Domkapitular Lorenz Wolf

Priester neuer Chef des BR-Rundfunkrates

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Domkapitular Lorenz Wolf wird neuer Chef des BR-Rundfunkrates.

München - Er will den Bayerischen Rundfunk nicht katholisch machen, sagt der neue Vorsitzende des Rundfunkrats. Dabei könnte es für ihn verlockend sein. Denn Lorenz Wolf ist katholischer Priester und einer der engsten Mitarbeiter von Kardinal Marx.

Katholische Priester sollen sich aus politischen Ämtern heraushalten - zumindest aus parteipolitischen. Eine Karriere, wie sie der einstige evangelische Pastor und heutige Bundespräsident Joachim Gauck hinlegte, ist für einen katholischen Geistlichen kaum denkbar. Ein leitender Priester des Erzbistums München-Freising übernimmt nun aber eine politische Aufgabe. Domkapitular Lorenz Wolf ist neuer Chef des Rundfunkrates beim Bayerischen Rundfunk (BR) und damit Oberaufseher des ARD-Senders mit fast 5000 Mitarbeitern.

Der 58-Jährige hat als Leiter des Katholischen Büros Bayern schon seit 2009 enge Kontakte zur Politik. Er vertritt die bayerischen Bistümer beim Landtag und bei der Staatsregierung sowie seit 2010 auch im Rundfunkrat. Wolf tut dies nahezu geräuschlos. Markige Worte zu politischen Streitthemen sucht man von ihm vergebens. Er meidet das Rampenlicht. Wenn er bei den Pressekonferenzen nach den Treffen der bayerischen Bischöfe neben dem Münchner Kardinal Reinhard Marx sitzt, schweigt er.

Ein Aufgabenschwerpunkt seiner neuen Aufgabe wird die Begleitung des BR beim Umbau zur Trimedialität sein. So werden etwa die Nachrichtenredaktionen von Hörfunk, Fernsehen und online zusammengeführt. „Dies ist auch mit baulichen Veränderungen verbunden“, erläutert Wolf im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Auch wichtige Personalentscheidungen des BR wie die Ernennung von Direktoren oder des Chefredakteurs müssen vorbereitet sein.

„Ich bin nicht Lobbyist, sondern Gesandter der katholischen Kirche“, sagt der neue Vorsitzende des Rundfunkrates über seine besondere Rolle. „Wenn Sie mich jetzt fragen, ob ich den BR katholisch mache, muss ich das verneinen.“ Dass er als geweihter Priester nun ein gewissermaßen politisches Amt hat, hält er für unproblematisch: „Es ist ja gerade ein nicht parteipolitisches Amt, sondern eine überparteiliche Aufgabe.“ Im Rundfunkrat sitzen 47 Vertreter von politischen, weltanschaulichen und gesellschaftlichen Gruppen, die den Sender beaufsichtigen.

Wolf stammt aus dem kleinen Ort Edersberg nahe Pfaffenhofen a.d. Ilm. Nach dem Abitur studierte er Jura und Theologie. 1982 wurde er in Freising zum Priester geweiht und sammelte dann als Kaplan in Garmisch-Partenkirchen Erfahrungen in der Seelsorge. Später war er Subregens des Priesterseminars in München und vertiefte seine Studien auf dem Gebiet des Kirchenrechts.

1989 wurde er Vizechef des Kirchengerichts im Erzbistum München und Freising. Zwischen 1995 und 1997 studierte Wolf an der Päpstlichen Lateranuniversität in Rom. Seine Doktorarbeit handelt von Denkmalschutz und Denkmalpflege im kirchlichen Recht. Zurück in München wurde er als sogenannter Offizial Leiter des Referats Kirchenrecht in seiner Heimatdiözese. Seit 1998 gehört er als Domkapitular dem engsten Beratergremium des Erzbischofs an. Täglich liest er in der Münchner Dreifaltigkeitskirche die Morgenmesse. In der Freizeit geht er wandern oder unternimmt leichte Bergtouren.

In seinem Bistum leitet Wolf das kirchliche Gericht, das für das Kanonische Recht zuständig ist. Damit entscheidet er auch über die Annullierungen von Ehen katholisch verheirateter Paare. Wolf und seine Mitarbeiter müssen auf Antrag prüfen, ob der Bund fürs Leben gültig zustande gekommen ist. Wenn nicht, gilt die Ehe als nie geschlossen. Kürzlich sagte Wolf in einem Interview über seine Aufgabe: „Wir waschen keine schmutzige Wäsche.“

dpa

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