Schmuggler-Prozess

Vor Gericht: Der Zigaretten-"Pate" vom Balkan

Belgrad/Hof - Srecko Kestner, eine Schlüsselfigur des internationalen Zigarettenschmuggels auf dem Balkan in den 1990er-Jahren, kommt in Bayern vor Gericht.

Srecko Kestner, eine Schlüsselfigur des internationalen Zigarettenschmuggels auf dem Balkan in den 1990er-Jahren, kommt in Bayern vor Gericht. Es gehe um vier groß angelegte illegale Zigarettentransporte aus den Niederlanden durch Deutschland ins damalige Jugoslawien, bestätigte ein Sprecher des Landgerichts Hof am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Die Transporte hätten im Sommer 1992 stattgefunden. Da der 57-jährige Angeklagte noch nicht aus seiner Auslieferungshaft in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo nach Hof überstellt worden sei, sei der Prozessbeginn noch offen.

Es wird eng für ehemaligen Regierungschef

Sollte Kestner wirklich vor dem Landgericht auspacken, könnte er den designierten Regierungschef von Montenegro, Milo Djukanovic, in Schwierigkeiten bringen. Denn schon vor elf Jahren hatte Kestner den seit 20 Jahren unangefochtenen Spitzenpolitiker des kleinen Adrialandes als den eigentlichen Paten des Schmuggels bezeichnet. Der hatte alle Vorwürfe bestritten.

Die Fraktion der Grünen im Bundestag erwartet noch in dieser Woche eine Antwort der Bundesregierung auf die Frage, ob bei den gerade begonnenen EU-Beitrittsverhandlungen auch die Ermittlungen gegen Djukanovic eine Rolle spielen.

Zehn Milliarden Euro Steuern hinterzogen

Die Staatsanwaltschaft Augsburg und der deutsche Zoll hatten schon vor Jahren den Schmuggel nach eigener Aussage „lückenlos bewiesen“. Durch hinterzogene Steuern und Abgaben sei ein Schaden von „wenigstens zehn Milliarden Euro“ entstanden. Die Zigaretten wurden demnach über Jahre aus Westeuropa nach Montenegro gebracht, das damals zu Jugoslawien gehörte. Von dort seien sie über die Adria nach Italien und weiter wieder nach Westeuropa geschmuggelt worden.

Der inzwischen pensionierte Augsburger Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Kolb und der deutsche Zollfahnder Günther Herrmann hatten ihr halbes Berufsleben an der Aufdeckung des Zigarettenschmuggels gearbeitet. Sie hatten wiederholt behauptet, es habe aus politischen Gründen keine Anklagen gegeben, weil man Djukanovic nicht in Schwierigkeiten bringen wolle.

Djukanovic wurde in den 1990er-Jahren von den USA und der EU als Gegner des serbischen Autokraten Slobodan Milosevic unterstützt. Daher durfte das Adrialand auch den Euro einführen, obwohl es keine einzige Bedingung erfüllte. Auch darüber wollen die Grünen von der Bundesregierung aufgeklärt werden.

dpa

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