Doppelmordprozess: Lebenslange Haft?

Schweinfurt - Im Prozess um einen grausamen Doppelmord hat die Staatsanwaltschaft am Freitag in Schweinfurt eine lebenslange Freiheitsstrafe verlangt. Doch noch fehlen handfeste Beweise.

Einen mutmaßlichen Doppelmörder aus Schweinfurt will die Staatsanwaltschaft lebenslang ins Gefängnis schicken. Allerdings gibt es keine handfesten Beweise, dass der angeklagte Bauunternehmer wirklich seinen Onkel und dessen Schwägerin kaltblütig erschossen hat. Die Opfer waren ein Liebespaar. Die Verteidigung fasste es am Freitag vor dem Landgericht Schweinfurt zusammen: “Diese Indizienkette hat Lücken, diese Indizienkette hat Mängel.“ Daher sei ihr 30 Jahre alter Mandant freizusprechen. Ob die Kammer am nächsten Verhandlungstag (17. Februar) ihr Urteil verkünden wird, ist unklar.

Der Prozess zieht sich seit vergangenem August hin, 51 Zeugen und 12 Sachverständige wurden gehört. Mehr als 3400 Seiten umfassen die Akten zu dem Fall, der vor allem wegen des ungeklärten Todeszeitpunktes der Opfer knifflig ist. Oberstaatsanwalt Rainer Gündert sagte in seinem Plädoyer, das Verfahren zähle zu den schwierigsten und anspruchsvollsten, die es in Schweinfurt in der letzten Zeit gegeben habe.

Weil der Tatzeitpunkt strittig ist, stellte die Verteidigung einen sogenannten Hilfsbeweisantrag. Gibt das Gericht dem Antrag nächste Woche statt, wird nachermittelt. Ein Urteil würde damit weiter in die Ferne rücken.

“Wir haben weder einen Tatzeugen (...) noch ein objektives Beweismittel“, sagte Gündert. Klar sei nur: “Sie wurden beide auf dem Parkplatz des Eissportzentrums mit jeweils drei Kopfschüssen regelrecht hingerichtet. Die Schüsse wurden aus nächster Nähe abgegeben.“ Die Pistole ist bis heute verschwunden.

Der Tatzeitpunkt konnte nicht zweifelsfrei ermittelt werden. Zwar ist das Handy des Angeklagten in der Tatnacht vom 10. zum 11. August 2009 in der Nähe des Sportzentrums registriert worden. Aber dies ist laut Verteidigung kein Beweis, dass der Unternehmer ein Mörder ist.

Der Angeklagte hatte Monate vor dem Verbrechen versucht, sich eine Waffe zu besorgen. Auch deshalb ist der Oberstaatsanwalt von seiner Schuld überzeugt. “Ein Tatverdacht gegen Dritte ist auszuschließen.“ Als Motiv vermutet Gündert verletzte Familienehre. Der Angeklagte, sein verheirateter Onkel (35) und die ledige 30-jährige Frau stammen aus dem Irak. “Im muslimischen Glauben ist das Verhältnis mit der Schwägerin eine ganz schlimme Geschichte. Das bedeutet eine Ehrverletzung der Familie.“

Die Verteidigung sieht das völlig anders. Ihrer Ansicht nach ist nur ein Auftragskiller zu einer solch brutalen Tat fähig. “Man muss eine gewissen Routiniertheit haben, so etwas zu tun“, sagte Anwalt Norman Jacob. Sein Mandant werde vielfach als ausgeglichen beschrieben und habe keine Erfahrung mit Pistolen. Jacob ist überzeugt, dass die Opfer später erschossen wurden, als die Anklage glaubt. Und für diese spätere Tatzeit habe der Angeklagte ein Alibi.

Die Verteidigung bemängelte am Freitag auch die Polizeiarbeit. Es sei nicht alles getan worden, um auch andere mögliche Täter ins Visier zu nehmen, etwa den Ex-Mann der toten Frau. “Der hat sicher ein konstruierbares Motiv“, sagte Jacob. Ein in Tatortnähe geparktes blaues Auto hätten die Ermittler zunächst sogar ignoriert.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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