Keine Ruhe im Fall Peggy - Initiative will Wiederaufnahme

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Das von der Polizei herausgegebene undatierte Archivbild zeigt die neunjährige Peggy Knobloch aus Lichtenberg/Landkreis Hof (l) und ihren mutmaßlichen Mörder Ulvi K.. Bereits am Tag ihres Verschwindens, dem 7. Mai 2001, soll der 25-jährige Mann aus der Nachbarschaft das Mädchen in einem Waldstück bei Lichtenberg getötet haben.

Lichtenberg/ Bayreuth - Vor mehr als zehn Jahren ist  Peggy spurlos verschwunden. Ein geistig behinderter Mann ist wegen Mordes verurteilt worden. Ein Jurist und eine Bürgerinitiative wollen nun die Wiederaufnahme des Verfahrens.

Kommt der Fall Peggy bald erneut vor Gericht? Wenn es nach dem Frankfurter Rechtsanwalt Michael Euler geht, dann schon. Er will einen Wiederaufnahmeantrag stellen. Denn er glaubt, dass der 2004 wegen des Mordes am damals neunjährigen Mädchen Peggy in Hof verurteilte Ulvi K. nicht schuldig ist. Auch Gudrun Rödel, die vom Gericht 2005 zur Betreuerin Ulvis bestellt wurde, ist überzeugt davon: Ulvi hat das Mädchen nicht umgebracht.

Eigentlich wollte Euler schon im Herbst wieder Bewegung in den Fall bringen. Doch die Flut der Informationen überrollte den Juristen regelrecht. “Es kommt ständig Neues rein“, sagt er. Er deutet jedoch an, dass er seine Ermittlungen bald abschließen kann. “Wir haben handfeste Beweise, dass er es nicht war“, sagt der Jurist.

Die entscheidende Frage haben sich schon viele Prozessbeobachter 2004 bei der Verurteilung Ulvis gestellt: Konnte dem geistig behinderten Gastwirtssohn wirklich der perfekte Mord gelingen? Ohne Leiche. Ohne Spuren. Ulvi hatte Ermittlern gegenüber die Tat gestanden, später allerdings widerrufen. Trotzdem wurde er verurteilt. Ihm sei übel mitgespielt worden, sagt Rödel. Die Beamten hätten bei den Vernehmungen keinerlei Rücksicht auf seine Behinderung genommen.

Mehr als zehn Jahre ist es nun her, dass die damals neun Jahre alte Peggy im oberfränkischen Lichtenberg verschwand. Fieberhaft suchte die Polizei die Gegend ab, sogar Tornados kamen zum Einsatz. Im August schließlich wurde Ulvi K. als mutmaßlicher Täter präsentiert. Er wollte, so die Ermittler, einen sexuellen Missbrauch an Peggy vertuschen und habe sie deshalb umgebracht.

Eine fast schon zu einfache Auflösung eines komplizierten Falls? Das finden viele Bürger in und um Lichtenberg. Dort hat sich inzwischen sogar eine Bürgerinitiative gegründet, die sich um Ulvis Schicksal kümmert.

Wie sehr das Thema die Region noch immer aufwühlt, war auch auf den Hofer Filmtagen Ende Oktober zu spüren. Der ZDF-Film “Das unsichtbare Mädchen“ von Dominik Graf hatte hier Premiere. Die Handlung ähnelt frappierend dem Fall Peggy, es war sogar in der Nähe von Lichtenberg gedreht worden. Nur eine Vorstellung war geplant, doch der Andrang war so groß, dass die Festival-Verantwortlichen den Streifen schließlich mehrmals zeigten.

Ulvis Betreuerin Rödel hat zahlreiche Akten zu dem Fall gesammelt, sie kann den Tag, an dem er das Mädchen laut Urteil umgebracht hat, genau rekonstruieren. Schon allein die zeitlichen Abläufe sprächen gegen die Tat, versichert sie. “Das Interesse ist nach wie vor groß“, sagt die Frau, die dafür kämpft, dass erneut verhandelt wird.

Schon im vergangenen Jahr wucherten wieder die Spekulationen. Ein Mithäftling Ulvis, der vor Gericht als Belastungszeuge galt, widerrief seine Aussage. Er hatte ursprünglich ausgesagt, Ulvi K. habe ihm vom Mord an dem Mädchen erzählt. Später sagte der Mann, er habe das bloß erfunden - in der Hoffnung auf Hafterleichterung, wenn er zur Aufklärung des Falles Peggy beiträgt.

Anwalt Euler wirft den damaligen Ermittlern vor, wichtige Zeugenaussagen einfach ignoriert und Kinder eingeschüchtert zu haben. “Man hatte doch damals nichts - außer ein Geständnis eines behinderten Menschen.“

In der oberfränkischen Justiz gibt man sich bedeckt. Eine Sprecherin des Bayreuther Landgerichts weist lediglich darauf hin, dass Ulvi K. derzeit nicht seine lebenslange Strafe wegen Mordes verbüßt. Vielmehr sitze er wegen des sexuellen Missbrauchs an Kindern in einer psychiatrischen Einrichtung. Das werde in der Diskussion um den Fall häufig vergessen. Das Gericht hatte zwar Euler damals Ulvi als Pflichtverteidiger im Falle eines Wiederaufnahmeverfahrens zugeordnet. Daraus ließen sich aber keine weiteren Schlüsse ableiten, betont die Sprecherin.

dpa

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