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Auf dem Flohmarkt: Sammlerin kauft Büste zum Spottpreis – sie ist 2000 Jahre alt

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Von: Johannes Welte

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Laura Young kaufte diese 2000 Jahre alte Büste für 34,99 Dollar. Sie ahnte nicht, was es für ein Schatz war.
Laura Young mit der Büste, die sie auf einem Flohmarkt gekauft hatte © Instagram Temple of vintage/Laura Young

Das kann man wahrlich einen Glücksgriff nennen! Auf einem Flohmarkt kauft eine Frau eine ramponiert aussehende Büste – sie entstammt einer königlichen Sammlung.

Houston/München - “Ich hatte nur nach etwas gesucht, das interessant ausschaut”, erinnert sich die Texanerin Laura Young gegenüber dem US-Sender CNN an den Tag, als sie 2018 in einem Wohltätigkeits-Basar in Houston eine etwas ramponiert wirkende Büste entdeckte und für 34,99 Dollar (33,52 Euro) erstand. “Das war ein Schnäppchen und es gab keinen Grund, nicht zuzuschlagen.”

Flohmarkt in Houston: Büste zum Spottpreis – 2000 Jahre alt

Sie wusste noch nicht, was es mit dem Marmorkopf auf sich hatte. Doch irgendwie war sie neugierig geworden, was es mit der 52 Pfund (ca. 24 Kilogramm) schweren Büste auf sich hat. Sie ahnte allmählich, dass es etwas Besonderes ist. Nach vier Jahren wandte sie sich an das Kunstmuseum in San Antonio (Texas). Sie kontaktierte auch Auktionshäuser und Experten, um irgendetwas über den Steinkopf herauszubekommen.

Schließlich wurde das Londoner Auktionshaus Sotheby’s mit seiner Niederlassung in New York fündig: Es handelt sich um eine Büste aus dem alten Rom, etwa 2000 Jahre alt! Ein Spezialist forstete digitale Datenbanken durch und fand schließlich Fotos des Marmorkopfes aus den 30er Jahren, aufgenommen in Aschaffenburg, Bavaria, Germany!

Das Schlösschen ist eine Rekonstruktion einer römischen Villa aus Pompeji
Das Pompejanum in Aschaffenburg, errichtet für König Ludwig I. von Bayern © Salino01 /Wikipedia

Was Young nicht wissen konnte: Sie hatte eine Büste erstanden, die einst dem bayerischen König Ludwig I. (1786-1868) gehörte. Der war ein großer Antikenfan und hatte in Aschaffenburg, wo er gerne das milde Klima im dortigen Schloss Johannisburg genoss, auf einem Felsen über dem Main eine Nachbildung einer Villa des römischen Pompeji errichten lassen - die Stadt, die ein Vulkanausbruch des Vesuv 79 n. Chr. mit Asche verschüttete und die ab Mitte des 18. Jahrhunderts wieder ausgegraben wurde. Ludwigs Hofarchitekt Friedrich von Gärtner errichtete das Pompejanum 1840 bis 1848. 

Flohmarkt Texas: Die Büste stammte aus der Sammlung des Bayernkönigs Ludwig I.

“Die Büste fand dort bereits mit der Fertigstellung des Gebäudes im Jahr 1850 seinen Platz”, berichtet Martin Schweiger, Sprecher der Bayerischen Schlösserverwaltung, die auch das Pompejanum betreut. Auch andere antike Büsten schmückten die römische Villa. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Pompejanum schwer beschädigt – durch Bombenangriffe auf Aschaffenburg und Artilleriebeschuss zum Kriegsende. Die im Pompejanum ausgestellten Kunstschätze waren in bombensicheren Depots ausgelagert worden.

Kunstwerk gehörte Ludwig I. - Büste zeigt einen Zeitgenossen von Julius Cäsar

In der Nachkriegszeit verliert sich die Spur der Büste, die Sextus Pompeius (67 v. Chr. - 35 v. Chr.) darstellen soll, einen Militärführer aus der Zeit von Julius Cäsar. Doch wie kam die Büste nach Amerika? „Da sie in den USA gelandet ist, scheint es wahrscheinlich, dass ein Amerikaner, der dort stationiert war, sie in die Hände bekommen hat“, mutmaßt Lynley McAlpine vom Kunstmuseum in San Antonio gegenüber CNN.

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Flohmarkt-Errungenschaft: Wie kam der Marmorkopf nach Texas?

Laura Young würde auch gerne wissen, wie die Büste nach Texas kam. Sie möchte den Unbekannten kennenlernen, der die Büste im Laden abgegeben hat. „Ich würde es wirklich lieben, wenn der Spender sich melden würde“, so Young. „Es ist höchstwahrscheinlich nicht die Person, die ihn entführt hat, ich würde aber trotzdem gerne die Geschichte erfahren.“

Ludwig I. - Das Kunstwerk kehrt wieder nach Bayern zurück

Die Büste gehört übrigens immer noch dem Freistaat Bayern. Sie wird jetzt im Kunstmuseum in San Antonio ausgestellt. Nächstes Jahr soll sie wieder nach Aschaffenburg zurückkehren. In Bayern freut man sich schon:

„Bei der Bayerischen Schlösserverwaltung herrscht große Freude über die Wiederentdeckung eines verloren geglaubten Stücks bayerischer Geschichte. Wir bedanken uns beim San Antonio Museum of Art für die Unterstützung bei der Rückführung des antiken Porträts“, so der Sprecher der Schlösserverwaltung, Martin Schweiger. Ob Laura Young jetzt reich wird? Schweiger: „Über die Modalitäten der Rückgabe ist Vertraulichkeit vereinbart worden.“

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