Ratschläge für besorgte Eltern

„Selbsttests schaden niemandem“: Eltern-Vertreterin verteidigt Corona-Testpflicht an bayerischen Schulen

Die erweiterte Corona-Testpflicht an Schulen in Bayern sorgt teils für Unmut. Eltern-Vertreterin Henrike Paede hält sie für tragbar. Und gibt Praxis-Tipps.

München – Eine Corona*-Testpflicht an Bayerns Schulen nach den Osterferien hatte sich schon abgezeichnet. Nun also kommt sie – gegen den Widerstand vieler Eltern. Henrike Paede (66), Vizevorsitzende des Bayerischen Elternverbands (BEV), kennt deren Sorgen und Bedenken, denn jeden Tag erreichen sie viele E-Mails zu dem Thema. Im Interview erläutert sie die Bedenken und erklärt, warum sie die Entscheidung für eine Testpflicht an Schulen dennoch für tragbar und auch umsetzbar hält.

Frau Paede: Was sagen Sie zur Entscheidung für eine allgemeine Testpflicht an Bayerns Schulen?
Wir haben mehr Sicherheit in der Schule gefordert. Deswegen haben wir uns auch unter anderem für Luftfilter stark gemacht. Da können wir schlecht gegen das Testen sein. Im Grunde genommen sind wir einverstanden, dass die Sicherheit erhöht wurde. Da die Inzidenzen momentan hoch sind und wenige Klassen in der Schule, verändert sich im Großen und Ganzen vorläufig nichts.
Welche Erfahrungen haben Sie beim Bayerischen Elternverband in den letzten Wochen zum Thema Testpflicht gemacht?
Den meisten Eltern wäre es deutlich lieber, wenn das Testen zuhause gemacht werden könnte. Der Haken daran ist, dass es noch keine personalisierten Tests gibt, die das Ergebnis eindeutig der Person zuordnen können und datiert sind. Wir haben aber aus dem Kultusministerium signalisiert bekommen: Wenn solche Tests auf dem Markt sind, dann werde man das auch umstellen. Niemand ist scharf darauf, dass Tests in der Schule gemacht werden, wenn es auch zuhause geht.
Was sind die Bedenken der Eltern?
Im Moment ist die Aufregung bei den Eltern sehr groß. Sie befürchten, dass die Kinder einen Schock bekommen, wenn sie ein positives Testergebnis haben. Oder, dass das Kind dann weint. Und sie haben Bedenken, dass an den Schulen nicht sensibel genug damit umgegangen wird.
Was sagen Sie als Elternverband den besorgten Eltern?
Wir raten ihnen, dass sie ihr Kind darauf vorbereiten und ihm sagen sollen, dass das erst einmal nicht schlimm ist. Dass das Ergebnis ja auch noch einmal überprüft werden muss. Und selbst, wenn es positiv bleibt, ist es keine Schande, sich dieses Virus irgendwo eingefangen zu haben. Die Eltern sollen ruhig mit ihren Kindern sprechen. Wir versuchen auch, zu appellieren, dass Eltern die Vorteile von Selbsttests* wahrnehmen und sich nicht nur auf die Nachteile konzentrieren. Denn letztlich sind die Selbsttests ein Vorteil. Und sie schaden niemandem.
Welche praktischen Tipps geben Sie den Eltern an die Hand?
So einen Test kann man ja auch mal zuhause üben, mit einem Wattestäbchen. Wie geht das und wie weit komme ich in die Nase rein, ohne dass es wehtut? Dann hat man das schon mal gemacht. Und hinterher das Stäbchen in das Röhrchen und ausdrücken – ich denke schon, dass das jedes Kind kann. Man muss den Kleinen auch ein bisschen was zutrauen. Viele Kinder sind auch eifrig dabei – gerade die Kleinen, wenn es um so etwas Wichtiges geht, wie die Gemeinschaft zu schützen. Es ist wichtig, hier auch einmal die positiven Signale aufzufangen und weiterzugeben.
Die Tests werden nun in den Schulen durchgeführt. Wissen Sie von Aktionen an Schulen, um das Testen angenehmer zu gestalten?
Manche Schulen haben für die positiv getesteten Kinder ein sogenanntes Gummibärchen-Zimmer, wo sie auf ihre Eltern warten können. Das finde ich eine ganz süße Idee. So kann man das für die Kleinen nett machen. Außerdem wissen die Lehrkräfte ja auch Bescheid und werden die Situation mit dem richtigen Feingefühl auffangen.
Erreichen Sie auch Meinungen von Eltern, die sich nicht gegen, sondern für die Testpflicht an Schulen aussprechen?
Die melden sich nicht bei uns, denn sie sind ja zufrieden. Deshalb ist es auch ganz schwer abzuschätzen, wer ist zufrieden und wer nicht. 
Was raten Sie Eltern, die ihre Kinder bewusst von einem Selbsttest an Schulen fernhalten wollen?
Das ist ein ganz schwieriges Thema. Da ist man fast machtlos und die Leute wollen sich oft auch gar nicht überzeugen lassen.
Ohne einen Test muss man in den Distanzunterricht gehen ...
Genau. Soweit Wechselunterricht stattfindet, ist ja eh eine Gruppe immer im Distanz-unterricht. Wenn allerdings ausschließlich Präsenzunterricht ist, dann wird es schwierig. Denn dann haben diese Kinder keinen Anspruch mehr auf Distanzunterricht. Ich denke, da lässt sich aber auch eine Lösung mit der Schule finden. Für die Kinder ist es aber bestimmt nicht angenehm, vom Unterricht fernzubleiben.

Das Interview führte Lisa Fischer. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Bayern lesen Sie in unserem News-Ticker.

Rubriklistenbild: © dpa/privat/dpa-zentralbild

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