„Drängen liegt in der Natur des Menschen“

Heftige Corona-Szenen an bayerischem Flughafen - Augenzeuge: „Die Leute stapeln sich“

Dicht gedrängt und teilweise ohne Maske stehen Fluggäste am Flughafen Memmingen und warten auf den Zubringerbus.
+
Dicht gedrängt und teilweise ohne Maske stehen Fluggäste am Flughafen Memmingen und warten auf den Zubringerbus. Das Foto wurde laut Milan Bakalov** am Freitag, 29. Januar, aufgenommen.

Während die strengen Corona-Lockdown-Regeln den Alltag der Menschen stark einschränken, scheint man am Flughafen nicht so genau hinzuschauen.

Memmingen - Dicht an dicht steht Milan Bakalov** in einer Gruppe von Mitreisenden. Sein Flieger aus Sofia ist gerade am Flughafen in Memmingen gelandet. Alle warten auf den Zubringerbus, der die Passagiere zum Terminal bringen soll. An den nötigen Abstand zum Nebenmann ist nicht zu denken. Bakalov fliegt beruflich häufig, aber solche Zustände sind für ihn - vor allem in Corona*-Zeiten - außergewöhnlich. „Die Leute stapeln sich, doch es scheint keinen zu interessieren.“ Dann entdeckt er mehrere Menschen, die gar nicht oder falsch ihre Maske aufhaben. Eingeschritten wird deswegen nicht.

Corona: Am Flughafen und in Flugzeugen gilt noch keine FFP2-Maskenpflicht

Seit etwas über zwei Wochen gelten in Bayern verschärfte Corona-Regeln. Unter anderem ist das Tragen von FFP2-Masken* im Öffentlichen Nahverkehr und im Einzelhandel zur Pflicht geworden. Da verwundert es, dass die Staatsregierung bei Reisen mit dem Flugzeug - zumindest beim An- und Abflug in Bayern - keine strengeren Regeln vorgibt. Wie der Flughafen Memmingen bestätigt, gilt an Flughäfen lediglich einfache Maskenpflicht. Außerdem, wenn der Abstand von 1,5 Meter nicht eingehalten werden kann, muss ohnehin eine Maske getragen werden.

Bakalov hat es inzwischen in einen der Zubringerbusse geschafft. „Hier wurde darauf geachtet, dass nicht zu viele Passagiere in ein Fahrzeug gehen.“ Maximal 30 oder 40 Personen, schätzt der Bulgare, der in Deutschland wohnt. Doch dann vor dem Eingang in den Einreisebereich wieder dasselbe Bild. Die Menschen drängeln und schieben. Bakalov ist irritiert. „Da stehen bestimmt vier Personen auf einen Quadratmeter gedrängt.“ Er fragt eine Angestellte des Flughafens, wie viele Menschen überhaupt in die Einreisehalle dürfen - jetzt in Corona*-Zeiten? Sie weiß es nicht. Bittet ihn aber ebenfalls mit den anderen Passagieren weiterzugehen.

Reisen in Corona-Zeiten: In Ausnahmefällen könne die Abstandsregel nicht eingehalten werden

In einer Stellungnahme des Flughafens wird bestätigt, dass in Ausnahmefällen wie beispielsweise beim Boarding oder bei der Einreise die Abstandsregelung nicht eingehalten werden kann. Deshalb sei auch im gesamten Terminalgebäude das Tragen einer Maske Pflicht. Ab dem 1. Februar müssen es sogar medizinische Masken sein. Außerdem seien sämtliche Prozesse am Flughafen mit der zuständigen Gesundheitsbehörde abgestimmt, heißt es weiter.

