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29 Monate im Dauereinsatz: Zwei Corona-Helfer erzählen von ihrem Alltag in der Pandemie

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Von: Katrin Woitsch

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 Bernadette Rosenegger  und Andrea Maier beim Empfang für die Corona-Helfer im Schloss Schleißheim.
Unermüdlich im Einsatz: Bernadette Rosenegger (l.) und Andrea Maier beim Empfang für die Corona-Helfer im Schloss Schleißheim. © Oliver Bodmer

Sie haben Überstunden gemacht, getröstet oder versorgt: Tausende Menschen in Bayern sind während der Corona-Zeit an ihre Grenzen gegangen, um zu helfen. Und sie tun es noch. Die Pandemie ist auch nach 29 Monaten noch nicht vorbei. Gestern gab es für die Helfer einen Empfang – und Respekt.

Manchmal schauen die Leute im Supermarkt etwas komisch, wenn Bernadette Rosenegger ihren Einkaufswagen vorbeischiebt. Da liegen schon mal mehrere Netze Kartoffeln, einige Kilo Hackfleisch oder dutzende Salatköpfe drin. Einkäufe wie diese macht die 47-Jährige alle zwei Tage. Seit sie beschlossen hat, dass sie in ihrer Küche für die Helfer im Traunsteiner Corona-Testzentrum kocht. Rund 30 Portionen, dreimal die Woche. Angefangen hat sie damit, als es mit dem Testen losging. Seitdem steht sie um 4 Uhr früh auf, bereitet alles vor, versorgt ihre Pferde – und verbringt dann viele Stunden am Herd. „Ich hab das selbst angeboten“, sagt sie. Rosenegger ist Hausmeisterin im BRK Kreisverband Traunstein – und eine hervorragende Köchin. Als sie sah, wie gefordert all ihre Kollegen wegen Corona plötzlich waren, wollte sie auch einen Beitrag leisten. Inzwischen hilft sogar ihr 75-jähriger Vater manchmal beim Ausliefern mit. Vielleicht auch deshalb, weil die Freude über das Essen so groß und die Dankbarkeit so schön ist. Zumindest für Bernadette Rosenegger. Für sie ist die Pandemie nicht vorbei So lange getestet wird, wird sie sich den Wecker auf 4 Uhr morgens stellen. „Manchmal denke ich schon, mir würde richtig was fehlen, wenn ich damit wieder aufhöre“, sagt sie und muss schmunzeln.

Rosenegger gehört zu rund 300 Helferinnen und Helfern, die die Staatsregierung gestern Abend für ihr Engagement während der Pandemie ins Schloss Schleißheim eingeladen hat. Unter ihnen sind Krankenschwestern, Altenpfleger, Labormitarbeiter, Rettungssanitäter. Oder Erzieherinnen wie Andrea Maier aus Raisting im Kreis Weilheim-Schongau. Sie ist Bereichsleiterin von 13 Kindertageseinrichtungen des BRK Landsberg. Sie hatte es die vergangenen zwei Jahre mit einer gehörigen Portion Bürokratiewahnsinn zu tun. Das ging los mit der Testkontrollpflicht und endete bei den sich fast wöchentlich ändernden Verordnungen. „Viele Regeln oder Auflagen sind schon nach wenigen Tagen wieder revidiert worden“, erzählt die 43-Jährige. Ihre Aufgabe war es, die Kita-Leitungen zu beraten und zu unterstützen. Sie haben gemeinsam über Newsletter oder Dienstpläne gegrübelt. Oft musste Maier auch die Entscheidung treffen, dass einzelne Gruppen geschlossen werden müssen, weil Personal fehlt. „Das hat viel Mut gebraucht“, erzählt sie. „Vor Corona hätten wir so was nie gemacht.“ Inzwischen ist es traurige Routine geworden. Auch heute noch. In den Kindertageseinrichtungen ist die Pandemie alles andere als vorbei. „Ein richtiges Aufatmen hat es bei uns noch nicht gegeben.“

Neulich gab es aber ein Sommerfest. Viele Erzieherinnen kamen zu Andrea Maier, um ihr für ihre Unterstützung und Hilfe zu danken. „Das waren schöne Momente“, sagt sie. Genau wie der Empfang an diesem Abend. Maier spricht mit vielen anderen Helfern – und merkt dabei, dass Corona auch eine gute Seite hat. „Den Zusammenhalt.“ Sie ist sicher, der wird bleiben. Auch wenn die Pandemie tatsächlich irgendwann vorbei ist. „Sie haben manchmal den Eindruck, die Solidarität mit Ihnen ist sprunghaft“, sagte Landtagspräsidentin Ilse Aigner gestern. „Das darf nicht sein. Wer Kranken hilft, wer Menschen rettet, wer Leben Würde gibt, hat Dank und Respekt verdient.“ Andrea Maier freut sich über diese Worte. „Der Empfang ist eine schöne Belohnung“, sagt sie. „Aber er ist kein Schlusspunkt. Der Corona-Alltag geht für uns weiter.“ Ähnlich sieht das Bernadette Rosenegger. Sie genießt den Abend im Schlosspark. Doch zuhause ist der Wecker schon gestellt. Wie immer auf 4 Uhr – um zu kochen.

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