„Liaba Bischof, mir haltet zam“

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Bischof Konrad Zdarsa sitzt am Samstag im Dom von Augsburg auf dem Bischofsstuhl. In einem Gottesdienst wurde Zdarsa in sein neues Amt als Bischof der Diözese Augsburg eingeführt.

Augsburg - Fünf Monate nach dem Amtsverzicht von Walter Mixa hat das Bistum Augsburg wieder einen neuen Bischof. Konrad Zdarsa wurde am Samstag in sein Amt eingeführt – und er zeigt den Menschen, dass er einen ganz anderen Stil pflegt als sein Vorgänger.

Erleichterung, fröhliche Gesichter, Zuversicht: Mit der Amtseinführung des neuen Augsburger Bischofs Konrad Zdarsa im Dom verbinden viele Gläubige die Hoffnung auf einen Neubeginn in der Diözese. Über 2500 Menschen waren in den Dom gekommen, um zu erleben, wie der 66-jährige bisherige Bischof von Görlitz von seiner neuen Diözese Besitz nahm. Über 40 Bischöfe nahmen an dem feierlichen Gottesdienst teil, umarmten Zdarsa zur Bekundung der Gemeinschaft im Bischofskollegium und stärkten ihm damit den Rücken.

Schwierige Monate hat die katholische Kirche hinter sich. Vor gut fünf Monaten musste Bischof Mixa wegen Untreue- und Prügelvorwürfen zurücktreten. Innerhalb der Diözese hat die Affäre tiefe Gräben zwischen Mixa-Gegnern und -Freunden hinterlassen. Der Bischof aus dem Osten soll das Bistum nun einen.

Zdarsa sprach in seiner ersten Predigt die Probleme offen an, erwähnte „die betrüblichen Entwicklungen der Vergangenheit“. Doch er kritisierte auch eine „einseitig negative Darstellung eines ganzen Bistums und seiner Gläubigen“. Ebenso mahnte er jeden Einzelnen, sich für die Kirche einzusetzen und im Streit die Schuld nicht immer gleich beim anderen zu suchen: „Die Erkenntnis unserer eigenen Armseligkeit und Schwäche ist nicht die schlechteste Voraussetzung dafür, uns endlich helfen zu lassen.“ Der neue Bischof rief die Menschen zu einem Zeugnis des Glaubens auf – Gutes zu tun und davon zu reden, sei zu wenig. Auch in der Öffentlichkeit müsse man damit beginnen, mit dem Evangelium zu argumentieren, „wenn auch nicht in Stil und Sprache aus dem 18. Jahrhundert“.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sprach die Wirren um Mixa an. Die vergangenen Monate seien für das Bistum, aber auch für den ehemaligen Bischof „eine schwierige Zeit der Bedrängnis, der Abschottung, der Auseinandersetzung, häufig der Anfeindung von außen“ gewesen. Um so wichtiger sei nun die Unterstützung für Zdarsa: „Nehmt Euren neuen Bischof mit offenen Armen auf.“

Im Anschluss an den Gottesdienst zog der Bischof an der Spitze einer langen Prozession zum Bildungshaus St. Ulrich, wo ein „Fest der Begegnung“ stattfand. Auf dem Weg dorthin schüttelte Zdarsa die Hände von zahlreichen Menschen. Sie erlebten einen bescheidenen, zugänglichen Mann, der sich sichtlich über die freundliche Aufnahme freute.

Zu hören war, dass Zdarsa, der bisher die kleinste deutsche Diözese mit knapp 30 000 Katholiken geleitet hatte, zunächst erschrocken war, als er erstmals in die 1,4 Millionen Katholiken zählende Diözese Augsburg gekommen war. Die stattlichen Räume in der bischöflichen Wohnung sollen ihn ebenso irritiert haben wie die Größe des Ordinariats. An Augsburg gefällt ihm, dass man viele Ziele schnell zu Fuß erreichen kann. Seinen Wagen soll er nur benutzt haben, um Möbel bei Ikea zu kaufen. Ein anderer Lebensstil als der von Mixa, der ein barockes Ambiente mit kostbaren Antiquitäten liebte. Zdarsa ist bodenständig – vor seinem Theologiestudium hat er eine Dreher-Lehre absolviert. „Die Voraussetzungen sind gut für einen konstruktiven Neubeginn“, sagte der designierte Kardinal Reinhard Marx gegenüber unserer Zeitung. Der Münchner Erzbischof hatte Zdarsa mit dem Apostolischen Nuntius Erzbischof Jean-Claude Périsset zu dessen Bischofsstuhl geleitet. „Er ist offen und hat eine herzliche, den Menschen zugewandte Art“, lobte Marx.

Die offene Art des Sachsen gefällt auch Helmut Mangold, Vorsitzender des Diözesanrats der Katholiken. Bereits am kommenden Wochenende kommt Zdarsa zur Vollversammlung des Diözesanrats. „Ich habe den Eindruck, mit ihm kann man vieles besprechen.“ Robert Ischwang aus Bernried (Kreis Weilheim-Schongau) ist Diözesan-Altenseelsorger. Er hat Zdarsa schon erlebt. „Er ist einer, der die Menschen ernstnimmt und genau hinschaut. Wir dürfen die Erwartungen an den neuen Bischof nicht zu hoch schrauben. Wir alle, Haupt- und Ehrenamtliche, müssen glaubwürdiger werden.“

Beim „Fest der Begegnung“ erlebte der Bischof die verschiedenen Dialekte seiner neuen Heimat. Korbinian Sailer aus Uffing am Staffelsee, Religionslehrer am Gymnasium Geretsried, vertrat den oberbayerischen Teil der Diözese. „Er macht einen sehr sympathischen und menschlichen Eindruck“, freut sich Sailer. Der Uffinger hat auch in Erfurt studiert und dort erlebt, dass die Kirche in der Diaspora sehr persönlich und unkompliziert ist. Wenn das der neue Bischof mit nach Augsburg bringe – dann könnten die vergangenen dunklen Monate überwunden werden. Eine Zeit, die Sailer belastet hat, „weil durch die Schattenseiten so vieles an Gutem verdeckt worden ist“.

Konrad Zdarsas Bischofsspruch lautet „Denn er ist unser Friede“. Der Nuntius nannte den Wahlspruch ein Omen für Zdarsas Dienst in Augsburg. Ein Hoffnungszeichen dafür, dass die Diözese wieder zusammenwächst. Den Anfang dazu machte Martin (10) zum Schluss des Festes: „Pfiat di, liaba Bischof. Denk Dir nix, mir haltet zam!“

Claudia Möllers

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