Zu Pfingsten

Riesen-Ansturm auf Berge und Seen? Im Allgäu hagelte es am langen Wochenende Strafzettel

Rappelvoller Badeplatz: Am Wörthsee ist an schönen Tage immer die Hölle los, sagen die Einheimischen.
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Rappelvoller Badeplatz: Am Wörthsee ist an schönen Tage immer die Hölle los, sagen die Einheimischen.

Corona-Krise: Für Pfingsten wurde ein Riesen-Ansturm auf bayerische Berge und See befürchtet. Nun wurde ein erstes Fazit gezogen.

  • Wegen den gelockerten Corona*-Beschränkungen droht ein Ansturm an den Badeseen und Bergen.
  • An Pfingstsonntag wurde nun ein erstes Fazit gezogen.
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Update, 31. Mai: Corona-Pfingsten lässt Urlauber und Ausflügler in Bayern weiter zaudern. Nach einem schwachen Start am Samstag zog es die Menschen auch am Sonntag nur sehr zögerlich an die Seen und in die Berge Bayerns. Bereits am Vortag gab es zum Start in die Ferien praktisch kaum Ausflugsverkehr. Am Sonntag konnten sich die Betreiber von Gastronomie, Seil- und Bergbahnen sowie von Parkplätzen am Sonntag zumindest etwas mehr freuen - auch wenn von einem Ansturm nicht die Rede sein konnte.

Seit Samstag dürfen Hotels und andere Beherbergungsbetriebe in Bayern auch wieder touristische Übernachtungen anbieten, ebenso nahmen die Seenschifffahrt und die Seilbahnen ihren Betrieb wieder auf. Für das Wochenende war erwartet worden, dass die Menschen nach den wochenlangen Corona-Beschränkungen zu den Ausflugszielen strömen werden.

Coronavirus in Bayern: Falschparker am Pfingstwochenende - es hagelt Strafzettel

Nach einem kühlen Beginn am Samstag machen zumindest die Wetteraussichten Hoffnung: In der kommenden Woche wird der Frühsommer erwartet. Einen Vorgeschmack konnte das Allgäu am Sonntag verzeichnen. In Oberstdorf waren bei bestem Wanderwetter schon viele Parkplätze belegt. Einige Ausflügler wichen auf andere freie Flächen aus, die allerdings nicht zum Parken geeignet waren. Es hagelte Strafzettel.

Rund um den Chiemsee war dagegen auch am heutigen Sonntag nichts von einem Ansturm zu spüren. „Wir haben ja auch kein Badewetter“, sagte ein Sprecher der dortigen Tourismusbranche. Besucher genossen zwar die Außengastronomie, ansonsten aber blieb es sehr ruhig. „Es war eben ein normaler Tag“, sagte der Sprecher. Überschaubar auch das Besucheraufkommen im Berchtesgadener Land: Parkplätze waren zum Teil nicht mal halbvoll.

Coronavirus in Bayern - Erstes Fazit am Pfingstwochenende: „Der große Ansturm blieb aus“

Noch viel Luft nach oben gibt es auch bei der Bayerischen Zugspitzbahn in Garmisch-Partenkirchen. Nach einem sehr mäßigen Beginn am Samstag trauten sich am Pfingstsonntag immerhin 700 Menschen auf Deutschlands höchsten Berg (2962 Meter). Bei leichtem Frost und Wolken war es dort nicht besonders gemütlich. „Der große Ansturm blieb aus“, resümierte der Betreiber, der die Kapazität auch unter den Corona-Einschränkungen bei etwa 2500 Besuchern pro Tag sieht. An einem guten Besuchertag - ohne Einschränkungen - zieht es fast 5000 Menschen auf die Zugspitze.

Auf den Straßen Bayerns war es ausgesprochen ruhig. Das teilte die Polizei Oberbayern mit. Die Deutsche Bahn hatte zu Pfingsten ihr Angebot an Fernzügen in die Urlaubsregionen in Südbayern wieder hochgefahren. Aus Nord- und Westdeutschland verkehrten wieder Züge Richtung Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen und Berchtesgaden.

