interview

BRK-Präsident Theo Zellner kandidiert nicht mehr - Kampf um Nachfolge: „Zu diesem Amt gehören Emotionen“

Theo Zellner steht in der BRK-Landeszentrale in München
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Theo Zellner will bei der Wahl im Dezember nicht mehr als BRK-Präsident kandideren.
  • Katrin Woitsch
    VonKatrin Woitsch
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Theo Zellner hat angekündigt, nach acht Jahren nicht mehr für das Amt des BRK-Präsidenten zu kandidieren. Die Neuwahl im Dezember wird spannend. Es könnte im BRK einen großen Umbruch geben.

Das Bayerische Rote Kreuz wählt im Dezember einen neuen Präsidenten. Theo Zellner gibt sein Amt nach acht Jahren ab, er will den Weg für Jüngere freimachen. Zwei Kandidaten positionieren sich bereits für seine Nachfolge: Der Augsburger Zahnarzt Holger Krems und die CSU-Landtagsabgeordnete Angelika Schorer aus Schwaben. Auch Theo Zellner will beim BRK aktiv bleiben. Vorher blickt er noch einmal auf die Herausforderungen der vergangenen Jahre – und auf die, denen sich seine Nachfolger stellen müssen.

Wie schwer ist Ihnen die Entscheidung gefallen, nicht mehr als BRK-Präsident zu kandidieren?

Als ich 2013 gewählt wurde, war ich bereits Kreisvorsitzender in Cham. Das Amt habe ich nie abgegeben, es hat mir Bodenhaftung gegeben. Ich hatte mir bei meiner Wahl zum Präsidenten zwei Amtszeiten vorgenommen. Vier Jahre sind zu wenig. Jetzt bin ich 72. Das ist ein Alter, in dem man loslassen kann. Nicht, weil mir das Amt keine Freude mehr machen würde. Ich brenne nach wie vor für diesen Verband. Aber der Zeitpunkt ist richtig, um abzugeben.

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Zwei der Kandidaten sind auch Landtagsabgeordnete. Wie politisch darf das BRK sein?

Es kann natürlich sein, dass Kandidaten aus der Politik zur Wahl vorgeschlagen werden. Einer unserer wichtigsten Grundsätze ist aber Neutralität. Man kann sich mit einer BRK-Position nicht an die Seite einer Partei stellen. Aber natürlich hat man eine politische Einstellung. Ich bin seit 54 Jahren Mitglied in der CSU, war Bürgermeister und Landrat. Das hat mich aber nie daran gehindert, meine Aufgabe neutral zu erfüllen. Das Rote Kreuz ist aber auf eine gute Zusammenarbeit mit der Politik angewiesen.

Pflege und Rettungsdienst müssen attraktiver werden.

Theo Zellner

Sie geben Ihr Amt in herausfordernden Zeiten ab. Die Pandemie ist noch nicht vorbei, Umweltkatastrophen häufen sich, die Pflegesituation wird immer dramatischer. Ist das die richtige Zeit für einen Umbruch beim BRK?

Katastrophen sind nie vorhersehbar, aber man kann aus ihnen lernen und die richtigen Konsequenzen ziehen, wie beispielsweise die Inbetriebnahme des Bayerischen Zentrums für besondere Einsatzlagen gezeigt hat. Außerdem beschäftigen wir uns seit Jahren mit dem BRK der Zukunft. Zum Beispiel mit der Frage des Nachwuchses im Ehrenamt. Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass sich Menschen ehrenamtlich engagieren. Das ist eine wichtige Aufgabe für uns. Das Rote Kreuz will ein Gegenpol zur Gleichgültigkeit in unserer Gesellschaft sein. Eine weitere wichtige Aufgabe: Pflege und Rettungsdienst müssen attraktivere Berufe mit Aufstiegsmöglichkeiten werden. Wir müssen intensiv daran arbeiten, dass vor allem die Pflege in der Berufsskala einen anderen Stellenwert bekommt.

Das ist eine große Herausforderung für Ihre Nachfolger...

Und nicht die einzige. Es wird in den nächsten Jahren auch darum gehen, was uns die Pandemie gelehrt hat. Zum Beispiel, wie wichtig Schutz- und Medikamentenvorsorge für Katastrophenfälle sind. Ein anderes Thema ist die Novelle des Rettungsdienst-Gesetzes, die gerade in Arbeit ist. Auch hierbei gilt es die ehrenamtlichen Strukturen im Katastrophenschutz zu festigen.

Was waren Ihre Herzensthemen als Präsident?

Meine erste große Aufgabe war die Helfergleichstellung. Ich konnte damals gar nicht verstehen, warum unsere Leute nicht mit der Feuerwehr gleichgestellt sind. Das haben wir durch viele Verhandlungen geschafft. Wir haben den Beruf des Notfallsanitäters eingeführt. Diese Aufstiegsmöglichkeit war wichtig, genauso wichtig war Rechtssicherheit. Unsere Notfallsanitäter dürfen nun am Unfallort auch invasive und damit lebensrettende Maßnahmen ergreifen, wenn es um Sekunden geht. Auch für die Einführung des Telenotarztes haben wir die Blaupause geliefert. Eine wichtige Aufgabe war es, die Finanzen zu stabilisieren. Man meint immer, es ist sowieso alles bezahlt beim Roten Kreuz. Aber für viele Bereiche, zum Beispiel den Katastrophenschutz, brauchen wir eine Finanzierung. Stolz bin ich auf die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Wie gut sie heute funktioniert, haben wir zuletzt beim Zugunglück in Tschechien bewiesen. Es hat 20 Minuten gedauert, bis unsere Leute an der Unglücksstelle waren.

Ich will kein Präsident im Hintergrund sein.

Theo Zellner

Sie bleiben weiterhin Kreisvorsitzender in Cham. Werden Sie ein Präsident im Hintergrund sein?

Nein. Ich mische mich nicht in die Nachfolgefrage ein und will auch nicht als Präsident im Hintergrund agieren. Wenn jemand einen Rat braucht, bin ich da – als Mitglied des Roten Kreuzes.

Wie emotional wird Ihr Abschied als Präsident?

Emotionen gehören für mich zu diesem Amt. Ich könnte das nie einfach abhaken, so bin ich nicht. Das Rote Kreuz kann man nur mit Herzblut führen.

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