Mitten in einem Erdbeerfeld

Hier stecken die Fassl-Diebe fest 

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Das Polizeifoto zeigt den bei der Tatbegehung am 27. Mai 2012 mit leeren Bierfässern beladenen Diebstahls-Lkw der Bande in einem Erdbeerfeld neben einem Außenlager einer Brauerei in Donaueschingen/ Schwarzwald-Baar-Kreis.

Donaueschingen - Sie kamen in der Nacht, mit dem Lastwagen und klauten tausende Bierfässer aus Aluminium – jetzt hat die Polizei die Fassl-Diebe erwischt. Die fünfköpfige Bande aus der Ukraine war in ganz Deutschland aktiv.

Bierdurst war wahrscheinlich nicht der Grund, warum diese Bande eine Brauerei nach der anderen ausgeräumt hat – in mindestens elf Fällen haben fünf Ukrainer Edelstahlfässer geklaut. Gesamtschaden: 500 000 Euro. Bayern traf es am schlimmsten.

Vom Gelände der Klosterbrauerei in Andechs (Landkreis Starnberg) klauten die Diebe im April gleich 740 Fässer auf einmal. Wert: 58 000 Euro. Wenig später schlugen sie in Maxlrain bei Tuntenhausen im Kreis Rosenheim zu. Beute 650 Fässer, Wert 21 000 Euro. In Freising-Weihenstephan stahlen die Diebe in einer Mai-Nacht 576 Fässer im Wert von 30 000 Euro. Vom Firmengelände der Paulaner-Brauerei in München verschwanden mehr als 400 leere Alu-Bierfässer. Einen weiteren Fall gab es in Kulmbach.

Die Täter schlugen meist nachts zu, im Schutz der Dunkelheit verluden sie offenbar stundenlang die Paletten. In Weihenstephan zum Beispiel schnitten sie einfach ein Loch in den mannshohen Zaun – direkt dahinter standen die leeren Fassl. Die Überwachungskamera zeichnete nichts auf, sie war direkt auf das Brauereigebäude gerichtet, nicht auf den Hof. Und es gab keine Zeugen: „Solche Tätigkeiten auf einem Firmengelände werden halt auch nachts nicht als ungewöhnlich angesehen“, versuchte ein Sprecher der Polizei unmittelbar nach der Häufung der Fälle in Bayern zu erklären. Die Brauereien erhöhten die Sicherheitsvorkehrungen, die Beamten suchten vergeblich nach der heißen Spur. Auch die Kriminalpolizisten, die bald übernahmen, tappten im Dunkeln. Nicht einmal die Beute tauchte irgendwo auf – vermutet wurde, dass die Aluminium-Fässer im benachbarten Ausland zu Geld gemacht wurden. Beim Polizeipräsidium Oberbayern Nord sprach man sogar von einem „neuen Kriminalitätsphänomen“, hinter der ein hoher Grad an Organisation stecken müsse. Weil aber auch im Rest Deutschlands immer mehr Fälle gemeldet wurden, arbeiteten die Ermittler schließlich enger zusammen. Und Ende Mai machte die mysteriöse Bierfass-Bande einen verhängnisvollen Fehler.

Im Zuständigkeitsbereich der Polizei Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg) räumte die Bande mal wieder ein Brauereigelände ab. Mit dem schwer beladenen Lastwagen versuchten sie im Anschluss, über ein Erdbeerfeld wegzufahren. Doch der Boden war zu weich – die Diebe blieben stecken und flüchteten ohne ihr Gefährt.

Die Beamten ermittelten und tauschten sich mit Kollegen in anderen Bundesländern aus. So fanden die Polizisten heraus, wann die Bande wieder zuschlagen wird – und zwar am vergangenen Freitag in einer Brauerei in Sachsen-Anhalt. Am Tatort wurden drei Verdächtige im Alter zwischen 21 und 44 Jahren festgenommen. Den 47-jährigen Kopf der Bande fassten die Ermittler in unmittelbarer Nähe, einen 32 Jahre alten Komplizen in einer Wohnung in Brandenburg. Dort sollen die Ukrainer auch gewohnt haben. Sie werden sich wegen banden- und gewerbsmäßigen Diebstahls verantworten müssen. Motivation der Täter war sicher der Metall-Preis, der derzeit sehr hoch ist. Der Verbleib der Fässer ist indes unklar.

Carina Lechner und David Libossek

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