Riesen-Ansturm auf Berge und Seen: Polizei befürchtet erneutes Chaos mitten in Corona-Pandemie - und warnt

Update, 29. Mai: Mit Blick auf das kommende Pfingstwochenende warnt die Polizei nun noch einmal eindringlich alle Ausflügler, sich an die geltenden Regeln und Gesetze zu halten. 

Pfingst-Ausflüge an Seen und Berge in Corona-Pandemie: Polizei warnt Anreisende

Die Mitteilung des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd im Wortlaut: „...weist die Polizei noch einmal eindringlich darauf hin, dass auch am kommenden Wochenende und an den folgenden Tagen der beginnenden Pfingstferien die Einhaltung der Parkordnung und das Freihalten der Rettungswege in den Ausflugsregionen verstärkt kontrolliert werden. Die örtlichen Dienststellen des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd werden hierbei von Einsatzkräften der Operativen Ergänzungsdienste, von der Kontrollgruppe Motorrad sowie Einheiten der Bayerischen Bereitschaftspolizei unterstützt. Festgestellte Verstöße werden konsequent geahndet. Dies kann von einem Bußgeld bis hin zur Abschleppung des Fahrzeugs oder einer Ordnungswidrigkeitenanzeige führen.“

Wörthsee: So voll, dass es gefährlich wird - Ansturm nach Corona-Lockerungen?

Bisweilen nimmt die Verzweiflung skurrile Züge an: „Bei mir haben schon ein paar Mal Leute geklingelt und gefragt, ob sie vor meiner Garage parken dürfen“, sagt eine Anwohnerin. Parkplätze sind am Wörthsee ein kostbares Gut. Zwischen zehn und elf Uhr ist hier meist alles dicht. Die Folge: zugeparkte Rettungswege, Einfahrten oder Wiesen – und genervte Anwohner. Die Frau mit der beliebten Garageneinfahrt sagt: „Wenn es schön ist, ist hier einfach die Hölle los.“ Sie geht an schönen Sonntagen nicht mehr auf ihre Terrasse, weil „der Verkehr einfach nicht auszuhalten ist“.

Bürgermeisterin Christel Muggenthal (l.) hat Verständnis für die Ausflügler, mahnt aber zu angemessenem Verhalten.

Am ohnehin überfüllten See rechnet man heuer mit einem größeren Ansturm. „Es werden sicher mehr Gäste werden“, sagt Bürgermeisterin Christel Muggenthal – und zeigt zugleich Verständnis: „Die Leute wollen ja raus.“ Schon an den letzten schönen Tagen habe sich gezeigt, dass sehr viele Fußgänger und Radler auf den teils sehr engen Wegen am See unterwegs waren. „Da gab es brenzlige Situationen – auch, was den Abstand angeht.“

Manchmal ist es am Wörthsee so voll, dass es gefährlich wird. Im vergangenen Jahr hatte sich ein Mann auf der Walchstadter Seite des Sees mit einer Motorsäge ins Bein geschnitten. Für den Notarzt: kein Durchkommen. Sämtliche Straßen zugeparkt. „Die Erstversorgung musste dann die Wasserwacht übernehmen, die über den See kam“, sagt Muggenthal: „Da war für uns ein Punkt erreicht, an dem wir handeln mussten.“

Andere sorgen sich auch um die Sicherheit ihrer Kinder: „An heißen Tagen, vor allem am Wochenende, kann man in der Seestraße keine Kinder mehr radeln lassen. Die Straße ist zu eng, die Autofahrer weichen auf den Bürgersteig aus“, sagt eine Mutter. Dazu komme, dass viel Ausflügler „ihren halben Hausstand“ an den See schleppten.

Der überfüllte Parkplatz am Vatertag.

Andere am Ort leben aber auch von den Gästen. Wirte, Pensionsbetreiber, Bootsverleiher. Und sie brauchen den Umsatz – gerade nach der Corona-Zwangspause. Till Weiß, Pächter des „Augustiner am Wörthsee“, blickt einem möglichen Ansturm noch gelassen entgegen. Statt 720 Plätzen hat er jetzt nur noch 280. „Mehr können einfach nicht rein.“ Seine Beobachtung: „Bisher sind die Leute sowieso noch recht verhalten. Wer Risikogruppe ist, hält sich mit dem Wirtshausbesuch noch zurück.“
Claudia Muschiol 

Ausflugsparadies Walchensee: Müll, Wildparker und Stau - Ansturm an Pfingsten?