Man sei sich aber bewusst, dass das Phänomen des Drängens in der Natur des Menschen liege. Die Masse dann noch zu entzerren sei schlichtweg unmöglich. Vielleicht haben sich die Menschen wirklich schon daran gewöhnt, am Flughafen zu drängeln. Anstehen mit nötigem Abstand an der Supermarktkasse oder beim Click & Collect-Verfahren - bei dem Kunden ihre Waren im Internet bestellen und vor Ort abholen können - scheint jedoch reibungslos zu funktionieren. Das Fazit des Flughafens klingt deshalb ein wenig resignierend: „Im Endeffekt ist jedoch jeder Passagier selber dafür verantwortlich, den Abstand zu anderen Passagieren einzuhalten.“

Reisen in Corona-Zeiten: Flughafen-Personal wirkt „kraftlos“

Der Geschäftsmann Bakalov spricht dem Flughafen auch nicht ab, ein Hygienekonzept zu verfolgen und nur das beste für seine Passagiere zu wollen. Nur an der Umsetzung hapere es. Das Personal müsse halt nur strenger eingreifen und besser informiert sein, ist sein Eindruck. Die Angestellten wirkten geradezu „kraftlos“. So als könnten sie auch nichts dagegen machen.

Auch im Einreisebereich keine Chance auf Einhaltung der 1,5 Meter Abstand. Aktuelles Foto von Milan Bakalov.

Dabei sollte doch gerade bei Einreisen aus Corona-Risikogebieten ein besonderes Auge auf den Infektionsschutz gelegt werden. Bulgarien steht bereits seit November auf der Liste des Auswärtigen Amts für Risikogebiete. Sicher, Einreisende müssen vor ihrer Ankunft in Deutschland einen negativen PCR-Test* in der Tasche haben. Aber ein Test ist eben nur eine Momentaufnahme und befreit nicht vor Maskenpflicht und Abstandsregel.

Reisen in Corona-Zeiten: Hohes Fluggastaufkommen am Freitagmorgen

Laut Flughafen Memmingen kommt es wohl regelmäßig am Freitagmorgen zu einem erhöhten Passagier-Aufkommen und dass sogar in Corona-Zeiten. Um der erhöhten Anzahl an Fluggästen Herr zu werden, verfolge man das Prinzip der Blockabfertigung. „Passagiere warten dann zunächst im Bereich der Corona-Testcenter und werden dann sukzessive und kontrolliert zum Terminal gefahren. Verzögerungen ergeben sich aus dem sehr hohen Kontrollaufwand für die Grenzpolizei für die neuen Verordnungen. Wir nutzen (überdachte) Freiflächen, da hier die Ansteckungsgefahr erheblich geringer ist, um wartende Passagiere zu sammeln. Leider ist dies nicht wirklich immer komfortabel (z. B. bei Regenwetter), aber eine bessere Lösung als im Gebäude“, schreibt der Flughafen.

Für Bakalov - der sich mittlerweile ganz hinten eingereiht hat, um nicht mitten in der wartenden Masse an Menschen im komplett abgeschlossenen Einreisebereich zu warten - dennoch kaum nachzuvollziehen. „Ich bin erschrocken, dass sowas in Deutschland passieren darf. Keiner darf sich privat treffen und hier wird man wie in einen kleinen Stall zusammengepfercht.“ Nach knapp eineinhalb Stunden im Einreisebereich hat es Bakalov dann geschafft. Für ihn geht es jetzt mit einem immer noch unguten Gefühl nach Hause. (tel) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks. **Name von der Redaktion geändert

Verfolgen Sie das Corona-Geschehen in Bayern in unserem aktuellen News-Ticker. Weitere Nachrichten aus ganz Bayern finden Sie auf unserer Ressort-Seite.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bayern-Star vor Abschied: Bosse rechnen offenbar mit Wechsel
FC Bayern
Bayern-Star vor Abschied: Bosse rechnen offenbar mit Wechsel
Bayern-Star vor Abschied: Bosse rechnen offenbar mit Wechsel
Weil: Pony von Auto erfasst
Landsberg
Weil: Pony von Auto erfasst
Weil: Pony von Auto erfasst
Überraschung beim FC Bayern: Neuzugang steht plötzlich ligaweit an der Spitze
FC Bayern
Überraschung beim FC Bayern: Neuzugang steht plötzlich ligaweit an der Spitze
Überraschung beim FC Bayern: Neuzugang steht plötzlich ligaweit an der Spitze
Enorme Auswahl im China-Restaurant Jiangnan in Kaufbeuren
Kaufbeuren
Enorme Auswahl im China-Restaurant Jiangnan in Kaufbeuren
Enorme Auswahl im China-Restaurant Jiangnan in Kaufbeuren

Kommentare