China: Seehofer will bei E-Mobilität einsteigen

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Horst Seehofer in China.

Qingdao - Im ungleichen Wettkampf mit China will Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) Bayern zur Nummer eins in der “Elektromobilität“ machen - elektrischen Autos der Zukunft.

Seehofer brachte am Donnerstag zum Abschluss seiner fünftägigen China-Reise eine bayerische Modellstadt für Elektrogefährte ins Gespräch. Denkbar sei eine kleinere Stadt mit 10.000 Einwohnern. “Wir müssen das angehen“, sagte Seehofer. Er zog ein positives Resümee der Reise: “Ich fliege zufrieden nach München zurück.“ Er fühle sich in China “pudelwohl“. Hintergrund von Seehofers Elektro-Plänen ist das Ziel der chinesischen KP, die technologische Führung in dieser Zukunftstechnologie zu übernehmen. Das könnte für die bayerischen Autohersteller BMW und Audi gravierende Folgen haben. Der frühere Außenminister Joschka Fischer habe ihn gewarnt, die deutsche Autoindustrie könne angesichts der chinesischen Konkurrenz zur “Steinkohle des 21. Jahrhunderts“ werden, berichtete der CSU-Chef.

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Seehofer will deshalb auch Audi, BMW und Siemens an einen Tisch bringen, um über die Strategie zu beraten. Die Einzelheiten einer möglichen Modellstadt für Elektromobilität sind noch völlig unklar. Ebenso ungeklärt ist, ob es mögliche Hindernisse in Brüssel gibt. Das Wirtschaftsministerium soll aber möglichst schnell im Kabinett über die Handlungsmöglichkeiten berichten, wie Seehofer sagte. Die Kommunistische Partei und die Regierung der nordchinesischen Partnerprovinz Shandong wollen ihrerseits groß ins Geschäft mit Bayern einsteigen. Bei zwei aufeinanderfolgenden Treffen mit Seehofer schlugen die Chinesen eine ganze Serie von Projekten vor. So erwägt Chinas größter Hausgerätehersteller Haier den Bau eines europäischen Forschungszentrums im Freistaat. Weitere Vorschläge: ein bayerischer Industriepark in Shandong, ein öko-effizienter bayerischer Chemiepark, Direktflüge von München nach Shandong, sowie Zusammenarbeit bei Wasser- und Abfalltechnik, Versicherungen, Banken, Tourismus und Messen.

Gouverneur Jiang Daming schlug München als möglichen Standort eines Haier-Zentrums vor, doch Landtags-Vizepräsident Jörg Rohde (FDP) warb sogleich für die Ansiedlung in Nürnberg. Bis zum Sommer sollen nach Seehofers Angaben erste Vereinbarungen spruchreif sein. “Das klingt nach einem großen Wurf und könnte wirklich eine größere Sache werden“, meinte der CSU-Landtagsabgeordnete Markus Blume. SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher äußerte sich dagegen vorsichtiger: “Schauen wir mal, was Konkretes daraus wird.“ Wirklich interessant sei die Überlegung des Haier-Konzerns, sich in Bayern anzusiedeln. Zuvor warben Seehofer und Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bei einem gemeinsamen Auftritt mit Seltenheitswert mit vereinten Kräften für die deutsche Wirtschaft. Bei einem Energiekongress in Qingdao empfahl Schröder den Chinesen am Donnerstag, beim Ausbau der erneuerbaren Energien auf deutsche Unternehmen zu setzen: “Deutschland hat die führende Technologie dafür.“ Seehofer sagte, der Freistaat und China könnten gemeinsame Anstrengungen für eine nachhaltige Energieversorgung unternehmen. “Bayern reicht Ihnen die Hand dafür.“ Und außerdem ernannte die Universität Qingdao Seehofer zum Ehrenprofessor, was den Nicht-Akademiker freute. “Das ist ein großer Augenblick für mich“, sagte er. Die Auszeichnung habe “vielleicht in meinem bisherigen Leben mit den höchsten Stellenwert“.

dpa

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