Entwicklung läuft

Bald neuer Ansatz gegen Corona? Mikrobiologe aus Bayern forscht an Impfung - ganz ohne Spritze

  • Katarina Amtmann
    VonKatarina Amtmann
    schließen

Eine orale Impfung in Form einer Kapsel gegen Corona - daran arbeitet ein Mikrobiologe und Professor aus Bayern. Eine solche Impfung hätte mehrere Vorteile.

Würzburg - Gibt es bald einen neuen Ansatz bei Impfungen* gegen das Coronavirus*? Wenn es nach Professor Thomas Rudel von der Universität Würzburg und dem biopharmazeutischen Unternehmen Aeterna Zentaris GmbH geht, könnte es bald eine neue Möglichkeit im Kampf gegen die Pandemie geben: Eine Impfung*, die in Form einer Kapsel einfach geschluckt werden kann. Das teilte die Universität in einer Pressemitteilung am Mittwoch (24. März) mit. Die präklinische Entwicklung, die den Weg zu ersten klinischen Studien an Menschen ebnen soll, hat demnach bereits angefangen.

Orale Impfung gegen Corona? Forschung in Bayern läuft

Rudel ist Inhaber des Lehrstuhls für Mikrobiologie an der Julius-Maximilians-Universität (JMU) in Würzburg. Er hatte vor circa einem Jahr die Idee für die orale Impfung* gegen das Virus.* „Wir verwenden einen Ansatz, der schon seit vielen Jahren, millionenfach als Schutz vor einer Typhus-Infektion im Einsatz ist“, wird er in der Pressemitteilung zitiert. Der orale Typhus-Impfstoff basiert demnach auf einem speziellen Bakterienstamm, Salmonella Typhi Ty21a.

Mit dem gleichen Bakterienstamm arbeiten jetzt auch Rudel und die Wissenschaftler:innen in seinem Labor. Allerdings mit einer wichtigen Modifikation: „Wir haben die Bakterien so programmiert, dass sie SARS-CoV-2-Antigene produzieren“, so der Professor. Unterstützt wurde er dabei von der Mikrobiologin Dr. Birgit Bergmann.

Übrigens: Die wichtigsten Geschichten aus dem Freistaat gibt‘s jetzt auch in unserem brandneuen, regelmäßigen Bayern-Newsletter.

Bald Kapsel als Corona-Impfung? Mikrobiologe erklärt geplante Funktionsweise

„In einer Kapsel vor dem Angriff der Magensäure geschützt, sollen die Bakterien nach der Passage durch den Magen im Dünndarm des Menschen ihre Wirkung entfalten. Der wissenschaftliche Ansatz geht davon aus, dass die Bakterien dort die Antigene dem Immunsystem präsentieren können“, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

„Spezielle Zellen in der Darmwand sollen dafür sorgen, dass Bakterien und die Antigene von Immunzellen aufgenommen und in lymphoides Gewebe weitertransportiert werden,“ so Rudel. Diese können dort wiederum andere Zellen des Immunsystems aktivieren - sogenannte B- und T-Zellen - und eine Immunantwort in Gang setzen. Der Mikrobiologe hofft, dass die Immmunantwort im Erfolgsfall so stark ist, dass alle Schleimhäute des Menschen in Alarmbereitschaft versetzt werden, und in der Folge Coronaviren schon dort am Eindringen in den Körper gehindert werden.

Corona-Impfung per Kapsel? Zweites Antigen als „Sicherheitsanker“

Die von Rudels Team entwickelten Bakterien sollen aber nicht nur ein, sondern gleich zwei Antigene produzieren, heißt es. Aus einem einfachen Grund: Wie sich in den letzten Monaten gezeigt hat, mutiert SARS-CoV-2* häufig. Das könnte zur Folge haben, dass ein Antigen nur noch schwach wirksam ist, wenn sich das Virus verändert haben sollte. Das zweite Antigen könnte dann als eine Art „Sicherheitsanker“ dienen. Es basiert auf einem Gen, von dem sich gezeigt hat, dass es nur selten mutiert, wie es weiter heißt.

Die Impfung* hätte einige Vorteile, sollte sie es bis auf den Markt schaffen: Sie ist vergleichsweise günstig herzustellen, einfach zu verabreichen und relativ stabil auch bei normalen Temperaturen. Im Erfolgsfall wäre sie auch für den Einsatz in Ländern attraktiv, in denen eine Kühlkette schwer zu gewährleisten ist.

Corona-Impfung: Bayerns Hausärzte sollen ab Ende März impfen

„Eine Garantie gibt es nicht“ - Mikrobiologe dämpft Euphorie

Weiter heißt es in der Pressemitteilung: „Thomas Rudel und sein Team entwickeln mit finanzieller Unterstützung der Aeterna Zentaris GmbH die Impfstämme und werden präklinische Arbeiten absolvieren; nach erfolgreichem Abschluss der Präklinik würde für die nachfolgenden klinischen Tests das Pharmaunternehmen zuständig sein. Rudel ist zuversichtlich, dass die dafür nötigen Genehmigungen relativ schnell vorliegen könnten. Bereits vor ein paar Jahren hatte Aeterna Zentaris mit einem ähnlichen Verfahren an einem Impfstoff gegen Prostatakrebs gearbeitet, der kurz vor der Aufnahme klinischer Prüfungen stand und behördlich für die klinische Untersuchung abgesegnet worden war. Auf diesen Erfahrungen kann das Team jetzt aufbauen.“

Trotz aller Euphorie bremst die Universität die Erwartungen: „Eine Garantie dafür, dass schon bald eine orale Impfung gegen Covid-19 in den Apotheken liegt, gibt es nicht, warnt Rudel.“ Immerhin seien schon viele Wirkstoffe selbst in einem späten Entwicklungsstadium noch gescheitert. „Diese Risiko bestehe immer.“

„Unterstützung bei der Entwicklung des potenziellen Impfstoffs hat Thomas Rudel auch vom Servicezentrum Forschung und Technologietransfer (SFT) der Universität Würzburg erhalten. Dr. Iris Zwirner-Baier, stellvertretende Leiterin des Servicezentrums und Patentmanagerin, stand ihm bei allen Fragen rund um Patentierung und Lizensierung mit ihrer langjährigen Expertise zur Seite“, heißt es abschließend. (kam) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Bayern lesen Sie in unserem Ticker.

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa/dpa-Bildfunk

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Bayern schafft FFP2-Maskenpflicht in Bus und Bahn ab
Bayern
Bayern schafft FFP2-Maskenpflicht in Bus und Bahn ab
Bayern schafft FFP2-Maskenpflicht in Bus und Bahn ab
Corona in Bayern: Live-Daten und Zahlen aus allen Städten und Landkreisen
BAYERN
Corona in Bayern: Live-Daten und Zahlen aus allen Städten und Landkreisen
Corona in Bayern: Live-Daten und Zahlen aus allen Städten und Landkreisen
Scholz: G7-Gipfel beweist Kraft demokratischer Bündnisse
Bayern
Scholz: G7-Gipfel beweist Kraft demokratischer Bündnisse
Scholz: G7-Gipfel beweist Kraft demokratischer Bündnisse
"Dirndl Swinger": Fortsetzung der Provinz-Posse um Sex in Tracht
Bayern
"Dirndl Swinger": Fortsetzung der Provinz-Posse um Sex in Tracht
"Dirndl Swinger": Fortsetzung der Provinz-Posse um Sex in Tracht

Kommentare