Kripo ermittelt: Firmen verkauften Kurzzulassungen gewinnbringend

Betrug mit Autokennzeichen

Nürnberg - Als die Zahlen der Kurzzeitkennzeichen in Nürnberg einbrachen, wurde die Zulassungsstelle argwöhnisch. Firmen betrieben offenbar mit Scheinzulassungen ein florierendes Geschäft.

Wegen mutmaßlicher Betrügereien mit Autokennzeichen sind zehn Nürnberger und Fürther Firmen ins Visier der Ermittler geraten. Die Zulassungsdienste sollen sich jahrelang mit gefälschten Vollmachten bei der Zulassungsstelle in Wiesloch bei Heidelberg per Fax sogenannte Kurzzeitkennzeichen erschlichen haben, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth am Montag sagte. Später hätten die Zulassungsdienste die Kurzkennzeichen gewinnbringend an Dritte weiterverkauft.

Auffällig: Immer weniger Kurzzeitkennzeichen

Auslöser für die Ermittlungen gegen die Firmen sei ein Anfangsverdacht von Mitarbeitern der Nürnberger Zulassungsstelle gewesen. Ihnen war bereits vor Jahren aufgefallen, dass immer weniger Kurzzeitkennzeichen für Probe-, Werkstatt- oder Überführungsfahrten in Nürnberg beantragt wurden. „Dafür fuhren immer mehr Autos mit Heidelberger Überführungskennzeichen in Nürnberg herum“, berichtete der Leiter der Nürnberger Auto-Zulassungsstelle, Steffen Keßler.

Ermittler hätten im Mai 2014 die Geschäftsräume der in Verdacht geratenen Zulassungsdienste durchsucht und Computer und Unterlagen sichergestellt. Die Auswertung dauere noch an. Es sei nicht auszuschließen, dass zu den anfänglich festgestellten Fällen noch weitere dazu kommen, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Zwei Mitarbeiter in Verdacht

Das baden-württembergische Verkehrsministerium hat inzwischen die elektronische Vergabe von Kurzzeitkennzeichen im Rhein-Neckar-Kreis gestoppt. Seit Ende November muss bei der Beantragung eines Kurzzeitkennzeichen ein gültiger Ausweis vorgelegt werden. Der Landkreis wurde angewiesen, zwei in Verdacht geratene Mitarbeiter vorerst nicht mehr in der Zulassungsstelle einzusetzen.

Kriminelle Machenschaften mit Kurzzeitkennzeichen 

Nach Keßlers Angaben hatten sich immer wieder Unbekannte die großzügige Wieslocher Vergabepraxis bei kriminellen Machenschaften zunutze gemacht. So seien seit 2012 immer häufiger Autos mit dem HD-Kurzzeitkennzeichen bei Tankbetrügereien aufgefallen. Dabei, aber auch bei Verkehrsverstößen hätten die Fahrer der mit Heidelberger Kurzkennzeichen versehenen Wagen nicht ausfindig gemacht werden können.

„Meist war der Wagen auf jemanden in Aserbeidschan oder Moldawien zugelassen. Gegen die vorzugehen, ist halt ein sehr großer Aufwand“, erläutert Keßler. Viel schlimmer aber wiegt für den Beamten: „Wenn der Fahrer einen Unfall baut, und festgestellt wird, dass der Wagen nicht ordnungsgemäß zugelassen wurde, zahlt keine Haftpflichtversicherung.“ Das Nachsehen hätten dann die Geschädigten. Schon deshalb sei der Nürnberger Zulassungsstelle sehr daran gelegen gewesen, die Praxis der Zulassungsstelle in Wiesloch zu unterbinden.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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