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Landwirte gehen auf die Barrikaden: Wolf-Angriffe nehmen zu - Bauern planen Großdemo in München

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Von: Dominik Göttler

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Bayerns Bauernverband fordert auf einer Großdemo in München eine Reduzierung des Wolfsbestands zum Schutz der Weidetiere. Auch Naturschützer sehen Handlungsbedarf.

München – Es ist noch nicht lange her, dass sich hunderte Bauern auf dem Münchner Odeonsplatz versammelten. 2019 war das. Organisiert von der Protestbewegung „Land schafft Verbindung“ demonstrierten Landwirte für mehr Wertschätzung ihres Berufs und gegen die damalige Agrarpolitik. An diesem Samstag gehen die Bauern wieder auf die Straße. „Wir erwarten zwischen 1500 und 2000 Teilnehmer“, sagt Philip Bust, Jagdreferent beim Bayerischen Bauernverband, über den Demonstrationsmarsch am Vormittag, der mittags mit einer Großkundgebung am Odeonsplatz in München* enden soll.

Grund des Protests ist die Ausbreitung des Wolfes*. „Alle zwei Jahre verdoppelt sich der Wolfsbestand in Deutschland“, sagt Bust. Und damit steige auch die Zahl der Wolfsrisse. Rund 4000 Nutztiere wurden im vergangenen Monitoringjahr bei knapp 1000 Angriffen von Wölfen getötet. „So geht es nicht weiter“, sagt er. Das Bimmeln der Kuhglocken könne schon bald verschwinden – mit dieser Warnung geht der Bauernverband auf die Straße, gemeinsam mit Partnerorganisationen aus ganz Deutschland, Österreich und Südtirol.

Der Bauernverband fordert eine Herabsetzung des Schutzstatus

Bei der Kundgebung wollen die Bauern einen Appell an die künftige Bundesregierung richten: „Wir benötigen eine Herabsetzung des Schutzstatus‘“, sagt Bust. Das lässt sich nur auf EU-Ebene erreichen, doch die Bauern erhoffen sich einen Impuls aus Berlin. Denn bislang ist der Wolf über eine sogenannte FFH-Richtlinie streng geschützt – er darf nur geschossen werden, wenn er etwa einen Weideschutzzaun überwunden und Nutztiere gerissen hat. Geht es nach den Bauern, sollte der Wolf von der strengen Schutzgruppe in Anhang IV der Richtlinie in Anhang V eingestuft werden – und damit der Gams oder dem Alpensteinbock gleichgestellt werden. Dies würde ein Bestandsmanagement, also eine gezielte Bejagung, ermöglichen.

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Bund Naturschutz fordert Hunde, Zäune und Hirten statt Bejagung

Doch für diese Einstufung muss der Wolf einen „günstigen Erhaltungszustand“ erreicht haben. „Dabei kommt es nicht nur auf die Anzahl der Tiere an“, betont Uwe Friedel, Wolfsexperte beim Bund Naturschutz in Bayern. „Entscheidend ist auch, ob alle geeigneten Lebensräume besiedelt sind.“ Friedel hält ein Bestandsmanagement aber grundsätzlich nicht für zielführend, um Wolfsrisse zu verhindern. „Wenn man einzelne Wölfe aus einem Bestand entnimmt, werden sich die anderen trotzdem noch Beute suchen.“

Friedel betont, er könne verstehen, dass die Weidehalter auf ihre Sorgen aufmerksam machen. „Aber die Lösung liegt im Herdenschutz.“ Elektrozäune, Herdenschutzhunde, Behirtung – mit diesen Maßnahmen müssten die Weidetiere geschützt werden. Selbst in weiten Teilen der Almgebiete sei das möglich, wenn auch schwierig. Doch dabei müsse die Staatsregierung noch besser unterstützen. Etwa, indem sie die Kosten für diese Herdenschutzmaßnahmen in ganz Bayern übernimmt und nicht nur in Gebieten, in denen schon Wölfe nachgewiesen wurden. Außerdem müssten auch die laufenden Kosten für Zaunpflege und Hundehaltung gefördert werden. Und neben dem Schutz vor dem Wolf müsse die Politik dafür sorgen, dass die Weidehaltung insgesamt konkurrenzfähig bleibe. Zumindest in diesem Punkt dürften sich die Naturschützer mit den Demonstranten an diesem Samstag einig sein. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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