Gräueltaten in Ausschwitz

Ermittlungen gegen mutmaßliche KZ-Wächter

Weiden - Sie sollen ihre Verbrechen in Auschwitz ausgeübt haben: Gegen neun mutmaßliche frühere KZ-Wachmänner laufen derzeit die Ermittlungen in Bayern.

Die Zentrale Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg leitet derzeit die Vorermittlungen gegen neun Wachleute, die alle im KZ Auschwitz-Birkenau eingesetzt gewesen sein sollen. Hinzu kommt der Fall eines 87 Jahre alten Mannes, gegen den die Staatsanwaltschaft Weiden bereits seit mehreren Monaten ermittelt.

„Ich denke, es ist realistisch, dass wir unsere Ergebnisse in den nächsten Monaten an die jeweiligen Staatsanwaltschaften abgeben“, sagte der stellvertretende Behördenleiter Thomas Will der Nachrichtenagentur dpa. Das müsse nicht zwingend zur Anklage führen - entscheidend sei beispielsweise auch der Gesundheitszustand der früheren Wachleute. Derzeit werde untersucht, welcher Wachkompanie sie angehörten, was ihre Einsatzzeiten waren und wie viele Opfer es während ihrer Einsatzzeit gab.

Ausschlaggebend für die Entscheidung der Zentralstelle, fast 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs gegen die Personen zu ermitteln, war die Verurteilung von John Demjanjuk im Mai 2011. Das Münchner Landgericht verurteilte den damals 91-Jährigen wegen Beihilfe zum Mord an mindestens 28 060 Juden im Vernichtungslager Sobibor zu fünf Jahren Haft. Demjanjuk starb im März 2012, bevor das Urteil rechtskräftig war. „Das Urteil gegen Demjanjuk hat dazu geführt, die Wachleute neu zu überprüfen“, sagte Will. Aus einer Liste von mehreren tausend Personen seien 50 herausgefiltert worden, die noch lebten und im KZ Auschwitz-Birkenau eingesetzt waren. Unter ihnen seien neun Personen, die in Bayern leben.

Die Staatsanwaltschaft Weiden in der Oberpfalz ermittelt darüber hinaus schon seit mehreren Monaten gegen einen 87 Jahre alten Mann, der im KZ Auschwitz-Birkenau an der Ermordung von mindestens 344 000 Menschen in den Gaskammern beteiligt gewesen sein soll. „Die Ermittlungen laufen noch“, sagte Oberstaatsanwalt Gerhard Heindl am Freitag. Ein Problem sei, dass der Mann inzwischen in den USA lebe. Bevor Anklage erhoben werden könne, müsste er nach Deutschland ausgeliefert werden. Auch in diesem Fall hatte die Staatsanwaltschaft Weiden das Material von der Zentralstelle in Ludwigsburg erhalten.

Die Zentralstelle wurde 1958 gegründet, um NS-Täter zu ermitteln und mit Hilfe der Staatsanwaltschaften vor Gericht zu bringen. Die Anklagebehörde in Weiden ist für den Fall zuständig, weil der Mann zuletzt in diesem Bezirk gewohnt hatte.

dpa

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