Notfall-Statistik

Deutscher Alpenverein: Weniger Bergtote,mehr Rettungen

Bergretter am Hubschrauber
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Bergretter am Hubschrauber

30 Alpenvereinsmitglieder sind im vergangenen Jahr bei Bergunfällen gestorben – so wenige wie noch nie. Doch die Statistik zeigt auch: Immer mehr Menschen müssen aus Notlagen gerettet werden.

München – Gute Nachrichten vom Deutschen Alpenverein: Im vergangenen Jahr sind so wenige Mitglieder wie noch nie seit Aufzeichnung der Daten bei Bergsportunfällen gestorben. 30 DAV-Mitglieder sind 2016 tödlich verunglückt. 

Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es noch 43. Insgesamt waren im vergangenen Jahr 1182 DAV-Mitglieder von Unfällen und Notfällen betroffen – ein Anteil von rund 0,1 Prozent. „Rechnet man die Mitgliedschaftszuwächse ein, bleibt das individuelle Unfallrisiko im Vergleich zu den Vorjahren konstant auf sehr niedrigem Niveau“, erklärt Florian Hellberg von der Sicherheitsforschung beim Deutschen Alpenverein.

Die Zahl der Unfälle und Notfälle insgesamt steigt hingegen seit Jahren. Das liegt laut Hellberg vor allem an den sogenannten Blockierungen. „Blockierungen sind Situationen, aus denen sich die Bergsportlerinnen und Bergsportler nicht mehr selbst befreien können und auf die Bergrettung angewiesen sind – obwohl sie keine Verletzungen haben“, sagt Hellberg. Solche Notlagen kämen besonders häufig bei Klettersteigen vor. „Wenig geübte Klettersteiggeher muten sich oftmals zu schwierige Touren zu.“

Die Statistik erfasst nur die Unfallzahlen der Alpenvereins-Mitglieder, die an die Versicherung gemeldet werden. Dabei ist irrelevant, wo die Unfälle passiert sind. Weil die Statistik aber sehr umfangreich ist und schon seit vielen Jahrzehnten erhoben wird, lasse sich auch eine Tendenz für den gesamten Bergsport daraus ablesen, heißt es beim DAV. Eine eigene Statistik führt etwa das Polizeipräsidium Oberbayern Süd. In ihrem Zuständigkeitsbereich, der einen Großteil der bayerischen Alpen umfasst, sind in diesem Jahr bislang 26 Bergtote dokumentiert. Allerdings zählen dazu nicht nur Unfalltote, sondern auch Menschen, die am Berg eines natürlichen Todes sterben – wie zuletzt ein 52-jähriger Wanderer aus Baden-Württemberg, der am Freitag am Fockenstein im Kreis Miesbach leblos aufgefunden wurde.

Die meisten tödlichen Unfall in den Bergen passieren beim Wandern

Der Alpenverein schlüsselt die Zahlen auch nach der jeweiligen Betätigung auf. Die meisten tödlichen Unfälle sind demnach beim Wandern passiert (15). Danach folgen Klettern (6) und Bergsteigen (4). Beim Klettern ist auffällig, dass im Freien deutlich mehr passiert als im Indoorbereich. In Kletterhallen sind seit der Jahrtausendwende drei DAV-Mitglieder gestorben – bei allen war der Knoten am Gurt der Kletternden nicht richtig geknüpft. 

Beim Skitourengehen verzeichnet der DAV im vergangenen Jahr drei tödliche Unfälle, beim Pistenskilauf einen. Beim Mountainbiken gab es keine Toten – und auch die Zahl der Unfälle ist im Vergleich zu den anderen Betätigungen sehr niedrig.

Besonders oft müssen die Bergretter in den Ferien- und Urlaubszeiten ausrücken. Im vergangenen Jahr waren der März und der August die Monate mit der höchsten Unfallquote. Für die anstehende Herbstsaison hat Hellberg noch einen Appell: „Verlasst euch nicht darauf, im Zweifel gerettet zu werden. Der wirksamste Schutz vor schweren Bergunfällen sind eine gute Tourenplanung und ausreichende Reserven – sowohl zeitlich als auch körperlich.“

Binnen weniger Tage sind Anfang August am Waxenstein in den Garmisch-Partenkirchener Alpen zwei Bergsteiger gestorben. Beide verunglückten nahezu an derselben Stelle. Die Bergwacht spricht von tragischem Zufall und mahnt Bergsteiger auf der schweren Route zu besonderer Vorsicht.

Ein tragischer Bergunfall hat sich auch im Höllental ereignet. Eine Touristin (39) stürzte vor den Augen ihres Ehemanns 200 Meter tief ab.

In Achenkirch in Tirol kam es am Mittwoch (15. Januar) zu einem tödlichen Rodelunfall. Ein Deutscher (20) kam von der Bahn ab und prallte gegen einen Baum.

Von Dominik Göttler

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