Thomas Holz ist viel gewohnt. Er ist CSU-Bürgermeister von Kochel am See, zu seiner Gemeinde gehört auch der Walchensee. Seine Region ist schon lange ein Ausflugsparadies – vorausgesetzt, man findet einen Parkplatz. Aber jetzt ist offenbar eine Grenze erreicht. „Am Sonntag vor einer Woche war es kurz vor der Katastrophe“, sagt Holz. „Die ganze Gemeinde war zugeparkt, wie wir es noch nicht erlebt haben.“

„Kurz vor der Katastrophe“: Bürgermeister Thomas Holz am Walchensee.

Für Pfingsten rechnet er mit ähnlichen Zuständen: „Private Hofeinfahrten waren zugeparkt“, sagt er, „und es gab Autos, die wurden direkt unter ein Rettungsweg-Schild gestellt. Das ist für uns alarmierend. Da sind dann Menschenleben in Gefahr. Es war reines Glück, dass nichts passiert ist, sonst hätte man nur mit dem Hubschrauber retten können.“

Die Menschen lechzen nach Natur, geradenach dem Ende der Ausgangsbeschränkungen sind die Berge und Seen vielerorts voll. Am Samstag, 9 Uhr, öffnet auch die Herzogstandbahn mit der Talstation direkt am Walchensee wieder. Das dürfte den Ansturm zusätzlich steigern. „Jeder ist bei uns willkommen, das will ich klarstellen“, sagt der Bürgermeister, „aber jeder soll sich doch bitte an die Regeln der Straßenverkehrsordnung, des Anstands und des Naturschutzes halten.“ Die Wirtshäuser sind weiterhin nur beschränkt geöffnet, deswegen nehmen mehr Ausflügler als sonst Brotzeit mit. „Aber nicht wie früher eine Semmel in der Tupperdose. Was wir an Würstlplastik und Gummibärchen-Tüten gefunden haben – Wahnsinn!“, sagt Holz. Vieles wird achtlos weggeworfen. Der Bauhof ist zuletzt Sonderschichten gefahren, um alles aufzusammeln.

An Pfingsten soll die kommunale Verkehrsüberwachung Überstunden machen und auch die Polizei wird verstärkt Streife fahren. Das wird den Ansturm nicht stoppen, aber vielleicht das Schlimmste verhindern.
Stefan Sessler

Samerberg: „Kimmt’s unter der Woche“ - Hochbetrieb an Pfingsten?

„Überall dasselbe Problem“, sagt Georg Huber, Bürgermeister von Samerberg.

Die Gemeinde Samerberg im Kreis Rosenheim nennt sich selbst das Wanderparadies. Aber wo Paradies draufsteht, da sind Probleme nicht weit. Da weiß jeder, der die Bibel kennt oder die Wanderparkplätze, von denen die Ausflügler am Wochenende Richtung Hochries, Dandlbergalm oder Heuberg aufbrechen. „Tatsächlich trifft die Blechlawine an den schönen Ausflugswochenenden unsere Anlieger sehr schwer“, sagt Bürgermeister Georg Huber. „Das Alpenvorland hat ja überall dasselbe Problem. Am besten wäre, wenn die Münchner mit der Bahn und mit dem Wanderbus zu uns kommen. Es gibt super Umsteigemöglichkeiten in Rosenheim.“

Aber so eine Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist vielen zu kompliziert. Das weiß auch der Bürgermeister. „Die Paradelösung gibt es nicht“, sagt er. Und nennt sie dann doch. „Die Paradelösung wäre, dass es außerhalb der Gemeinde einen riesigen Park & Ride-Parkplatz gäbe, wo 1000 Autos parken können und ein Shuttle die Menschen dann zu unseren Wanderwegen bringt. Das wäre der Königsweg.“ Aber das ist, wenn überhaupt, Zukunftsmusik.

