Lebenslang für den Frauenmörder von Mespelbrunn

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Alexander R.

Aschaffenburg - Alexander R. ist ein Mörder. Davon ist das Landgericht Aschaffenburg überzeugt.

Ob der Mann tatsächlich von langer Hand geplant hat, eine dreifache Mutter zu töten, weiß nur er selbst. Die Angehörigen können noch auf eine Erklärung hoffen.

Mit unter anderem diesem Phantombild wurde Alexander R. gesucht.

Die Hände des Frauenmörders Alexander R. aus dem Spessart sind ineinander gefaltet, als das Landgericht Aschaffenburg am Mittwoch das Urteil spricht: lebenslang wegen der Ermordung seiner großen Liebe Carmen S.. “Die Schuld des Angeklagten wiegt besonders schwer“, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Tratz. Der 38 Jahre alte Gelegenheitsarbeiter bleibt sitzen, als die Kammer ihre Entscheidung verkündet. Starr wie in den vergangenen zehn Verhandlungstagen blickt er geradeaus.

Auch am letzten Tag des Mespelbrunner Mordprozesses schweigt der Angeklagte. Ob er sein Opfer - eine dreifache Mutter - tatsächlich vor zwei Jahren wegen unerwiderter Liebe auf dem Schlossparkplatz Mespelbrunn (Landkreis Aschaffenburg) erstochen hat, bleibt ungeklärt. Das Gericht vermutet es. Augenzeugen gibt es dafür keine. Der Angeklagte selbst hatte die Bluttat über seine Verteidiger gestanden. Seine Gründe will er aber nur den Angehörigen des Opfers nennen.

Die 32-jährige Frau lehnte eine Beziehung mit Alexander R. ab. “Für diese autonome Entscheidung gegen den Angeklagten sollte sie bestraft werden“, sagte Tratz. Der 38-Jährige habe wenige Tage vor der Tat am 25. Juli 2008 den Entschluss gefasst, die verheiratete Frau wegen dieser Zurückweisung zu töten. Das Messer kaufte er vier Tage, bevor er die Mutter von drei minderjährigen Kindern erstach.

Nach Ansicht der Schwurgerichtskammer war das Verbrechen geplant. “Der Angeklagte nutze die Arg- und Wehrlosigkeit von Carmen Spielmann aus und handelte damit heimtückisch“, erläuterte Tratz. “Der Angeklagte ist voll schuldfähig.“

Weil Alexander R. bereits 1993 seine damalige Ex-Freundin nach Spanien verschleppt hat, stellte das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest. Damit kann der Täter auch nach 15 Jahren Haft nicht damit rechnen, entlassen zu werden.

Der Angeklagte wurde auch wegen schwerer räuberischer Erpressung, erpresserischen Menschenraubs und Freiheitsberaubung verurteilt. Während seiner fast einjährigen Flucht war er nachweislich zweimal in seine Heimat zurückgekehrt und hatte Verwandte überfallen.

Mit dem Urteil folgte die Schwurgerichtskammer nur teilweise der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte für den Täter auch Sicherungsverwahrung verlangt. Damit hätte Alexander R. auf unabsehbare Zeit im Gefängnis bleiben müssen. “Ich bin eigentlich recht zufrieden mit dem Urteil“, sagte Oberstaatsanwalt Walther Schmidt.

Die Verteidigung hatte bis zuletzt darauf gepocht, dass die Tat nicht geplant gewesen sei. Alexander R. habe die Frau während eines Streits im Affekt, also im Zustand einer heftigen Gefühlsregung, getötet. “Durch keinen Zeugen wurde von einem Streitgespräch oder einer Diskussion berichtet“, sagte dazu der Vorsitzende Richter mit Blick auf die Menschen, die die Schreie der Frau gehört hatten.

Die Anwälte des Mörders aus der kleinen Spessartgemeinde Heimbuchenthal hatten auf Totschlag plädiert und 14 Jahre Haft verlangt. Verteidiger Christoph Jahrsdörfer kündigte nach dem Urteil an: “Wir werden auf jeden Fall Revision einlegen.“

Der Mord an der 32-Jährigen hatte über Franken hinaus für Schlagzeilen gesorgt - wegen des deutschlandweit bekannten Tatorts und der spektakulären Flucht des Täters. Alexander R. arbeitete als Aushilfe in dem romantischen Wasserschloss in Mespelbrunn. Das Anwesen ist aus dem Film “Das Wirtshaus im Spessart“ bekannt. Auch das Opfer war in dem Hotel beschäftigt. Nach Ansicht des Gerichts verliebte sich der 38-Jährige dort in die verheiratete Frau.

Nach der Messerattacke hatte ein fast einjähriges Versteckspiel des Täters mit der Polizei begonnen. Fast auf den Tag genau ein Jahr nach der Bluttat wurde Alexander R. im französischen Colmar gefasst, jetzt ein Jahr später zur Höchststrafe verurteilt.

dpa

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