. Steigt die Inzidenz über 100, ist es wieder vorbei. Dazu haben die Entscheidungen der Politik stark beigetragen. Das Zusperren im November war richtig, das haben wir mitgetragen. Und ich wäre auch dafür gewesen, die Beschränkungen im März länger durchzuhalten. Dann hätten wir jetzt wohl mehr Möglichkeiten und eine wirklich stabile Perspektive.
Was müssen Gäste beachten, wenn sie nächste Woche zu Ihnen kommen?
Weiß: Das wissen wir erst, wenn konkretere Vorschriften vorliegen. Vorab reservieren muss man aber nicht unbedingt. Das Einbuchen der Reservierung geht auch vor Ort am Eingang, wenn Platz frei ist. In unserem System sehen wir dort, welche Tische belegt und welche schon wieder frei und gereinigt sind.
Aber unterm Strich ist schon auch Vorfreude da?
Weiß: Wir freuen uns natürlich auf unsere Stammgäste, die uns mit der Nutzung unserer Mitnahmeangebote seit Monaten die Treue gehalten haben. Wir freuen uns, endlich wieder Gastgeber sein zu können. Und wir freuen uns auf positive Menschen, die bei uns glückliche Momente genießen können.

Das Interview führte Stefan Reich.

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