Jetzt muss er vor Gericht

WM-Mord: Ex-Soldat stach gezielt ins Auge

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Ein Feuerwehrmann und Polizisten stehen am Juli 2014 an der Einsatzstelle in Bad Reichenhall. Jetzt muss der Täter nach dem Mord an einem Rentner und dem Mordversuch an einer jungen Frau vor Gericht.

Traunstein - Tatwaffe: Bundeswehr-Kampfmesser. Nach dem brutalen Raubmord an einem Rentner und dem Überfall auf eine Jugendliche in der WM-Nacht muss ein junger Ex-Soldat jetzt vor Gericht.

Immer hatte er es auf das linke Auge seiner Opfer abgesehen. Mit bestialischer Grausamkeit stach der Täter dem pensionierte Malermeister und der jungen Frau ins Auge. Dem 72-Jährigen fügte der mutmaßliche Mörder an die 30 Stiche in den Kopf und am Oberkörper zu. Der Rentner starb an zentraler Lähmung, weil lebenswichtige Teile seines Gehirns zerstört wurden. Die 17-Jährige überlebte, ist aber seit der Tat auf dem linken Auge blind.

Begangen wurden beide Verbrechen nur wenige Stunden nach dem triumphalen Sieg Deutschlands bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014. Der Tatort: Bad Reichenhall, wo die Menschen bis spät in die Nacht ausgelassen feierten. Die Tatwaffe: ein Kampfmesser der Bundeswehr. Vom kommenden Dienstag (14. April) an muss sich ein Ex-Soldat wegen Mordes und Mordversuchs vor dem Landgericht Traunstein verantworten.

Da der Mann zur Tatzeit erst 20 Jahre alt war, gilt er als Heranwachsender und steht deshalb vor der Jugendkammer des Gerichts. Einen Tag vor Prozessbeginn wird er 21. Das Verfahren beginnt auf den Tag genau neun Monate nach dem Mord und dem Mordversuch.

Der aus Morbach (Kreis Bernkastel-Wittlich) in Rheinland-Pfalz stammende junge Mann hatte die Hochstaufen-Kaserne, in der er stationiert war, am frühen Morgen des 14. Juli 2014 verlassen. Das Bundeswehr-Kampfmesser mit 16 Zentimeter langer Klinge nahm er mit. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass der Soldat sich aus reiner Mordlust auf seinen nächtlichen Trip durch die Garnison begab.

Gegen 2.30 Uhr traf er in der Innenstadt auf den 72-Jährigen. Wie wildgeworden stach er auf den Rentner ein und tötete ihn. Mit der Geldbörse des Mannes verließ er den Tatort. Nur Minuten später prahlte er nahe dem Rathaus vor Passanten, dass er gerade einen Menschen umgebracht habe. So hat es die Mordkommission ermittelt.

Nach einer halben Stunde begegnete der Soldat seinem zweiten Opfer. Die 17-Jährige war auf dem Nachhauseweg, ihr Rad schob sie neben sich her. Zunächst grüßte der junge Mann die Auszubildende sogar. Dann griff er sie von hinten an und stach ihr in den Nacken. Als das Opfer zu Boden ging, stach er wieder zu - in die Brust und ins linke Auge der Frau. Danach flüchtete der Täter. Das Messer warf er am Waldrand weg. Die 17-Jährige schleppte sich mit letzter Kraft zu einem Haus und klingelte die Bewohner heraus, die sofort ärztliche Hilfe holten.

Der Soldat floh nach Norwegen und wurde dort gut drei Wochen nach dem Mord festgenommen. Im Oktober 2014 lieferten ihn die Behörden nach Deutschland aus. Auf die Spur des mutmaßlichen Täters war die Polizei durch Hinweise aus der Bundeswehr gekommen. Bei einer Durchsuchung von Spind und Stube des Verdächtigen wurde eine Messerscheide gefunden, zu der die Tatwaffe passt. Das Messer selbst war schon zuvor gefunden worden. Der Zeitsoldat wurde inzwischen aus der Bundeswehr entlassen - nicht wegen des Mordvorwurfs, sondern weil er sich auf der Flucht unerlaubt von der Truppe entfernt hatte.

Für den Prozess sind elf Verhandlungstage vorgesehen. Es werden mehr als 50 Zeugen und mehrere Sachverständige gehört. Das Urteil will der Vorsitzende Richter am 20. Mai verkünden. Der Angeklagte hat sich seit seiner Festnahme nicht zu den Vorwürfen geäußert. Sein Anwalt Harald Baumgärtl geht davon aus, dass der Mann auch im Prozess schweigen wird. Die Angehörigen des Ermordeten und die junge Frau treten als Nebenkläger auf. Am dritten Verhandlungstag soll sie als Zeugin aussagen. Sie wird ihrem Peiniger dann gegenübertreten müssen.

dpa

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