Für Pfingsten rechnet Huber wieder mit Hochbetrieb – aber er hat einen Tipp, wie man schlechte Laune bei der Parkplatzsuche am Pfingstsonntag vermeiden kann. „Liebe Leute“, sagt der Rathauschef, „kimmt’s doch einfach unter der Woche. Da sind 80, 90 Prozent der Parkplätze frei.“

Stefan Sessler

Tegernseer Tal: Corona ist für viele abgehakt - Wetterprognose für Pfingsten gut

Die Wetterprognosen für Pfingsten sind gut, und Rottachs Bürgermeister Christian Köck weiß, was das fürs Tegernseer Tal bedeutet: Die Ausflügler kommen. „Jeder will jetzt raus, das ist auch verständlich.“ Weniger gut versteht Köck die Neigung der Gäste, ungeniert in Wiesen zu parken und Pizzakartons in der Idylle zurückzulassen. So wie zuletzt am Vatertag, als sich an der schmalen Straße im idyllischen Suttengebiet Auto an Auto reihte und teils kein Durchkommen mehr war. „Eine Steigerung ist eigentlich gar nicht mehr möglich“, meint Köck. Nachdem – anders als an Christi Himmelfahrt – jetzt auch die Wirte wieder geöffnet haben, dürfte der Zulauf aber kaum geringer sein.

Neu ist der Ansturm fürs Tegernseer Tal nicht. Vor allem im goldenen Herbst, zur Wanderzeit, schwappen seit jeher Massen von Tagesausflüglern ins Tal mit seinen schmalen Straßen zwischen Bergen und See. Corona hatte kurz Ruhe gebracht, jetzt ist der Ansturm mit neuer Wucht wieder da. „Für viele ist das Thema Corona offenbar abgehakt“, sagt der Bürgermeister. Ihm erscheine das sorglose Verhalten allerdings „zu sportlich und noch nicht angebracht“.

Christina Jachert-Maier

Starnberger See: Corona-Krise in Bayern - mehr Polizei, mehr Kontrollen

Am Starnberger See rechnet man mit einem Ansturm vor allem von Auswärtigen – das kennt man an der Badewanne Münchens, weil es in jedem Sommer so ist. Wegen der Corona-Krise wird allerdings mit einer nochmals höheren Zahl an Ausflüglern gerechnet. Die Polizei Starnberg hat schon Verstärkung angefordert, die vor allem an den Wochenenden in den Pfingstferien sowohl den Verkehr als auch die Einhaltung der Infektionsschutzbestimmungen streng überwachen wird – an Land und auf dem Wasser. Falschparker, insbesondere in Rettungswegen, sollen sofort abgeschleppt werden.

Die Retter von DLRG und Wasserwacht rüsten sich für ein erhöhtes Einsatzaufkommen. Hauptattraktion auf dem Starnberger und dem Ammersee ist die Seenschifffahrt, die am Samstag mit kurzen Rundfahrten starten will. Details sind noch nicht bekannt.

Kann man sich in Freibädern und Badeseen* mit dem Coronavirus anstecken? Der Frage ging jetzt ein Professor der Ludwig-Maximilian-Universität nach. 

Coronavirus: DLRG befürchtet Ansturm auf Badeseen - „Wir wollen nicht ein neues Ischgl werden

Corona in Bayern: Wegen der Pandemie wurde die Polizeischüler-Ausbildung verkürzt, der Vizepräsident der bayerischen Bereitschaftspolizei warnt nun vor Ausbildungsdefiziten.

Die Bergwacht Berchtesgaden war am Pfingstwochenende mehrmals gefordert: Am Hohen Göll steckten Wanderer aufgrund von Schneefeldern und Nebel fest - nicht nur einmal.

Eine Blechlawine Erholungssuchender verstopfte am Brückentag nach Fronleichnam die Straßen im Landkreis Miesbach - auch Busse kamen nicht mehr durch. Teilweise muss die Polizei eingreifen.

Ein Tag am Badesee endete für einen 14-Jährigen aus Raubling in Bayern tragisch: Er verlor bei einem Unfall den Arm. Was aus ihm geworden ist, ist ein kleines Wunder.

*Merkur.de ist ein Angebot des bundesweiten Ippen Digital Redaktionsnetzwerks

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